Interview mit Jon Bernthal alias The Punisher: „Wir alle tragen ein Stück Frank in uns“

Der Punisher tauchte erst in ‚Daredevil‘ auf und hat jetzt seine eigene Serie bekommen

Der Punisher tauchte erst in ‚Daredevil‘ auf und hat jetzt seine eigene Serie bekommen

‚The Punisher‘ ist die neue Marvel-Serie auf Netflix. ‚Walking Dead‘-Veteran Jon Bernthal brilliert als brutaler Folterer. Wir trafen ihn zum Gespräch.

Stoisch schlägt Frank Castle mit dem Hammer gegen die Wand. Immer wieder. Die Schultern angespannt, der Gesichtsausdruck verbissen, so reißt er auf der Baustelle Mauern nieder. Die Wand hilft ihm, seine Aggressionen zu kontrollieren, die Erinnerungen an seine ermordete Familie zehren an ihm. Sechs Monate ist es her, seit er den vermeintlich letzten Killer seiner Frau und seiner Kinder abgeschlachtet hat. Besser? Geht es ihm nicht.

Jon Bernthal in ‚The Walking Dead‘

Als er dann einer Verschwörung auf die Spur kommt, die auch mit seiner ermordeten Familie zu tun hat, schlägt der Punisher wieder zu. Brutal, roh, blutig Jon Bernthal (den man aus ‚The Walking Dead‘ kennt) ist Frank Castle, der Punisher. Ihren ersten Auftritt hatte die Figur in der Marvel-Serie ‚Daredevil‘. Sie kam so gut an, dass die Fans nach einer eigenen Serie verlangten. Diese startet nun am Freitag, 17.11., auf Netflix. Wir trafen Bernthal - er ist 41, verheiratet und Vater von drei Kindern - in Paris zum Interview.

TV-MEDIA: Sie tragen zu Beginn der Serie längere Haare & Vollbart. War der Hipster-Look Ihre Idee?
Jon Bernthal: (lacht) Bestimmt nicht.

TV-MEDIA: Es fällt auf, dass sich der Frank Castle aus Daredevil grundlegend von dem in The Punisher unterscheidet...
Jon Bernthal: Stimmt. Nachdem er Rache an den Mördern seiner Familie genommen hat, befindet er sich in einer Art Starre. Er kann weder vor noch zurück. Die Welt glaubt, er sei tot. Nachdem er seine Mission erfüllt hat, muss er sich nun die Frage stellen: War es mein Fehler, was mit meiner Familie passiert ist? Das war der Ausgangspunkt für die Staffel.


Ich liebe meine Familie und würde jederzeit mein Leben für sie geben (Jon Bernthal)

TV-MEDIA: Er begibt sich also auf Sinnsuche?
Jon Bernthal: Er grübelt darüber, was er mit seinem Leben anfangen soll, jetzt, wo seine Mission beendet ist. Ich habe mit Soldaten gesprochen, die im Krieg waren und danach mit dem Zivilleben nicht mehr zurechtkamen. Viele meinten, dass sie eigentlich nur im Kampf Frieden finden. Da wissen sie genau, was zu tun ist. Das Leben daheim ist hingegen hart. Da ist diese Leere. Ich glaube, Frank geht es ähnlich. Seine Feinde sind ausgelöscht. Nun muss er sich den Dingen stellen, die er getan hat. Er führt Krieg mit sich selbst.

TV-MEDIA: Er kämpft gegen seine Dämonen?
Jon Bernthal: Er lebt in einer finsteren Welt - und das jeden Tag. Im Grunde seines Wesens ist Frank Castle eine paradoxe Figur. Einerseits ist er ein anständiger Kerl mit einem hohen Moralkodex. Andererseits ist er am glücklichsten, wenn er mitten in der Scheiße steckt. Er sucht eigentlich immer nach einer Entschuldigung dafür, das Biest in ihm herauszulassen. Es ist ein Teil von ihm.

TV-MEDIA: Was war die größte Herausforderung beim Dreh?

Jon Bernthal: In Daredevil ist Frank dieser mysteriöse Charakter, der im Schatten lauert. Jetzt steht er im Rampenlicht. Er gerät in für ihn unangenehme Situationen. Er hasst Smalltalk und muss mit einem Mann zusammenarbeiten, der ihm so gar nicht ähnlich ist. Das bereitet ihm fast schon körperliche Schmerzen. Für das Publikum ist das amüsant. Die Herausforderung für mich bestand darin, in diesen Momenten die Essenz der Figur zu finden.

TV-MEDIA: Den Punisher gibt es schon mehr als 20 Jahre. Die Fans sind sich einig, dass Sie die perfekte Besetzung sind. Was machen Sie richtig?
Jon Bernthal: Ich könnte diese Rolle nicht spielen, wenn ich nicht selbst Ehemann und Vater wäre. Ich liebe meine Familie und würde jederzeit mein Leben für sie geben. Daher kann ich mich mit Frank Castle identifizieren. Ich stelle mir die Frage: Was würde ich machen, wenn man mir die Familie raubt? Ich hege eine große Sympathie für die Figur. Ich glaube, wir alle tragen ein Stück von Frank in uns. Wir alle können nachvollziehen, wie das ist, wenn man dir etwas raubt, das du liebst.

Warum man sich ‚The Punisher‘ anschauen sollte:

Hier nochmal der Plot: Sechs Monate sind seit dem Rachefeldzug des Punishers gegen die Mörder seiner Frau und seiner Kinder vergangen. Die New Yorker glauben, er sei tot. Das ist Frank Castle nur recht. Er arbeitet mittlerweile am Bau, reißt Tag und Nacht mit einem Hammer Mauern nieder und versucht so, den Erinnerungen an seine Familie zu entkommen. Als er dann von Micro (Ebon Moss-Bachrach) kontaktiert wird, der Informationen zum Mord an seinen Liebsten hat, ändert sich sein "ruhiges" Leben. Er kommt einer Verschwörung in Militär-und Regierungskreisen auf die Spur und geht Verbrechen nach, die nicht nur seine eigene Familie betreffen..

Schon in ‚Daredevil‘ hat der Punisher so großen Eindruck gemacht, dass die Fans mehr von Frank Castle sehen wollten. Die Folge: eine eigene Serie, die emotional und gleichzeitig extrem brutal ist. Von der ersten Minute an wird Spannung aufgebaut, die nicht mehr nachlässt. Aber Vorsicht! Es gibt rohe und blutige Gewaltszenen. Fazit: Die neue Netflix-Serie ist brutal gut!

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