‚Die Hölle‘: Interview mit US-Star Sammy Sheik

„Vor allem in den prominenten US-Produktionen bin ich oft der bad guy”

„Vor allem in den prominenten US-Produktionen bin ich oft der bad guy”

Man kennt ihn aus erfolgreichen US-Produktionen wie ‚Navi CIS‘, ‚Homeland‘, ‚Hawaii Five-0‘ oder ‚American Sniper‘. Der Ägypter Sammy Sheik hat schon mit Hollywood-Größen wie Clint Eastwood gearbeitet. Wie es zu seiner Rolle in ‚Die Hölle‘ kam und warum er so oft Bösewichte spielt, hat er uns verraten.

TV-MEDIA: Sie spielen in ‚Die Hölle‘ einen Killer. Verraten Sie uns ein paar Details zur Rolle?
Sammy Sheik: Ich bin ein UN-Diplomat, der Frauen tötet, die außerehelichen Sex haben. Er denkt, er würde im Auftrag Gottes handeln. Dass er die Taxifahrerin Özge töten will, hat allerdings nichts mit seiner Mission zu tun, sondern damit, dass sie ihm als Zeugin im Weg steht.

TV-MEDIA: Man kennt Sie bei uns aus US-Serien und -Filmen. Wie kommt‘s, dass sie in einer österreichischen Produktion dabei sind?
Sammy Sheik: Ich stelle mir diese Frage jeden Tag (lacht)! Im Ernst: Mein Agent hat mir gesagt, dass es eine Anfrage aus Wien gibt und dass Stefan Ruzowitzky Regie führen würde. Ich hatte seinen Film ‚Die Fälscher‘ 2009 gesehen – und habe sofort gesagt: Ich bin dabei. Mein Agent fragte nach, ob ich nicht erst das Drehbuch lesen wolle, aber ich meinte: Nein, Ich bin dabei (lacht). Danach traf ich mich zweimal mit Stefan in L.A., wir sprachen über die Rolle, es gab ein paar Proben und Dialekt-Coachings. Und jetzt bin ich hier.


Ruzowitzky ist ein Regisseur, der genau weiß, was er tut

TV-MEDIA: Hat Ruzowitzky Ihnen erzählt, dass Actionthriller „made in Austria” ungewöhnlich sind?
Sammy Sheik: Viele Leute haben mir das gesagt, aber Stefan ist die Art von Regisseur, der genau so einen Film machen kann. Mich hat schon beeindruckt, wie er bei ‚Die Fälscher‘ gearbeitet hat. Die meisten Holocaust-Filme sind ja Produktionen mit großem Budget, er musste aber mit wenig Geld auskommen. Trotzdem hatte man in keinem Moment das Gefühl, dass er Regierungsunterstützung hatte wie es bei ähnlich gelagerten großen Hollywood-Studiofilmen der Fall ist. Das hat mir gezeigt, dass er ein Regisseur ist, der genau weiß, was er tut.

TV-MEDIA: Wie ist denn die Arbeit mit den deutschsprachigen Kollegen?
Sammy Sheik: Großartig! Alle hier sind so warmherzig und gastfreundlich – wie eine Familie. Weil ich die einzige Person bin, die kein Deutsch spricht, weiß ich: Wann immer Englisch gesprochen wird, dann tut man es allein für mich. Ich habe dann fast ein schlechtes Gewissen.

„Na ja, ich sehe ja auch nach Nahost aus – und ich liebe es, den Bösewicht zu spielen“

„Na ja, ich sehe ja auch nach Nahost aus – und ich liebe es, den Bösewicht zu spielen“

TV-MEDIA: Sie werden sehr oft als Nahost-Bösewicht gecastet …
Sammy Sheik: Na ja, ich sehe ja auch nach Nahost aus, allerdings habe ich auch schon andere Rollen gespielt: Ärzte, Professoren, Studenten, Drogensüchtige. Wobei es stimmt: Vor allem in den prominenten Produktionen bin ich der „bad guy”.

TV-MEDIA: Haben Sie kein Problem mit diesem Type-Casting?
Sammy Sheik: Gar nicht, ich liebe es, den Bösewicht zu spielen – wenn der Part gut geschrieben ist und wenn es Gründe für sein Handeln gibt. Als Schauspieler willst du ja immer in die Haut eines anderen schlüpfen, willst einen inneren Konflikt. Der „bad guy” macht all diese schlimmen Sachen, und dann geht er schlafen wie jeder normale Mensch auch. Beim „good guy” gibt‘s diesen Konflikt nicht.

TV-MEDIA: Sie haben zuletzt mit ‚Lone Survivor‘ und ‚American Sniper‘ in zwei großen Hollywood-Filmen mitgewirkt, drehen jetzt hier ein Low-Budget-Movie. Was ist der Hauptunterschied?
Sammy Sheik: Es ist dieses Gefühl, dass sich jeder, der an dem Film mitarbeitet, um das Projekt sorgt. Die Leute sind nicht dabei, um im Rampenlicht zu stehen oder wegen des Geldes – oder weil wie bei ‚American Sniper‘ Clint Eastwood der Regisseur ist. Wir hatten Schauspieler bei ‚American Sniper‘, die aus einer Serie ausgestiegen sind, nur um mit ihm zu arbeiten! Hier dreht sich alles um den Film, um die Story, wir drehen eine Szene aus unzähligen Blickwinkeln. Bei einem großen Studiofilm muss dagegen alles schnell gehen. Der künstlerische Aspekt ist bei einem Film wie ‚Die Hölle‘ wichtiger. Noch ein Unterschied: Beim großen Studiofilm machst du deine Szene, dann geht’s zurück in den Trailer. Hier hängst du am Set herum, auch wenn du gerade nicht vor der Kamera stehst. Auf den Punkt gebracht: Hier ist es eine Familie, dort ein Business.


Filme machen in den USA und Österreich: Hier ist es eine Familie, dort ein Business

TV-MEDIA: Macht es auch einen Unterschied, ob ein Regisseur Schauspiel-Background hat oder nicht?
Sammy Sheik:
Nein, was einen Unterschied macht, ist der Charakter. Peter Berg zum Beispiel (Lone Survivor-Regisseur) ist ein sehr autoritärer Typ, er kommt ans Set, und keiner darf etwas zu ihm sagen. Ganz anders ist die Arbeit mit Clint Eastwood: Easy going, er ist wirklich ein lieber Kerl, sagt dir nicht, was du tun sollst, ein, zwei Takes pro Szene reichen ihm. Bei Stefan ist das hingegen echte Zusammenarbeit: Wirklich jeder darf und soll Inputs geben, bevor eine Szene gedreht wird. Und er will jede Einstellung immer noch besser machen. Andere große Regisseure verzichten auf diesen künstlerischen Input vonseiten der Crew.

TV-MEDIA: Sie sind gebürtiger Ägypter. Wann gingen Sie in die USA?
Sammy Sheik: Mit 17. Eigentlich wollte ich nur im Sommer einen Freund besuchen – und am Ende habe ich meine Eltern angerufen und gesagt: Ich bleibe, keine Uni mehr in Ägypten! Sie meinten: Okay, wenn du bleiben willst, musst du dort studieren. Ich habe mich für eine Schauspielausbildung entschieden. Zu der Zeit, als ich fertig wurde, hatte ich dann das Glück, dass gerade all diese arabischen Rollen gefragt waren, diese schrecklichen arabischen Rollen! Aber sie gestatteten mir, ins Geschäft reinzukommen. Casting-Agenturen, die sich normal nur um echte Stars kümmern, öffneten ihre Türen für mich, weil diese arabischen Charaktere gesucht wurden. Das hatte den Vorteil, dass ich relativ schnell einen Namen hatte. Als die Rollen größer und die Stories besser wurden, spielte es mir in die Karten, dass ich schon lange gearbeitet hatte. Mittlerweile habe ich das Glück, mir die Rollen aussuchen zu können. Ich muss nicht mehr den Klischee-Bösewicht spielen.

TV-MEDIA: Würden Sie Komödien auch reizen?
Sammy Sheik: Ich habe schon welche gemacht, bin aber nicht sicher, ob ich lustig vor der Kamera bin. Im wahren Leben mag das anders sein, aber schalte eine Kamera ein, und ich bin der seriöse Typ. Verrückt!


Derzeit ist eine Rolle in ‚Prison Break‘ für mich im Gespräch

TV-MEDIA: Wie sehen Ihre nächsten Projekte aus?
Sammy Sheik: Es gibt Gespräche über eine Rolle in ‚Prison Break‘.

TV-MEDIA: Haben Sie noch enge Beziehungen nach Ägypten?
Sammy Sheik: Ja, ich arbeite öfter dort. Vor drei Jahren haben wir eine arabische ‚Sex and the City‘-Variante gedreht und voriges Jahre eine Art ägyptisches ‚My Big Greek Fat Wedding‘.

TV-MEDIA: Apropos Ägypten: Was ist Ihre Meinung zu dem, was in Ihrer Heimat politisch in den letzten Jahren passiert ist?
Sammy Sheik: Eine Katastrophe! Ich habe keine Ahnung, wie man aus dem Schlamassel herauskommt. Man kann nur hilflos von außen zusehen, was passiert.

TV-MEDIA: Letzte Frage: Sind Sie zum ersten Mal in Österreich?
Sammy Sheik: Nein es ist mein drittes Mal, aber ich konnte mir nie etwas ansehen. Ich arbeite ja auch als UNO-Sonderbotschafter und kam zum ersten Mal zur AIDS-Konferenz 2010 hierher. Jetzt habe ich schon ein paar Museen besucht, das Wiener Essen ausprobiert – und ich bin draufgekommen, dass bei euch meine Liebeslingwaffeln gibt: Manner-Schnitten! Ich wusste nicht dass die aus Wien kommen, hab sie immer in Ägypten oder Jordanien gegessen. Und dann gehe ich über den Stephansplatz und sehe, dass es einen ganzen Manner-Store gibt. Da dachte ich mir: Das ist wie im Himmel, hier möchte ich leben (lacht).

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