Hass im Netz: Was man als einzelner User dagegen tun kann

So viel Hass im Netz! Doch was dagegen tun?

So viel Hass im Netz! Doch was dagegen tun?

Hasspostings und Fake-News überschwemmen Facebook & Co. Was man als einzelner User dagegen machen kann

Kaum eine Online-Präsenz ist vor ihnen gefeit: Wütende Menschen, die sich im Schutzmantel ihrer virtuellen Identität völlig ungefiltert ihrer Aggressionen entledigen.

Schon harmlose Meldungen führen zu Hasspostings

Schon harmlose Meldungen, wie etwa die Nachricht, dass Steffen Henssler nun das Stefan Raab-Format Schlag den ... übernimmt, treibt so manchen Facebook-User zu mehr als markigen Aussagen. Woher wir das wissen? Diese Dinge passieren nicht nur in der großen weiten Social Media-Welt der Politik oder Wirtschaft, sondern auch bei uns, etwa auf der Facebook-Seite von TV-MEDIA. Bei Meldungen über den ORF kommen sofort die offenbar unvermeidlichen Begriffe wie „Rotfunk“, „Zwangsjacken-Gebühr“ gefolgt von unflätigen Beschimpfungen des Generaldirektors und seines Managements bis hin zu untergriffi ger rot-grüner-Parteikritik.

Woher kommt der Hass und was feuert ihn an?

Und wenn bei vergleichsweise unbedenklichen Inhalten die Wut schon so groß ist, dann kann man sich vorstellen, wie überschäumend sie werden kann, wenn es um Themen wie Immigration, Ehe von Gleichgeschlechtlichen, Terror oder Religion geht. Das Ergebnis: Wilder Hass auf Facebook, Instagram und in den Foren der Internetportale. Gespeist wird der Hass nicht nur von opportunistischen Massenmedien auf der Jagd nach reißerischen Schlagzeilen (egal, um welchen Preis) und Parteipropaganda, sondern auch durch Fake News (gezielt abgesetzte Falschmeldungen im Nachrichtenstil). Genährt wird er durch den Echokammer-Effekt, d. h. als User hat man verstärkten virtuellen Umgang mit Gleichgesinnten in sozialen Netzwerken, dadurch kommt es dann zu einer Verengung der Weltsicht.

Hassposten ist kein Kavaliersdelikt

Ein Hassposting ist schnell geschrieben, kann aber lange weh tun. Nicht nur dem Geschädigten, sondern auch dem Hater (so nennt man die Verfasser von Hasspostings). Zumindest finanziell. Erst kürzlich wurde ein 47-jähriger Tiroler wegen Verhetzung auf Facebook zu einer Geldstrafe von 3.240 Euro verurteilt. Er schlug dem FPÖ-Obmann auf seiner Facebook-Seite vor, Attentäter doch in die Luft zu jagen. Ein ähnliches Urteil ereilte einen anderen Hater vor wenigen Wochen.

Obwohl Hasspostings strafrechtlich relevant sind, steigt ihre Zahl, so die Antidiskriminierungsstelle Steiermark. Daher hat man eine App entwickelt, mit der man die garstigen Beiträge schnell, anonym und einfach melden kann: BanHate ist kostenlos und österreichweit nutzbar. Man lädt einfach Screenshots hoch und das Posting wird dann von der Antidiskriminierungsstelle geprüft. Eine von Staatssekretärin Muna Duzdar vorgeschlagene Bundesmeldestelle soll sich künftig um Hasspostings und die Meldungen, u. a. aus der App kümmern. Meldestellen, etwa für neonazistische, rassistische oder antisemitische Inhalte finden Sie hier:

Wohin kann ich mich wenden?

Zivilcourage hilft gegen Hass – jeder kann kleine Zeichen für mehr Frieden im Internet setzen

Zivilcourage gegen Hass. Der virtuellen Feindseligkeit kann man als Privatperson eigentlich nur durch persönlichen Einsatz begegnen. Immer wieder findet man schöne Beispiele, wie mutige Österreicher der verbal ausgedrückten Antipathie begegnen. So hat Michael Niavarani kurzerhand auf Facebook bekannt gegeben, dass Hater mit jedem negativen Post die Flüchtlingshilfe unterstützen. Pro Hassmeldung würde man 5 Euro an Caritas & Co spenden.

So kann macht man Hass zu Liebe

Wer nicht öffentlich in Erscheinung treten will, kann sich zumindest informieren

Doch nicht jeder möchte sich im sozialen Netzwerk oder im Forum mit seiner eigenen Meinung exponieren, zumal ja viele User die Klarnamen-Pflicht auf Facebook sehr ernst nehmen und dort auch viele persönliche Informationen preisgegeben haben. Die Angst davor, selbst Opfer von Hasstiraden zu werden, ist verständlich. Schließlich ist schnell einmal mit den Worten „Wir wissen, wo du wohnst“ gedroht. Was man aber tun kann, auch wenn man nur mitliest, ist es, sich zu informieren.

Auf jeder Social Media-Plattform gibt es eine Meldefunktion

Erste Adresse: SaferInternet.at

Egal, um welches Problem im Internet es sich handelt, das Portal saferinternet.at sollte die erste Anlaufstelle sein. Dort findet man zahlreiche leicht verständliche Leitfäden für jede Problemsituation. Sei es nun, dass man selbst betroffen ist oder etwa Kinder hat, die in der Schule Cybermobbing ausgesetzt sind. Im Zweifelsfall können Sie sich per Mail an help <AT> tv-media.at auch an uns wenden.

5 Tipps, um gegen Hasspostings aktiv zu werden.

  1. BEITRÄGE MELDEN. Informieren Sie die Betreiber der Website und fordern Sie diese zur Löschung auf. In sozialen Netzwerken gibt es dafür meist einen eigenen Melde-Button.
  2. HASSPOSTER SPERREN. In den meisten sozialen Netzwerken besteht die Möglichkeit, andere Nutzer zu blockieren, wenn diese Inhalte posten, die anstößig sind.
  3. HASSREDE AUFZEIGEN. Benennen Sie die Hassrede in einem eigenen Posting ("Das ist rassistisch/sexistisch" etc.) und machen Sie klar, dass solche Inhalte unerwünscht sind. Bleiben Sie dabei stets sachlich!
  4. DAGEGEN ARGUMENTIEREN. Gegenrede kann in erster Linie dabei helfen, still Mitlesende zu erreichen. Auch hier: Immer sachlich bleiben.
  5. ANZEIGE ERSTATTEN. Sind die Inhalte eines Hasspostings strafrechtlich relevant,

Der ORF widmet dem Online-Problem eine Folge Thema spezial

So viel Hass im Internet. Fake News, Hass-Postings und sogenannte "Echokammern", in denen nur noch mit Menschen kommuniziert wird, die derselben Meinung sind wie man selbst, bringen das gesellschaftliche Gefüge gehörig durcheinander. Spurensuche nach den Ursachen des Hasses. Christoph Feurstein und Oliver Rubenthaler begeben sich in der Dokumentation Hass im Netz auf eine Spurensuche.

In Thema spezial erforscht Christoph Feurstein den Hass im Internet

In Thema spezial erforscht Christoph Feurstein den Hass im Internet

Sie treffen sowohl Täter als auch Opfer. Mit Natascha Kampusch, Elke Rock, Ingrid Thurnher und Eva Glawischnig sprechen Opfer von sexualisierter Gewalt im Internet. Was hat der Hass mit unserem Gehirn zu tun? Experten erklären, wie soziale Medien funktionieren, wie Hass entsteht und was das mit unserem Gehirn zu tun hat. Wo liegen die Gefahren? Wie können wir uns und unsere Kinder schützen? Was tun mit verurteilten Hasspostern wie etwa Herrn G.? Das sind die spannenden Fragen, auf die das Thema spezial-Team die Antworten präsentiert.

Programmtipp:

Thema spezial

ORF 2, MO., 10.7., 21.05 UHR

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