Hans Moser zum Binge-Watchen

Hans Moser – mehr Rapperqualitäten als Eminem

Hans Moser – mehr Rapperqualitäten als Eminem

ORF III widmet dem Idol dreier Generationen einen Thementag. Aber: Was haben uns Hans Moser und seine Filme heute noch zu sagen?

Der Sonntag gehört auf ORF III einem Mann, der geboren wurde, als Kaiser Franz Joseph 50. Geburtstag feierte; der vor über einem halben Jahrhundert starb – und dennoch im filmischen Selbstbild Österreichs unverrückbar in der ersten Reihe sitzt, Oscars für Christoph Waltz hin, Oscar für Michael Haneke her. Elf Filme mit Hans Moser zeigt der ORF-Kultursender am Sonntag am Stück (siehe Fahrplan); darunter einige seiner Klassiker. Stellt sich die Frage: Kann man sich diese schwarz-weißen Sendboten einer so fernen Zeit überhaupt noch ansehen; hat der Typus, den Moser durch über 130 seiner Filme zuverlässig abgeliefert hat, noch etwas mit uns zu tun? Die Antwort mag einige überraschen.


Im grantigen, fuchtelnden, nuschelnden, aggressiv-resignativen Beserlpark-Gangsta-Rapper steckt mehr Moser als Eminem

Als Hans Moser in den Dreißigerjahren – nach fünf Jahrzehnten bitterster Armut – zum Superstar des deutschsprachigen Kinos aufstieg, standen die besten Ressourcen für den kleinen Mann aus Österreich bereit: Technik, Regie, Ausstattung, Autoren – man wird handwerklich keinen schlechten Moser-Film finden, auch wenn manche aus Joseph Goebbels’ Teufelsküche stammen. Heutige Filmemacher können noch lernen von diesen Studioproduktionen, die damals mit Hollywood auf Augenhöhe standen, manche sogar darüber. Nebenbei war Moser mit Anspielstationen wie Theo Lingen und später vor allem Paul Hörbiger ein Pionier des heute international „Buddy-Movie“ genannten Komödiengenres. Und seine Partner waren stets die besten. Darum kann man diese Filme, mögen sie langsam sein und scheinbar unmodern, immer noch genießen.


Hans Moser war ein Pionier des Buddy-Movies

Dass wir heute mit Mosers Figur des kleinen Mannes Probleme haben, der sich mit Grant, Gefuchtel, Genuschel, einem Achterl Wein und manchmal auch einem resignativen Lied gegen „die da oben“ zur Wehr setzt und oft genug scheitert, liegt weniger an den neuen Zeiten als an einem hausgemachten Missverständnis: Kleine Leute gibt es nicht mehr, oder wenn es sie gibt, dann sind es die anderen. Schließlich sind alle nur eine schlaue Facebook-Statusmeldung, einen genialen Tweet davon entfernt, zur Oberliga zu gehören. Was für ein Missverständnis. Auf dem großen Vergnügungsdampfer der Illusionen mit Kurs auf vermeintliche Selbstbestimmung und Größe sind wir nur Passagiere – und es steckt mehr Hans Moser in jedem von uns, als wir denken. Sogar im grantigen, fuchtelnden, nuschelnden, aggressiv-resignativen Beserlpark-Gangsta-Rapper steckt mehr Moser als Eminem.

Thementag auf ORF III: Sonntag, 15. Oktober – Das gibt es zu sehen

  • Es schlägt 13 (1950). Verwechslungskomödie um zwei Kammerdiener (Moser & Lingen), die den jeweils anderen für einen Verbrecher halten. 8.25 Uhr
  • Anton der Letzte (1939). Ein loyaler, aber strenger Kammerdiener eines Grafen greift der Liebe wegen in die Familiengeschicke ein. 9.55 Uhr
  • Ja so ist das mit der Liebe (1955). Franz-Antel-Komödie, in der Hans Moser nur in einer Nebenrolle agiert. 11.20 Uhr
  • Meine Tochter lebt in Wien (1940). Verwechslungslustspiel ohne Polit-Hintergrund mit Moser als störrischem Vater. Nebenrolle: O. W. Fischer! 13.00 Uhr
  • Ober, zahlen! (1957). Moser und Paul Hörbiger als erst befreundete Kellner, dann konkurrierende Cafetiers. 14.20 Uhr
  • Der Herr Kanzleirat (1948). Moser als pedantischer Beamter und ewiger Junggeselle, der sich verliebt. 15.55 Uhr
  • Lumpazivagabundus (1956). Franz-Antel-Adaption von Nestroys Klassiker mit den Stars von damals, Hans Moser als Hobelmann. 17.40 Uhr
  • Der ewige Dienstmann (2010). Dokumentation über das Phänomen Hans Moser mit vielen Zeitzeugen. 19.20 Uhr
  • Hallo Dienstmann (1952). Klassiker mit Moser und Paul Hörbiger, das Dienstmann-Lied kennt jeder. 20.15 Uhr
  • Der Hofrat Geiger (1947). Hörbiger als Hofrat und Moser als sein Faktotum, sie suchen in der Wachau nach dem Mariandl. 22.00 Uhr
  • Kleines Bezirksgericht (1938). Amtsdiener Hans Moser mischt sich gern in Gerichtsverhandlungen ein. 23.40 Uhr
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