"Grand Prix der Volksmusik" abgesetzt, "Musikantenstadl" reduziert!

Karl Moik „kann es einfach nicht verstehen“, der bayerische Medienzampano Hans R. Beierlein spricht von einem „Attentat auf das Publikum“, Musikmanager Gustl Viertbauer benutzt die Worte „fahrlässig und gefährlich“. Was hat diese Herren so emotiona­lisiert und zu diesen teils drastischen Aussagen verleitet? Antwort: Der Grand Prix der Volksmusik wurde abgeschafft.

Am 28. August wurde noch das 25-jährige Jubiläum des länderübergreifenden Schunkelwettbewerbs gefeiert, kurze Zeit später wurde er dann möglichst diskret zu Grabe getragen.
Bestatter war das ZDF, das aufgrund schwacher Quoten den Ausstieg erklärte. Da der Grand Prix ohne deutschen Partner keinen Sinn macht, erklärten auch ORF und das Schweizer Fernsehen diese ein Vierteljahrhundert alte Institution für beendet.

Jugendlich, modern!

Das ZDF meint es ernst: Die aktuelle Programmreform des Mainzer Senders sieht ein jugendlicheres, moderneres Image vor und belegt nun auch Willkommen bei Carmen Nebel mit einem Volks­musikverbot (Schlager ist weiterhin erlaubt). Das offensichtliche Buhlen um die Jugend brachte oben genannte Herren auf die Palme, aber auch Thomas Gottschalk, immerhin Angestellter des ZDF, ärgert sich: „Einem öffentlich-rechtlichen Sender sollte jeder Zuseher am Herzen liegen, egal wie alt, wie hübsch oder wie klug."
Fakt ist: Weil beim GP der Volksmusik in der magischen Sparte 14- bis 49-Jährige katastrophale 290.000 Seher einschalteten, zog man beim ZDF die Reißleine. Wieso magisch? Die 14- bis 49-Jährigen werden von den TV-Sendern als werberelevante Zielgruppe angebetet.
Übersetzt heißt das: Schalten die nicht ein, kann auch keine Werbung verkauft werden.

Helmut Thoma war’s

Dass trotz toller Quoten im ORF (677.000 Seher beim finalen GP) deswegen auch die Österreicher in die Röhre schauen müssen, ist natürlich bitter. Ironie des Schicksals, dass sie es indirekt einem Österreicher zu verdanken haben. Denn dass diese 14- bis 49-Jährigen so wichtig sind, ist auf ­Helmut Thomas Mist gewachsen. Dabei hat der 71-jährige Wiener Ex-Chef von RTL schon längst gestanden, dass diese Grenzziehung „rei­ne Willkür“ war: „Anfang der 90er glaubten wir, dass vor allem
14- bis 49-Jährige RTL schauten. Wir machten das der Werbewirtschaft schmackhaft. Alle fielen darauf rein, sogar ARD und ZDF rennen dieser Täuschung hinterher. Dabei haben heute doch die über 50-Jährigen das Geld.“

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