Flatliners: Wie gut ist das Nahtod-Horror-Remake wirklich?

Komm, süßer Tod! Courtney erlebt ein Schweben und Fliegen, das die Angst nimmt

Komm, süßer Tod! Courtney erlebt ein Schweben und Fliegen, das die Angst nimmt

Die Neuauflage der fast 30 Jahre alten Story von jungen Ärzten, die wissen wollen, was beim Sterben passiert ist ein guter Mix aus Medizinthriller und Horror

Vor fast 28 Jahren war es die damalige Hollywood-Jungelite, die sich der Nahtoderfahrung aussetzte: Kiefer Sutherland, Kevin Bacon, Oliver Platt, William Baldwin - und Julia Roberts. Berühmt wurde der Film damals vor allem wegen der Liebe, die bei Julia Roberts und Kiefer Sutherland einschlug. Eine turbulente On/Off-Beziehung, die Roberts einige Jahre lang in Sachen Männer verstörte.

Das Original: Sutherland, Bacon, Roberts und Platt beleben den jungen Baldwin

Darum geht es in ‚Flatliners‘:

Für die Patienten in Boston ist es einfach nur ein gutes, kompetentes Krankenhaus. Doch für die Studenten ist diese Universitätsklinik eine Mischung aus Marines-Bootcamp und koreanischer Eliteschule. Oberarzt Dr. Wolfson (Kiefer Sutherland) treibt die angehenden Jungärztinnen und -ärzte durch ein gnadenloses Forderungsprogramm aus theoretischem Detailwissen, praktischen Dienstzeiten bis zur Erschöpfung und wissenschaftlichen Forschungsaufgaben. Kein Wunder, dass aus den einstigen Freundinnen Courtney (Ellen Page) und Sophia (Kiersey Clemons) eher Konkurrentinnen geworden sind, begleitet von den Kumpeln Ray (Diego Luna), Jamie (James Norton) und der kapriziösen Marlo (Nina Dobrev). Man ernährt sich von Fachbüchern und amphetaminhaltigen Aufputschgetränken, freundlich „flüssiger Herzinfarkt“ genannt. Dampf abgelassen wird bei wilden Partys.

Der Einzige, der es ablehnt, selbst die tunende Sterbeerfahrung zu machen, ist Jungdoktor Ray (Diego Luna), obwohl er der bis jetzt beste Arzt des Quintetts ist

Was passiert mit dem Hirn, wenn wir sterben?

Da durchbricht ausgerechnet die ehrgeizige Courtney dieses Rad aus Leistung, Disziplin und kalkuliertem Exzess mit einer unerhörten Aktion. Im abgesperrten Keller hat sie ein kleines zweites Krankenhaus im Dornröschenschlaf entdeckt, völlig funktionionsfähig für einen Katastrophenfall. Hier will sie privat erforschen, was mit dem Hirn passiert, wenn wir sterben. Sophia und Jamie sollen ihr gezielt einen Herzstillstand verpassen, während sie an Sensoren angeschlossen in der Diagnoseröhre liegt, und ihre Hirnströme messen, ehe sie nach einer Minute wieder zurückgeholt wird. Die Übung gelingt aber nur, weil bei der Wiederbelebung der erfahrene Ray das Schlimmste verhindert.

Flatliners - Trailer

Doch das Experiment scheint sich auszuzahlen: Courtney hatte eine schöne Nahtod-Erfahrung, es wurden starke Hirnströme gemessen. Und die Nebenwirkung ist sensationell. Sie erinnert sich an jedes Detail, das sie einmal gelesen hat, stellt blitzschnell Zusammenhänge her und macht einen intellektuellen Quantensprung, dass sogar Dr. Wolfson anerkennend die Augenbrauen hochzieht. Klar, dass die anderen auch kontrolliert sterben wollen, allein wegen des akademischen Startvorteils, den der kurze Tod ergibt. Was sie aber nicht wissen - jeder nimmt bei seinem Trip etwas Mysteriöses, Bedrohliches aus der anderen Welt mit in unsere, das sie zu verfolgen beginnt ...

Dr. Wolfson (K. Sutherland) kennt mit seinen Studenten keine Gnade - es gibt genug, die ihren Platz gerne hätten

In den USA war das Remake des 1990er-Vorbilds der Flop des Jahres, der nicht mal seine 17 Millionen Dollar Produktionsbudget einspielte. Dementsprechend ist die Kinokarriere des schwedischen TV-Regisseurs Niels Arden Oplev wieder zu Ende. Allerdings ist der Film ein wenig besser als sein Ruf. Klar könnte es weniger glatt und vorhersehbar zugehen, aber Gruselfreunde werden einige Male ordentlich erschrecken, wenn das Werk Richtung Horror abbiegt. Die DarstellerInnen mögen auch nicht die Sutherlands und Roberts von morgen sein, sind aber sympathisch, teils ziemlich sexy und werden uns sicher noch anderweitig auffallen.

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