Eine Frau, zwei Männer: Damen sind im TV unterrepräsentiert!

Tatort-Kommissarin Maria Furtwängler will die Frauenposition in Filmen stärken

Tatort-Kommissarin Maria Furtwängler will die Frauenposition in Filmen stärken

Schauspielerin Maria Furtwängler wollte wissen, wie es um die Darstellung von Frauen im Fernsehen steht - und gab eine Studie in Auftrag.

Ausgerechnet ‚Thelma & Louise‘-Darstellerin Geena Davis brachte den Stein ins Rollen: Schauspielerin Maria Furtwängler war so erstaunt von den Zahlen einer Untersuchung über die Geschlechterverhältnisse im Kino, die ihr Davis bei einem Treffen in London vor drei Jahren auf den Tisch knallte, dass sie wissen wollte, wie die Situation in Deutschland ausschaut. Und sie gab eine Studie in Auftrag. Das Ergebnis: Auf eine Frau im deutschen Fernsehen kommen zwei Männer.

Ein Drittel der Programme kommt ganz ohne Frauen aus! Besonders stark ist diese Verteilung bei Information und nonfiktionaler Unterhaltung ausgeprägt, weniger in Spielfilmen und umgekehrt bei Soaps

Ein Drittel der Programme kommt ganz ohne Frauen aus! Besonders stark ist diese Verteilung bei Information und nonfiktionaler Unterhaltung ausgeprägt, weniger in Spielfilmen und umgekehrt bei Soaps

Über 3.000 Stunden TV-Programm aus dem Vorjahr und über 800 deutschsprachige Kinofilme der letzten sechs Jahre analysierte ein Forscherteam von der Universität Rostock. „Es ist wichtig zu verstehen, welches Geschlechterbild mit der enormen Wirkungsmacht des Fernsehens und Kinos transportiert wird“, erklärt Furtwängler das Ziel der Untersuchung. Die Zahlen attestieren den Männern auch am Bildschirm eine Vorherrschaft. 67 Prozent aller Protagonisten sind männlich, nur 33 Prozent weiblich. Das zieht sich durch das gesamte TV-Programm, vom fiktionalen Angebot über das für Kinder bis zur Information. Dem nicht genug: Wenn Frauen gezeigt werden, dann gerne im Kontext von Beziehung und Partnerschaft, häufiger als junge denn reife Protagonistinnen und nur selten in der TV-Information (jeder dritte Hauptakteur ist weiblich). Nur in Telenovelas und Daily Soaps liegen Frauen mit vier Prozentpunkten vor ihren männlichen Kollegen.

Status quo oder Zukunftsbild?

Für Dr. Fritz Hausjell, Medienwissenschaftler und stellvertretender Institutsvorstand des Publizistikinstituts an der Uni Wien, ein wenig überraschendes Ergebnis, das sich auch zum Teil auf Österreich umlegen lässt (es gibt keine vergleichbare quantitative Austro-Studie). Zur Erklärung zieht Hausjell – zu seinen Fachgebieten zählen unter anderem der ORF und Diversität – den öffentlich-rechtlichen Rundfunk heran und wirft die Frage auf, ob Medien den Status quo der Gesellschaft abbilden oder „ein anderes Bild, in dem sie mutig für Polarisierung in der Entwicklung der Geschlechterfrage sorgen, Role Models ins Rampenlicht stellen und sagen: Wir verpflichten uns und sehen eine Gesellschaft der Gleichberechtigung als die sinnhafteste an. Dann würde das Ergebnis wahrscheinlich ausgeglichen sein.“ Hausjell weiter: „Jetzt hat aber der öffentlichrechtliche Rundfunk sehr dominant den Programmauftrag, die gesellschaftlichen Verhältnisse widerzuspiegeln, er hat auch die modernen Rollenbilder in der Geschlechterfrage zu berücksichtigen, sprich, dass es keinen Unterschied gibt zwischen Männern und Frauen, egal, was sie tun. Das Ergebnis wäre dann ein Bild von 51 Prozent Frauen und 49 Prozent Männern. Aber davon sind wir meilenweit entfernt.“

Dennoch stehen Österreich und der ORF nach Einschätzung von Hausjell im europäischen Vergleich gut da, das Geschlechterverhältnis bei Moderatoren (siehe ‚ZiB‘) und Korrespondenten ist austariert, selbst im männerdominierten Sport gibt’s eine neue Bewegung. Zu begrüßen ist auch das verstärkte Gender Budgeting des ORF (u. a. wird Geld zur Förderung von Geschlechtergleichstellung locker gemacht), ähnliches gilt auch seit Anfang des Jahres in Sachen Filmförderung (salopp: je mehr Frauen im Boot, desto mehr Geld gibt’s). Bleibt die Frage offen, warum sich der ORF per Gesetz mit einer 45-Prozent-Quote bei den weiblichen Mitarbeitern begnügt (derzeit 43,5 Prozent).

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