Doppel-Conférence: Otto Schenk und Michael Niavarani sind ‚Zu blöd um alt zu sein‘

Otto Schenk und Michael Niavarani - ein kongeniales Paar

Otto Schenk und Michael Niavarani - ein kongeniales Paar

Nicht nur auf der Bühne sind sie ein ungleiches aber harmonisches Humor-Duo. Auch in unserem Doppelconférence-Interview beweisen Otto Schenk und Michael Niavarani, dass ihnen der Schmäh wohl nie ausgeht.

Seit rund einem Jahr bzw. 16 Vorstellungen sitzen Otto Schenk (86) und Michael Niavarini auf der Kabarett-Bühne und plaudern und blödeln. Zum Auftakt des Kabarett-Herbstes zeigt ServusTV am 15. Oktober um 20:15 das Live-Ereignis im Fernsehen. ‚Zu blöd um alt zu sein‘ lässt das Publikum Tränen lachen. Nicht minder amüsierten wir uns bei diesem Doppelconférence-Interview - wir wünschen auch Ihnen viel Spaß!

TV-MEDIA: Seit circa einem Jahr treten Sie mit diesem Abend für zwei auf. Steckt da eine Entwicklung darin oder ist es wirklich jedes Mal ein Beginn von Null weg, weil jeder Abend eine große, auch riskante Improvisation ist?
Otto Schenk: Es ist jedes Mal ein Spiel von Null. Mit der Hoffnung, dass uns die guten Sachen von früher wieder einfallen. Was meistens nicht der Fall ist …
Michael Niavarani: (lacht) Was meistens nicht der Fall ist …
Otto Schenk: Was uns zwingt, neue Fantasien, nein, neue Realismen, neue Blamagen von einst aufzuzeigen und die Leute zu unterhalten. Wobei wir nicht aufs Unterhalten ausgehen.
Michael Niavarani: Wir haben uns nicht den Zwang auferlegt, ganz schnell eine Pointe nach der anderen zu bringen, sondern es ist ein Gespräch, eine Unterhaltung zwischen zwei Menschen. Die aber natürlich auch darauf abzielt, sich gegenseitig witzige Sachen zu erzählen.
Otto Schenk: Und er zieht mir wirklich die dicksten Würmer aus der Nase, die mir je von dort herausgezogen worden sind.

TV-MEDIA: Ist das nicht ein wenig tiefgestapelt? Wenn zwei Halbgötter des Humors zusammenkommen, erwartet das Publikum doch automatisch, dass es angemessen komisch wird, oder?
Michael Niavarani: Es wird auch viel gelacht. Es ist nur so: Unser Ansatzpunkt ist, dass wir uns keinen Stress machen, nicht die Geduld verlieren, wenn wir einmal auch zehn Minuten ernsthaft über Liebe, das Leben, heikle Themen wie Religion, Krieg …
Otto Schenk: Aufklärung!
Michael Niavarani: Es wird auch viel gelacht. Es ist nur so: Unser Ansatzpunkt ist, dass wir uns keinen Stress machen, nicht die Geduld verlieren, wenn wir einmal auch zehn Minuten ernsthaft über Liebe, das Leben, heikle Themen wie Religion, Krieg …
Otto Schenk: Aufklärung!
Michael Niavarani: Genau, Ottis Aufklärung im Krieg. Wir nehmen uns Zeit, auch ernsthaft über Dinge zu reden. Es ist eine sehr schöne Erfahrung, zu merken, wie Dir die Leute an den Lippen hängen und zuhören, und nicht ungeduldig werden, wenn da die zwei Komödianten über was Ernstes reden.


Wir hoffen, dass uns die guten Sachen von früher einfallen. Was meistens nicht der Fall ist ;-)

TV-MEDIA: Eher ein persönliches Anliegen oder auch ein dramaturgisches? Eine Pointe glänzt ja heller, wenn sie in Ernsthaftigkeit eingebettet ist.
Otto Schenk: Sicher! Es ist überhaupt alles Dramaturgie! Wenn Sie eine Bühne betreten, dann sind Sie verpflichtet, einer Dramaturgie zu folgen. Man lacht ja nur über Dinge, die uns passiert, die uns miss- oder gelungen sind. Und wir haben halt das komische Glück, dass uns jeden Abend eine Linie einfällt, auf der wir tanzen. Die ersten fünf Minuten sind fast immer gleich – und dann arten wir aus!
Michael Niavarani: Es beginnt damit, dass ich dem Otti die blödeste aller Fragen stelle: Wie geht’s dir? Und das führt manchmal gleich zu einer Pointe, manchmal zu alltäglichen Gebrechen des Alters, oft auch zu was ganz anderem.
Otto Schenk: Der Witz unserer Sache ist, dass wir dauernd ausrutschen. Wir schaffen es nicht, direkt zu antworten, sondern kommen zu einem verhatschten Blödsinn, der dann tatsächlich die Wahrheit, komisch und fast eine Antwort ist. Zum Beispiel wenn er mich fragt … dürfen wir das überhaupt vorab verraten?
Michael Niavarani: Aber ja. Wenn ich den Herrn Schenk – da geht’s ans Eingemachte, weil auch über Sex wird gesprochen – frage: Kannst Du Dich noch an Dein erstes Mal erinnern?
Otto Schenk: Und ich antworte darauf: Ich kann mich kaum mehr an mein letztes Mal erinnern.

TV-MEDIA: Eines der Probleme der heutigen Zeit ist ja, einander nicht ausreden zu lassen. Nun lebt ein solcher Abend ja genau davon, einander zuzuhören und aufeinander einzugehen. Tun sich da im unbeschädigten Dialog geschulte Schauspieler leichter, wenn sie „nur“ miteinander reden?
Otto Schenk: Es ist eine gewisse Ehrfurcht, die wir voreinander haben. Wenn einer redet, dann läßt man ihn. Außer, man ist sooo sicher, was man als unterbrechende Pointe parat hat. Dann ist Unterbrechen erlaubt.
Michael Niavarani: Und je sicherer man glaubt, dass sie ist – umso weniger wirkt sie dann! (beide lachen) Der Unterschied zu Politikern ist ja der: wenn drei von denen reden, dann will jeder die meiste Zeit für sich haben, um selber gut rüberzukommen oder den anderen schlecht dastehen zu lassen. Und wir wollen ja eher das Gegenteil.
Otto Schenk: Wir demonstrieren ja eher unsere Schwächen. Man kann nicht sagen, dass wir stolz sind auf diese Schwächen – aber ein bisserl eitel sind wir schon damit.

Sitzen und blödeln - eine Kunst, die Schenk & Niavarani blendend beherrschen

Sitzen und blödeln - eine Kunst, die Schenk & Niavarani blendend beherrschen

TV-MEDIA: Vor ca. einem Jahr waren Sie bei der Barbara Stöckl zu Gast, quasi als Vorstellung des neuen, fallweisen Duetts. Und da haben Sie beide ganz viel Zeit damit verbracht, einander gegenseitig , pardon, ganz viel Staubzucker in den Hintern zu blasen. Bei so viel wechselseitigem Lob sucht man unwillkürlich den doppelten Boden (was wir natürlich jetzt nicht tun). Wie hat sich dieses Verhältnis im Laufe des letzten Jahres entwickelt?
Michael Niavarani: Wir blasen immer noch, aber teilweise ist uns der Staubzucker ausgegangen (beide prusten vor lachen).
Otto Schenk: Wir haben nix gegeneinander. Wir haben so viel gemeinsam. Schwierigkeiten, die man im Leben hat oder mit dem Beruf, den wir beide nie leicht genommen haben. Dass der Michael ein Theater gebaut hat wie dieses hier, ist eine der ganz großen Mutsachen, die es in einem Künstlerleben geben kann. Oder ich, ich könnte 100 Atteste bringen, dass ich nicht ein Wort mehr reden kann, dass ich unfähig bin, auf einer Bühne zu stehen und dass es lebensgefährlich für mich ist, einen Abend am Theater zu verbringen ... Und diese Atteste bring ich nicht, sondern ich komm’ halt. Weil das Ganze, unsere Auftritte, eine Gnade ist, Ein Geschenk, das wir beide als solches empfinden.
Michael Niavarani: Das stimmt. Dass wir zueinander gefunden haben auf der Bühne – sehr spät, aber doch – ist ein Geschenk. Hätten wir früher gewußt, wie gut wir einander verstehen, hätten wir schon lange miteinander Theater spielen können. Trotzdem finde ich es fast schöner, so wie es jetzt ist...
Otto Schenk: Wie zwei alte Jungfrauen haben wir zueinandergefunden.

TV-MEDIA: Herr Schenk, weil Sie gerade das Errichten eines Theaters erwähnen: Wenn man schaut, was der Herr Niavarani so macht – Stücke schreiben, spielen, eigenes Theater dazu bauen und leiten – wäre er da nicht ein idealer Direktor für ein Theater wie die Josefstadt? Hat er nicht so ein klassisches Schikaneder-Gen?
Otto Schenk: (Niavarani winkt hochfrequent im Hintergrund ab) Da müssen Sie die Josefstadt fragen. Aber das Gen hätte er ganz sicher, auch wenn er die Josefstadt nicht so führen würde wie dieses Theater. Aber selbstverstädnlich: würde man suchen, dann müßte man unter Machern wie ihm suchen.
Michael Niavarani: Ich glaube, dass diese Kombination aus Theaterleiter, Schreiben und selbst auch noch mitspielen, das hat es in Österreich und England früher öfter gegeben. Der Schikaneder hat das gemacht, der Nestroy hat das gemacht – und eigentlich ist das so gesehen genau das, was die Kabarettisten heute machen. Nicht jeder leitet ein Theater, aber du produzierst deine eigene Show, gehst auf Tournee usw. Wenn ich das von Außen betrachte, kommt es mir auch schräg und natürlich vor: Ich hab ein Stück, also kauf ich Holz, bau das zu einer Bühne zusammen und dann spielen wir das dann.
Otto Schenk: Das ist auch der natürliche Vorgang. Wenn ich ein Theater geleitet habe, na dann habe ich auch ununterbrochen dort gespielt. Nicht den anderen Rollen weggespielt, sondern die, wo kein anderer da war und die für mich geeignet waren. Man muss ziehen. Jeder Theaterdirektor, der auch die Bühne betritt, muss wissen: wegen mir kommen Leute! Eigentlich ist das ein schreckliches „muss“...
Michael Niavarani: Wir haben uns nicht den Zwang auferlegt, ganz schnell eine Pointe nach der anderen zu bringen, sondern es ist ein Gespräch, eine Unterhaltung zwischen zwei Menschen. Die aber natürlich auch darauf abzielt, sich gegenseitig witzige Sachen zu erzählen.
Otto Schenk: Und er zieht mir wirklich die dicksten Würmer aus der Nase, die mir je von dort herausgezogen worden sind.


Wenn zwei ein Programm improvisieren und sie stehen, dann stehen zwei blöd herum und wissen nicht, was sie sagen sollen

TV-MEDIA: Jetzt hat der Michael Niavarani als spätberufener, was nicht vielen passiert, den William Shakespeare für sich entdeckt. Herr Schenk, sie sind ja ein großer Klassik-Kenner und haben Jahrzehntelang große Oper von der Met in New York abwärts inszeniert. Haben sie den Niavarani auch ein wenig mit dem Klassikvirus infizieren können?
Otto Schenk: Na selbstverständlich!
Michael Niavarani: Tut er doch schon, die ganze Zeit! Zwingt mich förmlich, mir Wagner anzuhören. Und ich bin ein zwar langsamer, aber doch gelehriger Schüler. Das Rheingold habe ich schon ganz gesehen. Und bin jetzt... Was war schnell das zweite?
Otto Schenk: Die Meistersinger. Wir arbeiten an den Meistersingern. Es ist oft deshalb schwer, weil die Vorstellungen nicht begeisterungswürdig sind. Und Opernfreund wird man erst, wenn man sich die Oper angewöhnt hat. Die Vorstellung selbst ist nur ein Teil vom Idealbild, das sich auch der Komponist gemacht hat.

Michael Niavarani: Dabei – ich habe immer schon sehr gerne klassische Musik gehört. Ich mag Bach wahnsinnig gern, natürlich Beethoven – lustiger weise höre ich seine Klavierkonzerte, vor allem das Klavierkonzert Nr. 1, sehr oft beim Schreiben. Weil mein österreichischer Opa, der Professor Gustav Swoboda, war ja bei den Philharmonikern. Erster Geiger – die haben vorher keinen gehabt, der war der erste – und als Kind haben sie uns natürlich sehr oft ins Konzert geschliffen. Aber die Oper selbst, das hat gedauert. Othello – ja! Das habe ich schon als Kind geliebt, weil mir der Opi die Platte geschenkt hat. Und Carmen. Das waren die einzigen zwei Opern.
Otto Schenk: Das ist sehr wichtig, dass einem einer rechtzeitig die Platten schenkt!
Michael Niavarani: Die Tür ist eigentlich offen, ich muss nur noch durchgehen.

TV-MEDIA: Zurück zu ihrem Bühnenabend, ohne Musik – und auch ohne große Aktion. Wie Sie beide ja fast durchgängig sitzen. Ist das besser, ist es schwieriger oder ist es gelichgültig, wenn man als Künstler sitzt?
Otto Schenk: Es ist so: wenn man sitzt, verpflichtet das zum Denken, zum Formulieren und auch zum Packen. Wenn man herumgeht, wird man davon abgelenkt. Das ist ein anderer Weg am Theater. Da hat man Text und Aufgabe. Wer am Theater auf der Bühne geht, muss die Neugierde beim Publikum erwecken: wohin geht der, warum geht er dorthin?
Michael Niavarani: Ich glaube, der Unterschied ist vor allem der: wenn zwei ein Programm improvisieren und sie stehen, dann stehen zwei blöd herum und wissen nicht, was sie sagen sollen. Wenn man hingegen sitzt, dann sitzen zwei intelligent da und denken darüber nach, was der andere gesagt hat. Es wirkt wirklich viel klüger, es gibt einen Startvorteil beim Publikum.

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