‚Das Ding des Jahres‘: Stefan Raabs Erfindershow schwächelt

Die ‚Ding‘-Jury: REWE-Einkaufschef Hans-Jürgen Moog, Model Lena Gercke und Moderator Joko Winterscheidt

Die ‚Ding‘-Jury: REWE-Einkaufschef Hans-Jürgen Moog, Model Lena Gercke und Moderator Joko Winterscheidt

Bereits die Auftaktfolge von ‚Das Ding des Jahres‘ bekam schlechte Kritiken („müder ‚Höhle der Löwen‘-Klon“), schon einen Tag später rutschten die Quoten der Erfindershow fast unter den ProSieben-Durchschnitt.

Als Entertainer Stefan Raab (u. a. ‚TV total‘ und ‚Wok WM‘) seine TV-Pension verkündete, waren seine Fans überaus traurig. Nun ist der ProSieben-Erfolgsgarant zumindest hinter den Kulissen zurückgekehrt: Mit der Show ‚Das Ding des Jahres‘ will er VOX Konkurrenz machen. Insgesamt buhlen 40 Tüftler mit ihren Erfindungen um die Gunst des Publikums und einer Jury. In fünf Folgen treten jeweils acht kreative Köpfe in vier Duellen gegeneinander an. Präsentiert wird eine breite Palette von Erfindungen, die das Leben erleichtern sollen – darunter Haushaltshilfen und innovative Transportmittel. Den Siegern winkt ein Werbedeal bei den Sendern der ProSiebenSat.1-Gruppe in Höhe von 2,5 Millionen Euro.

Bereits das Konzept klang verdächtig nach ‚Die Höhle der Löwen‘, in der Praxis entpuppt sich das ‚Ding‘ bereits nach zwei Folgen als müder Abklatsch der erfolgreichen VOX-Show. So sieht das u. a. auch Löwen-Investor Frank Thelen. Er lästert auf Twitter: „Diese Show ist eine billige Kopie unserer Sendung. Stefan Raab habe ich bisher als großartigen Unterhalter kennengelernt. Ich würde mich sogar als Raab-Fan bezeichnen, aber Kopieren geht nicht. Ich hätte mir mehr Kreativität gewünscht.“

Absturz schon nach der zweiten Folge

Nach einem soliden Debüt am Freitag (9. Februar, 20.15 Uhr) – 1,93 Millionen Zuschauer und 15 % Marktanteil in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen in Deuschland – zappten einen Tag später am Samstag (10. Februar, ebenfalls 20.15 Uhr) nur mehr 1,28 Millionen (10 % MA) bei der Gründershow vorbei. Selbst ‚Deutschland sucht den Superstar‘ erzielte auf RTL mehr als doppelt so hohe Werte. In Österreich sank die Seherschaft von 159.000 auf 107.000. Das Problem: Die Promi-Jury um Moderator Joko Winterscheidt, Model Lena Gercke und REWE-Einkaufschef Hans-Jürgen Moog sucht nach den „besten, praktischsten und nützlichsten“ Erfindungen des Jahres – vorgestellt werden jedoch nicht nur langweilige und unnötige, sondern teilweise auch dubiose Produkte.

Dubiose „Erfindungen“

Ein Beispiel: Austro-Erfinder Marvin Musialek versucht mit seiner Zahnbürste „Amabrush“ (sie putzt die Zähne in zehn Sekunden) bereits seit Jahren, Geld über Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter und Indiegogo zu sammeln. Über sieben Millionen hat er angeblich schon beisammen, die Lieferung wird aber seit Monaten hinausgezögert. Auf eBay und Co finden sich mittlerweile zuhauf China-Kopien, die denselben Effekt wie das „Original“ versprechen.

Und: Eine Cocktail-Mischmaschine wie aus der Freitagssendung gibt es in den USA schon seit 2016. Den Bierkühler vom Samstag verkaufen China-Websites seit 2015. Und Hut-Verkleidungen für den Fahrradhelm sind wörtlich ein „alter Hut“. Solchen Produkten bzw. deren „Erfindern“ eine Plattform zu bieten, lässt zu der Annahme kommen, dass die ‚Ding des Jahres‘-Produktion offenbar nicht genügend brauchbare Ideen gefunden hat. Hier geht der Punkt eindeutig an VOX und ‚Die Höhle der Löwen‘.

In den nächsten Wochen soll ‚Das Ding des Jahres‘ weiterhin samstags um 20.15 Uhr laufen – und hat an diesem Sendeplatz harte Konkurrenz durch RTLs ‚DSDS‘. Dass die Erfinder-Show auf lange Sicht nicht mit Dieter Bohlens vermeintlichen Gesangstalenten mithalten kann, zeichnet sich bereits jetzt ab.

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