Bernhard Schir: Der Vorstadt-Mann liebt die „Weiber“

Caroline Melzer (Martina Ebm) und ihr Mann Hadrian (Bernhard Schir)

Caroline Melzer (Martina Ebm) und ihr Mann Hadrian (Bernhard Schir)

Bernhard Schir im Talk: Für den 54-Jährigen ist die ‚Vorstadtweiber-Serienrolle ein Geschenk. Mit uns spricht er über Hadrian Melzer und den großen Erfolg der österreichischen Serie.

Seine Eltern haben „geschluckt“, als Bernhard Schir ihnen eröffnete, dass er das Medizinstudium zugunsten einer Schauspielkarriere ad acta legen wolle. Ob sie daran gedacht haben, als ihr Sohn von 1996 bis 1999 als titelspendender Chirurg in der RTL-Serie ‚OP ruft Dr. Bruckner‘ einem breiten Publikum bekannt wurde?

Schir als fescher Dr. Bruckner (ganz rechts im Bild)

Fakt ist: Heute zählt der gebürtige Innsbrucker zu den gefragtesten TV-Darstellern im deutschsprachigen Raum. Als solcher gehört er auch zum Cast der ‚Vorstadtweiber‘ und gibt in der ORF-Erfolgsserie den Banker Hadrian Melzer. Ab Montag wiederholt das Küniglberg-TV die zweite Staffel, quasi zur Einstimmung auf die neuen Folgen, die ab 8. Jänner 2018 on air gehen. Wir baten Schir, der ab 15. November in der neuen sechsteiligen ZDF neo-Serie ‚Lobbyistin‘ zu sehen ist, zum Interview über die ‚Vorstadtweiber‘, Serien-Renaissance und das Theater, sein Seelenfutter.


Dass es so reinkracht, damit kann natürlich niemand rechnen (Bernhard Schir über die ‚Vorstadtweiber‘)

TV-MEDIA: Hätten Sie 2014, als die Dreharbeiten zu den Vorstadtweibern begannen, mit dem großen Erfolg gerechnet?
Bernhard Schir: Als ich die Bücher zum ersten Mal bekommen habe, war ich begeistert und überzeugt, dass das gut wird. Weil ich die Dialoge ungewöhnlich und die Szenen sehr provokant fand - ohne wirklich jemals ordinär zu sein. Dass es so reinkracht, damit kann natürlich niemand rechnen. Für mich sind die Vorstadtweiber ein Geschenk.

Bernhard Schir als Hadrian Melzer in der 2. Staffel von ‚Vorstadtweiber‘ mit Nina Proll

TV-MEDIA: Auch in Deutschland kam vor allem die erste Staffel sehr gut an ...
Bernhard Schir: Ich drehe ja sehr viel in Deutschland und lebe auch dort, und das Feedback in der Branche ist gigantisch. Du wirst von jedem drauf angesprochen, sie beneiden uns auch, was wir uns in Österreich trauen, was für Formate da möglich sind, die in Deutschland gar nicht gehen würden. Da ist der ORF, muss ich sagen, schon mutig, obwohl es auch Gegenwind gibt.


Der Fokus ist klar auf den Weibern, die haben auch die schöneren Kleider an (Bernhard Schir über Männerrollen in ‚Vorstadtweiber‘)

TV-MEDIA: Harald Sicheritz und Sabine Derflinger teilen sich die Regie. Merkt man als Schauspieler Unterschiede?
Bernhard Schir: Natürlich, Sabine Derflinger ist mehr im Arthouse verhaftet, Harald Sicheritz ein sehr guter Pointensetzer. Sie haben unterschiedliche Zugänge, was ich aber sehr interessant finde.

TV-MEDIA: Die Frauen stehen bei den Vorstadtweibern im Mittelpunkt. Bleibt da für die Männer genug Raum, um sich zu entfalten?
Bernhard Schir: Absolut! Klar ist der Fokus auf den Weibern, die haben auch die schöneren Kleider an (lacht). Ich finde die Männer aber nicht stiefmütterlich behandelt, wir sind durchaus mit sehr komischen Szenen verwöhnt. Außerdem sehe ich das Ganze auch immer als Ensemblefilm.

Am Set von ‚Vorstadtweiber‘, 3. Staffel

TV-MEDIA: Serien hatten in der Vergangenheit nicht immer einen leichten Stand, was sich aber geändert hat ...
Bernhard Schir: Das haben wir den Amerikanern zu verdanken, ‚House of Cards‘ hat viele Türen geöffnet, auch eingefleischte Kinoleute wie Brad Pitt machen mittlerweile Serien, das ist salonfähig geworden. Was auch an den horizontal erzählten Geschichten liegt: Dass Folgen gemacht werden, die man so enden lässt, dass man wissen muss, wie es weitergeht. Drei, vier Staffeln, wenn sie gut geschrieben sind, das hat was.

TV-MEDIA: Wird man neidisch, wenn man hört, wie viel Geld in US-Serien gesteckt wird?
Bernhard Schir: Je mehr Geld, desto mehr Möglichkeiten hat man, logisch. Das muss aber deswegen auch nicht immer besser sein. Wir haben ein ganz vernünftiges Budget und kommen damit klar, auch wenn wir natürlich nicht 20 Drehtage pro Folge haben - was schon geil wäre.


Das sind diese reinen Theaterviecher, die vor der Kamera zu groß agieren (Bernhard Schir über manche Theaterschauspieler im TV)

TV-MEDIA: Sie machen TV-Produktionen, spielen aber auch regelmäßig Theater (aktuell in Daniel Kehlmanns Heilig Abend an der Josefstadt, Anm.). Fällt Ihnen das Switchen leicht?
Bernhard Schir: Ja. Wenn da oft gesagt wird, die Bühne ist so schwer - das ist doch Quatsch! Es ist derselbe Beruf mit anderen Zugängen. Im Theater hast du deine Rolle an einem Abend, auch die lange Probenarbeit ist ein Vorteil, die Texte sind meistens besser oder herausfordernder. Für mich ist Theater Seelenfutter, ich brauche das irgendwie, es ist die Etüde von Bach oder Chopin - und dann geht man zum Film und macht Pop und Rock (lacht).

Momentan sieht man Schir auch im Theater in der Josefstadt im Stück ‚Heilig Abend‘ von Daniel Kehlmann

TV-MEDIA: Manchen Schauspielern merkt man an, dass sie vom Theater kommen, sie wirken vor der Kamera unnatürlich.
Bernhard Schir: Ich weiß, was Sie meinen! Das sind diese reinen Theaterviecher, die vor der Kamera zu groß agieren. Als ich in den 90ern angefangen habe zu drehen, war ich davor nur am Theater und musste mich auch erst umstellen. Manchmal war es bei einer Nahaufnahme zu viel, dann habe ich es anders probiert, das war damals auch entspannter. Ich war da mein eigener Lehrer, das hat mir irrsinnig viel gebracht. Und irgendwann kriegst du es ins Gefühl.

TV-MEDIA: Sie sind ein alter Hase im Geschäft. Würden Sie rückblickend sagen: Alles richtig gemacht?
Bernhard Schir: Ich kann nur mehr als zufrieden sein, habe mit 18 Jahren beschlossen, in Innsbruck ans Kellertheater zu gehen, und arbeite seit 34 Jahren durchgehend - eher zu viel als zu wenig. Das ist doch herrlich!

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