„Qualität setzt sich immer durch“: Anne Will im Romy-Talk

Die deutsche TV-Talkerin Anne Will ist heuer zum ersten Mal für die Romy 2018 nominiert

Die deutsche TV-Talkerin Anne Will ist heuer zum ersten Mal für die Romy 2018 nominiert

Die Verleihung des österreichischen TV-Preises Romy findet heuer bereits zum 29. Mal statt. In der Kategorie „Information“ sind dieses Jahr ausschließlich Frauen nominiert. Eine der Nominierten ist neben Nadja Bernhard, Corinna Milborn, Claudia Reiterer und Sylvia Saringer die bekannte Polit-Talkerin Anne Will. Wir baten sie zum Gespräch.

Anne Will ist sicherlich eine der bekanntesten deutschen Fernsehjournalistinnen. Von 2001 bis 2007 moderierte sie die Nachrichtensendung ‚Tagesthemen‘ im Ersten, seit September 2007 leitet sie die politische Talkshow ‚Anne Will‘ des NDR im Ersten. Heuer ist sie neben Nadja Bernhard, Corinna Milborn, Claudia Reiterer und Sylvia Saringer für die Romy nominiert (zum Romy-Voting geht es hier) . Grund genug für uns, die Talkerin zum Talk zu bitten.

TV-MEDIA: Wie sieht Ihre bisherige „Romy-Bilanz“ aus? Wie viele Nominierungen/Preise gab’s bisher?
Anne Will: Für die Romy bin ich zum ersten Mal nominiert – das freut mich natürlich sehr. Andere Preise und Nominierungen waren die Nominierung für den Adolf-Grimme-Preis Spezial (2001), die Goldene Kamera als Shooting-Star 2001 (Hörzu-Leserwahl, 2002), die Nominierung für den Adolf-Grimme-Preis (2006), der Deutsche Fernsehpreis: „Beste Moderation Information“ (2006), der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für Fernsehjournalismus (2007), die „Newcomerin des Jahres“ des Medium Magazin (2007) und die Nominierung für den Deutschen Fernsehpreis: „Beste Information“ (2014).

TV-MEDIA: Was verbinden Sie mit diesem österreichischem TV- Preis bzw. mit seiner Namenspatin Romy Schneider?
Anne Will: Romy Schneider war eine faszinierende Persönlichkeit, eine starke Frau voller Gegensätze und eine große Schauspielerin. Schön, dass die Erinnerung an sie weiterlebt, zum Beispiel mit diesem Preis.

TV-MEDIA: Heuer sind erstmals nur Frauen in der Kategorie Information nominiert. Ein wichtiges Zeichen auch für Sie?
Anne Will: Absolut. Frauen sind nach wie vor in viel zu vielen Bereichen empörend unterrepräsentiert - auch gerne bei Preisverleihungen, wo ausschließlich Männer auf der Bühne stehen, als könnten Frauen keine Kamera halten, kein Drehbuch schreiben, nicht Regie führen. Insofern ist es klasse, dass die ROMY ein starkes Gegenbild mit lauter Frauen setzt. Ich freue mich darüber.

Am 16. September 2007 wurde das politische Talk-Format ‚Anne Will‘ erstmals ausgestrahlt

TV-MEDIA: In Zeiten von Fake-News und Donald Trump: Wie gehen TV-JournalistInnen am besten mit diesen neuen Herausforderungen um?
Anne Will: Wir müssen einfach unser Handwerk sauber machen. Genau hinschauen, zeigen und sagen, was ist. Im Zweifel auch mal Genauigkeit vor Schnelligkeit walten lassen. Uns erklären. Transparent arbeiten. Aber vor allem gilt: Wir dürfen uns von den Hetzern und Skeptikern nicht beirren oder treiben lassen. Denn am Ende setzt sich Qualität immer durch – davon bin ich FEST überzeugt.

TV-MEDIA: Hat die Glaubwürdigkeit klassischer Medien auch aus eigenem Verschulden heraus zu leiden?
Anne Will: Es ist ja gar nicht so, dass die Glaubwürdigkeit der so genannten „klassischen Medien“, zum Beispiel auch des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Deutschland, gelitten hätte. Wir genießen nach wie vor ein großes, sogar wachsendes Maß an Vertrauen. Das belegt gerade eine ganz neue Studie des WDR. Aber dennoch müssen wir natürlich aufpassen und dürfen in unseren Bemühen um eine richtig gute Arbeit nie nachlassen.

TV-MEDIA: In Schweden zB hat die #metoo-Debatte längst das Fernsehen erreicht. Muss diese Diskussion auch fürs österreichische und deutsche TV bzw. die jeweilige Medien- und Filmbranche geführt werden?
Anne Will: Der Anfang ist gemacht. Es gab solche Fälle ja hierzulande, über die groß berichtet wurde. Ich finde es gut und richtig, dass wir diese Debatten jetzt führen. Je engagierter, desto besser. Das führt zu einem anderen Bewusstsein und zu mehr Respekt im Umgang miteinander.

TV-MEDIA: Hatten Sie selbst Erlebnisse von Diskriminierung oder Belästigung?
Anne Will: Erfahrung mit sexualisierter Gewalt habe ich zum Glück keine. Ich glaube aber, jede Frau ist schon blöd angemacht und nicht für voll genommen worden. Das ist mir auch passiert. Und als junge Frau ist mir ärgerlicherweise oft erst hinterher eingefallen, was ich dem Typen sofort hätte um die Ohren feuern sollen. Da bin ich heute sehr viel reaktionsschneller und energischer.

TV-MEDIA: Was hat Sie ursprünglich zu Ihrer Berufswahl Journalismus bewogen? Ziel erreicht?
Anne Will: Ich habe schon als 16jährige davon geträumt, Journalistin zu werden - auch wenn ich damals gar nicht so genau wusste, was man da macht. Insofern habe ich meinen absoluten Traumberuf und mache ihn nach wie vor mit riesigem Spaß. Obwohl so ´ne Strandbar in der Südsee schon auch eine coole Option wäre…

TV-MEDIA: Ihr Stück Journalismus, auf das Sie besonders stolz sind?
Anne Will: Hmm… Ich glaube, es gab ein paar Sendungen, die mir ganz gut von der Hand gegangen sind, aber stolz? Das ist nicht meine Kategorie.

TV-MEDIA: Wo würde die Romy-Statuette stehen bei Ihnen zuhause?
Anne Will: Ach, ich denke, ich würde sie hier im Büro aufstellen. Einen großen Teil meines und unseres Erfolges verdanke ich ja meinem tollen Team. Daher wäre dieser Preis eine Auszeichnung für uns alle und wir würden hier gemeinsam feiern und darauf anstoßen.

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