‚American Gods‘: Die neue Hit-Serie im Detail beleuchtet

‚American Gods‘: Die neue Hit-Serie im Detail beleuchtet

Dass Romane von Brit-Autor Neil Gaiman gutes Futter für Film- und TV-Produktionen abliefern, wissen wir nicht erst seit den Adaptionen von ‚Neverwhere‘ oder ‚Coraline‘. Mit der langerwarteten Serien-Umsetzung von ‚American Gods‘ trifft Amazon Prime nun ebenfalls ins Schwarze – und liefert ein Roadmovie ab, das seinesgleichen sucht.

Seinen Fans ist er natürlich schon lange ein Begriff, hierzulande sind die Werke des britischen Schriftstellers Neil Gaiman bisher aber nur den aufmerksamen Cineasten vorbehalten gewesen. ‚Der Sternwanderer‘ (mit Michelle Pfeiffer und Robert De Niro) entsprang 2006 beispielsweise seiner Feder, oder der Laika-Stop-Motion-Animationsfilm ‚Coraline‘ von 2009 – basierend auf dem gleichnamigen Kinderbuch. Ein Jahrzehnt zuvor wagte sich BBC mit einer sechsteiligen Mini-Serie an sein Quasi-Erstlingswerk ‚Neverwhere‘.

Biografie des Autors

Ursprünglich stammt der heute 56-Jährige aus dem Comicfach, wo er u. a Geschichten für den DC-Verlag verfasste, darunter auch für anerkannte Franchises wie ‚Batman‘ und ‚Judge Dredd‘. Seine eigene Serie ‚Sandman‘ etablierte sich 1988 und wurde erst nach acht Jahren eingestampft. Für den englischsprachigen Markt adaptierte er das Drehbuch des Anime-Klassikers ‚Prinzessin Mononoke‘ und auch die 90er-Sci-Fi-Serie ‚Babylon 5‘ konnte ihn als Autoren für eine Episode gewinnen. Irgendwo dazwischen wandte er sich der erzählenden Literatur zu, verfasste ein Begleitwerk für ‚Per Anhalter durch die Galaxis‘ und schrieb gemeinsam mit Terry Pratchett (u. a. die ‚Scheibenwelt‘-Saga) sein erstes Werk ‚Good Omens‘.

Brit-Schriftsteller Neil Gaiman hat seine Wurzeln im Comicfach, adaptierte Drehbücher und wandte sich später der erzählenden Literatur zu

Brit-Schriftsteller Neil Gaiman hat seine Wurzeln im Comicfach, adaptierte Drehbücher und wandte sich später der erzählenden Literatur zu

Roman-Hit kommt endlich auf den TV-Bildschirm

Im Verlauf der Schriftsteller-Karriere erblickten etliche Werke das Licht der Welt, darunter auch von Hollywood aufgegriffene Geschichten wie ‚Der Sternwanderer‘ oder ‚Coraline‘. Für sein Werk ‚American Gods‘ (2001) gab es einen Hugo Award, den Nebula Award und den Bram Stoker Award – für den BSFA-Preis wurde der 500-Seiten-Wälzer ebenfalls nominiert. Eben jenes Werk hievt Gaiman nun wieder in die Charts zurück, denn nach langem Hin und Her wurde der surreale Roadtrip durch die Vereinigten Staaten endlich für das Fernsehen konzipiert und umgesetzt.

Auch bei der vielbeachteten Stop-Motion-Animation ‚Coraline‘ handelt es sich ursprünglich um ein Kinderbuch von Neil Gaiman

Auch bei der vielbeachteten Stop-Motion-Animation ‚Coraline‘ handelt es sich ursprünglich um ein Kinderbuch von Neil Gaiman

Und darum geht's: In unserer Gegenwart verlieren die alten Götter immer mehr an Bedeutung, und werden von modernen Technologien verdrängt. So war es der nordische Allvater Odin beispielsweise gewohnt, dass ihm seine seefahrenden Anhänger durchaus schon einmal ein Auge opferten, nur um ein bisschen Wind in ihre Segel gezaubert zu bekommen. Opfer werden zwar auch heute noch dargebracht, aber in einer anderen Form: Zeit. Den „Götzen der modernen Welt“, wie Internet oder Medien, widmen die Menschen Zeit en masse ohne sie zu hinterfragen, während die Altgötter durch die Finger schauen. Hier setzt ‚American Gods‘ an, und beschreibt einen Krieg zwischen diesen beiden Götter-Generationen.

Kampf der Götter-Generationen

Mittendrinn statt nur dabei ist der Ex-Knacki Shadow Moon (Ricky Whittle), der eine dreijährige Haftstrafe abgesessen hat, und sich nur noch darauf freut, wieder seine Frau in die Arme nehmen zu können. Soweit kommt es aber nicht, denn Laura (Emily Browning) ist drei Tage vor seiner Entlassung bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Sein bester Freund Robbie – der Shadow einen Job versprochen hat, sobald der die schwedischen Gardinen hinter sich gelassen hat – ebenso. Da steht er nun, und hat keine Frau, keine Freunde, und kein Geld.

‚American Gods‘ - First Look Trailer

„Zufällig“ (und wir verraten an dieser Stelle nicht mehr) lernt Shadow den mysteriösen einäugigen Mr. Wednesday (großartig: Ian McShane) kennen, der offenbar mehr über ihn weiß, als er anfangs zugeben will. Er bietet dem verzweifelten Shadow einen Job und gutes Geld an – worauf er sich dabei jedoch einlässt, ist ihm zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst. Tatsächlich geht es um oben erwähnten Krieg zwischen den Göttern, bei dem Shadow im Verlauf der Handlung keine unwichtige Rolle spielen wird.

Blutig, wuchtig, intelligent

Der surreale Roadtrip quer durch Amerika wird mit sehr blutigen (die Wikinger-Eröffnungsszene!) und teils sehr verstörenden (eine Sex-Szene, bei der ein Kerl wörtlich im Schoß einer Frau versinkt) Bildern visuell wuchtig untermauert. Gemeinsam mit einem spielfreudigen Cast (darunter auch Hochkaräter wie Cloris Leachman, Peter Stormare und Gillian Anderson), schafft es Showrunner Bryan Fuller (‚Hannibal‘) eine hervorragende Balance aus ernstem Tonfall und schwarzem Humor zu finden, und sowohl das „alte“, wie auch das „gegenwärtige“ Amerika unter einen Hut zu bringen.

Frisch aus dem Häf’n, lässt Shadow Moon (Ricky Whittle, M.) auch schon wieder die Fäuste sprechen. Dem mysteriösen Mr. Wednesday (Ian McShane, r.) taugt’s – er will den Kerl für sein Team gewinnen

Frisch aus dem Häf’n, lässt Shadow Moon (Ricky Whittle, M.) auch schon wieder die Fäuste sprechen. Dem mysteriösen Mr. Wednesday (Ian McShane, r.) taugt’s – er will den Kerl für sein Team gewinnen

Obwohl die Vorlage mittlerweile 15 Jahre auf dem Buckel hat, wirkt ‚American Gods‘ – nicht nur ob der politischen Lage – aktueller denn je, und platziert sich zwischen Hit-Serien wie ‚Game of Thrones‘, ‚Westworld‘ und ‚Breaking Bad‘ als wörtlich brutal-geniale Serie, die ihresgleichen sucht.

Acht Folgen umfasst die erste Staffel, die seit 1. Mai auf Amazon Prime zu sehen ist – und immer Montags eine neue Folge (auch auf Deutsch) aufwartet.

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