‚Altes Geld‘: David Schalkos bizarre Serien-Bösartigkeit mit Udo Kier

Manuel Rubey, Sunnyi Melles, Nicholas Ofczarek, Udo Kier und Nora von Waldstätten sind der Rauchensteiner-Clan

Manuel Rubey, Sunnyi Melles, Nicholas Ofczarek, Udo Kier und Nora von Waldstätten sind der Rauchensteiner-Clan

Ein ‚Dallas für Geistesgestörte‘ nannte Drehbuchautor und Regisseur David Schalko sein bitterböses Serienprojekt ‚Altes Geld‘, das nun endlich auch im TV startet. Weltstar Udo Kier braucht als Patriarch Rauchensteiner im Schalko-Hit eine neue Leber. Im exklusiven Interview erzählt uns der Meister der Provokation, was man von den Reichen lernen kann – und wie es war, Gert Voss zu ersetzen. Plus: Übersicht aller Folgen und Spielzeiten im TV.

Es gibt wohl nichts Schlimmeres für einen Filmemacher als den plötzlichen Verlust des Hauptdarstellers während der Dreharbeiten. So tragisch der Tod von Burgtheater-Star Gert Voss im Juli 2014 auch war und so sehr er die Produktion von David Schalkos ‚Altes Geld‘ ins Wanken gebracht hat, so interessant ist es aber, Ersatzmann Udo Kier in der Rolle des skrupellosen Milliardärs Rolf Rauchensteiner zu sehen. Von seinem Arzt erfährt der Patriarch, dass bald sein letztes Stündlein schlagen wird, sollte sich nicht eine Spenderleber finden. Für Moral ist in großer Not kein Platz mehr...

Udo Kier spielt in ‚Altes Geld‘ Rolf Rauchensteiner, einen skrupellosen Patriarchen, der an Hepatitis B und D leidet

Exklusiv-Interview mit Udo Kier

Bösewicht-Figuren liegen dem in Köln geborenen Schauspieler, der auch in Hollywood-Filmen wie ‚Blade‘, ‚Armageddon‘ und ‚Iron Sky‘ überzeugte und der in mehr als 160 Kinofilmen mitwirkte, im Blut. TV-MEDIA bat den 71-jährigen Udo Kier zum großen Interview über David Schalkos tabubrechenden Achtteiler ‚Altes Geld‘.

TV-MEDIA: Kompliment, dass Sie so kurz nach dem Tod von Gert Voss die Hauptrolle in ‚Altes Geld‘ übernommen haben. Hatten Sie Bedenken?
Udo Kier: Hätte man mich so direkt gefragt, hätte ich abgesagt. Ich lebe in Los Angeles und wusste von den Turbulenzen der Produktion nichts. Man bot mir die Rolle an, und ich hatte tatsächlich Bedenken. Ich musste in extrem kurzer Zeit acht Drehbücher lesen und meinen Part lernen. Als ich erfuhr, wie hochkarätig die weitere Besetzung ist, fiel mir die Entscheidung leicht. Nora von Waldstätten und Sunnyi Melles kannte ich bereits, und ich schätze beide sehr. Außerdem ist Wien eine besondere Stadt für mich, da ich hier meinen allerersten Film ‚Schamlos‘ gedreht habe.

TV-MEDIA: Wie war der Drehstart?
Udo Kier: Ich war tierisch nervös! Wir drehten die allererste Szene, die man auch in der Serie sieht. Mein Arzt, gespielt von Cornelius Obonya, eröffnet mir während des Joggens, dass ich todkrank bin. Obonya spürte meine Aufregung und nahm mich in einer Pause beiseite, machte mir Komplimente und meinte, dass ich ein würdiger Ersatz für Herrn Voss sei. Ich wurde von allen herzlich aufgenommen und habe die Zeit genossen.


Geld bedeutet Macht. Damit kann man sich Menschen und ihre Dienste kaufen

TV-MEDIA: Sie spielen einen reichen Mann, der stirbt, sollte er keine neue Leber bekommen, und der plötzlich zu allem bereit ist. Würden Sie selbst Illegales tun in solch einer Lage?
Udo Kier: Eine spannende Frage, die auch mich beschäftigt hat. Ich hoffe, dass ich nie in so eine Situation kommen werde, aber natürlich würde man jeglichen Besitz verkaufen und alle Hebel in Bewegung setzen. Ob ich Illegales tun würde? Fragen Sie mich das nochmals, wenn das Tonbandgerät abgeschaltet ist (lacht) .

TV-MEDIA: Regisseur David Schalko meinte, dass Sie eine sehr positive Ausstrahlung auf das ganze Team hatten. Ihr Geheimnis?
Udo Kier: Der selige Regisseur Rainer Werner Fassbinder hat mir einmal erzählt, dass einen die Arbeiter am Set erst akzeptiert haben, wenn sie einem anbieten, aus der Bierflasche einen Schluck zu nehmen. Es ist schon ein wenig beruflicher Egoismus dabei, dass ich mir von den meisten die Namen merke. Wenn ich alle kenne, die am Set arbeiten, kann ich besser arbeiten und meine Rolle spielen, weil mich keiner schief ansieht.

TV-MEDIA: Der ORF äußerte bei der Präsentation der Serie den Wunsch, dass sie der High Society einen Spiegel vorhält und eine positive Wirkung hat. Kann TV menschen verändern?
Udo Kier: Nein, verändern nicht. Aber es kann Menschen beeinfluss, zum Nachdenken anregen.

TV-MEDIA: Anhand der Serie könnte man meinen, dass das Sprichwort „Geld verdirbt den Charakter“ stimmt. Ist das so?
Udo Kier: Man sieht das doch bei vielen, die im Lotto gewinnen, sich schnelle Autos und junge Frauen kaufen und nach einem halben Jahr pleite sind. Danach kennt sie keiner mehr, alle Freunde sind weg. Lottogeld verdirbt den Charakter sicher. Aber ansonsten kommt es auf jeden einzelnen an. Geld bedeutet Macht und damit kann man sich Menschen und ihre Dienstleistungen kaufen. Ob das gut oder schlecht ist, soll eine moralische Instanz beurteilen.

Wie in ‚Altes Geld‘ ist für Kier auch die Welt im Alltag herzlos und kalt

TV-MEDIA: Wir sehen in ‚Altes Geld‘ eine Gesellschaft ohne jegliches Mitgefühl für andere. Spüren Sie auch im Alltag, dass die Welt herzloser wird?
Udo Kier: Herzlos und kalt! Wenn ich Kinder sehe, beschäftigen sich diese ausschließlich mit iPad, Handy oder anderem elektronischem Spielzeug. Ich liebe Technik, such im Internet selbst nach Informationen, bemerke aber bei den Kleinen, dass die Fähigkeit, gemeinsam zu spielen, sich fantasievoll eigene Welten zu erschaffen, schwindet. Das macht mir Angst. Die Fähigkeit, liebevoll miteinander zu kommunizieren, stirbt.


Im Privatleben kenne ich Hemmungen. Aber in meiner künstlerischen Tätigkeit liebe ich die Provokation!

TV-MEDIA: Im Vergleich zu vielen Schauspielern, die kaum Risiken eingehen, sind Sie sehr mutig. Sie haben in ‚Borgia‘ als sterbender Paps Muttermilch aus dem Busen einer Hebamme genuckelt. Kennen Sie gar keine Hemmungen?
Udo Kier: Im Privatleben schon. In meiner künstlerischen Tätigkeit liebe ich die Provokation. Kunst soll doch aufrütteln, an Grenzen gehen und darf auch verstören. Viele meiner Kollegen denken ständig nur an ihr Image. Als ich erzählte, dass ich mit Pamela Anderson drehen werde, riet man mir ab, und ich erhielt nur ein Kopfschütteln. Von meinen Fotos im Sex-Buch von Madonna ganz zu schweigen.

TV-MEDIA: Wie war die Arbeit mit Madonna? Sind Sie beide auf einer Wellenlänge?
Udo Kier: Madonna ist heute eine der reichsten Frauen Amerikas, sie hat hart dafür gearbeitet. neben dem Sex-Buch haben wir auch zwei Musikvideos gemeinsam gedreht. Chapeau für Madonna!

TV-MEDIA: Sie bekommen unzählige Rollenangebote. Nach welchen Kriterien wählen Sie aus?
Udo Kier: Ich habe nichts gegen kleine Rollen, will aber, dass ich im Film einen Eindruck hinterlasse, der den Zuschauern im Gedächtnis bleibt. Zuerst lese ich nur meine Rolle, dann das ganze Buch. Wenn ich danach denke, dass der Film auch meine Figur gut erzählt werden könnte, sage ich ab. Denn dann wäre meine Arbeit ohnehin überflüssig.

Udo Kier will in Filmen Eindruck hinterlassen – was ihm auch gelingt

TV-MEDIA: Machen Sie bei manchen Top-Regisseuren dennoch Ausnahmen?
Udo Kier: Wissen Sie, wie oft ich höre, „Udo, das kannst nur Du spielen“? Dann lese ich das Skript und komme zu dem Schluss, dass dies jeder spielen kann, der einigermaßen sprechen, gehen und eine Tür öffnen und schließen kann (lacht) . Mit Schmeichlereien erreicht man bei mir nur wenig.

TV-MEDIA: Da Sie seit langem in Los Angeles leben, kennen Sie viele Stars. Wie dekadent ist die Welt der Schönen und Reichen tatsächlich?
Udo Kier: Ich gehe auf keine Parties, weil mich das einfach nicht interessiert. Aber ich habe im Laufe der Jahre viele Reiche kennengelernt und von ihnen kann man wirklich lernen, wie man spart. Es ist tatsächlich so dass die fünf Kilometer weiter zu einem Geschäft fahren, nur weil dort das Toilettenpapier in Aktion ist. Auch wenn man im Supermarkt steht, erkenne ich ab und zu jemanden aus der Branche, der kostenlose Kupons aus der Zeitung im großen Stil einlöst.


Von den Reichen kann man sparen lernen. Die fahren fünf Kilometer für billiges Klopapier!

TV-MEDIA: Was war die größte Dekadenz in Ihrem Leben?
Udo Kier: Als ich nach Hollywood kam, fragte mich mein Agent, welche Rolle ich gerne hätte. Meine Antwort: Irgendwas in ‚Star Wars‘. Völlig naiv ging ich zum Paramount-Casting und achte, ich sei der Einzige, der für den Part vorsprechen wird. Nachdem ich Dutzende Leute mit dem gleichen Text sah, war ich so frustriert, dass ich mir, um mich zu belohnen, im Hochsommer einen Kaschmirschal gekauft habe, den ich nicht brauchte.

TV-MEDIA: Ihre Antworten sind erfrischend ehrlich. Von US-Stars hört man sonst nur Banalitäten...
Udo Kier: Ja, bei Presseaufführungen sagen alle, wie toll die Arbeit mit dem Regisseur und den Kollegen war, und wie einzigartig der Film ist. Dann sieht man ihn und denkt, der ist doch wie jeder andere. Einmal wurde ich gefragt, was Hollywood für mich sei. Ich meinte, die Traumfabrik wurde gebaut auf Sand und Titten. Können Sie sich vorstellen, was für eine Aufregung ich damit auslöste?

TV-MEDIA: Wie geht es beruflich weiter?
Udo Kier: Ich werde ‚Iron Sky 2‘ drehen, der viel aufwendiger als Teil eins wird. Die Arbiet mit David Schalko war fürmich sehr wichtig und beeindruckend, und ich würde gerne weiter mit ihm arbeiten. Aber eigentlich bin ich Gärtner aus Leidenschaft und liebe es, Bäume auf wunderschöne Grundstücke auf dem Land zu pflanzen. Dort schöpfe ich so lange Kraft, bis ich irgendwann denke, so, jetzt muss wieder etwas passieren. Und dann drehe ich einen neuen Film.

Überblick: Die Sendezeiten aller Folgen von ‚Altes Geld‘:
Datum Uhrzeit Sender Folge
2. November 2015 20:15 ORF eins Folge 1: Buschtrommeln
2. November 2015 21:05 ORF eins Folge 2: Alpha
9. November 2015 20:15 ORF eins Folge 3: Lederhaut
16. November 2015 20:15 ORF eins Folge 4: Unter Löwen
23. November 2015 20:15 ORF eins Folge 5: Der Biber
30. November 2015 20:15 ORF eins Folge 6: Der Mensch im Tier
7. Dezember 2015 20:15 ORF eins Folge 7: Chloroform
14. Dezember 2015 20:15 ORF eins Folge 8: Schneeweisses Herz
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