Alfred Dorfer interpretiert Flüsterwitze für ‚Menschen und Mächte‘

Ob Kommunismus oder NS-Diktatur: So genannte Flüsterwitze richteten sich gegen das Regime

Ob Kommunismus oder NS-Diktatur: So genannte Flüsterwitze richteten sich gegen das Regime

Witze zu erzählen, geschweige denn sie aufzuschreiben und zu sammeln, konnte während des Kommunismus aber auch während der der NS- Diktatur äußerst gefährlich werden, daher der Begriff „Flüsterwitze“. Wer ertappt wurde, musste mit Gefängnis oder Arbeits- oder Konzentrationslager rechnen, im schlimmsten Fall wegen Wehrkraftzersetzung mit dem Todesurteil. Trotzdem gab es Mutige, die erzählte Witze aufgeschrieben und damit für die Nachwelt erhalten haben. Eine zweiteilige ‚Menschen und Mächte‘-Doku widmet sich den Flüsterwitzen in verschiedenen diktatorischen Regimes.

Kabarett- und Publikumsliebling Alfred Dorfer erzählt für ‚Menschen und Mächte‘ die damals gefährlichen Flüsterwitze

Kabarett- und Publikumsliebling Alfred Dorfer erzählt für ‚Menschen und Mächte‘ die damals gefährlichen Flüsterwitze

Alfred Dorfer interpretiert für ‚Menschen und Mächte‘ damals gängige Flüsterwitze

Die „Menschen und Mächte“-Dokumentation „Hitlers Angst und Görings Lederhose – Flüsterwitze im Nationalsozialismus“ von Christian Rathner behandelt am Donnerstag, dem 17. November, um 21.05 Uhr in ORF 2 ein bisher wenig beachtetes Thema der Zeitgeschichte: regimekritische Flüsterwitze, die in der Zeit nationalsozialistischer Herrschaft kursierten. Erzählt und interpretiert werden sie vom prominenten Kabarettisten Alfred Dorfer, der vor wenigen Wochen mit dem renommierten Deutschen Kabarettpreis ausgezeichnet wurde.

Witze als Tagebücher der NS-Zeit

Die Flüsterwitze begleiteten das NS-Regime durch alle seine Phasen: vom März 1938 bis zum Kriegsende 1945. Sie schilderten den zunehmend angstbesetzten Alltag in der Diktatur. Etwa der: „Hitler hat nach dem Einmarsch im März 1938 drei neue Feiertage einführt: Maria Denunziata, Maria Haussuchung und Maria Gefängnis“. In den Kriegsjahren wurde die Lebensmittelversorgung immer schwieriger, es waren Zeiten zunehmender Mangelwirtschaft. Man hat nicht mehr viel, außer Überlebenswillen, Galgenhumor und Luftschutzkeller. Die beinahe täglichen Bombardements durch Briten und Amerikaner kündeten vom nahenden Untergang des Führerstaates. Daher wurde auch die immer schwierigere Versorgungslage aufs Korn genommen.

Zeitzeuge Alfred Pietsch (91) aus Wien als 17jähriger Soldat.

Zeitzeuge Alfred Pietsch (91) aus Wien als 17jähriger Soldat.

Die Witze sind Indikatoren für Stimmungen, gewandelte Begeisterung, Belege für Repression, Verfolgung und Tod, für Kriegsmüdigkeit und Rassenwahn, eine Art begleitendes Meinungsbarometer des Volkes. Sie sind Tagebücher der NS-Zeit. Sie entlarven die Lügen der NS-Propaganda, sie kommentieren gallig den von Hitler entfachten Krieg, der von den propagandistischen Endsieg-Phantasien ins Desaster führte. In Witzform gegossen: „Was ist der kürzeste Witz der Welt? Die Antwort: ,Endsieg‘“.

Teil 2: Flüsterwitze im Kommunismus

Am Donnerstag, dem 24. November, führt Alfred Dorfer um 21.05 Uhr in ORF 2 auch durch die „Menschen & Mächte“-Dokumentation über „Flüsterwitze im Kommunismus“.

Peter Sodann erinnert sich an sein Studenten-Kabarett „Rat der Spötter“, für das er 1961 wegen staatsgefährdender Hetze zu einem Jahr und zehn Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt wurde. Nach der Wende war Sodann von 1991 bis 2007 Darsteller von Kommissar Bruno Ehrlicher in der Reihe „Tatort“.

Die Partei allgegenwärtig, der Parteiführer allwissend, der Geheimdienst allmächtig. Im System des Kommunismus war alles - Staat, Wirtschaft, Gesellschaft, Privatleben - von der kommunistischen Führung bestimmt. Jede und auch die kleinste Kritik an allen Bereichen des Lebens war daher eine Kritik am Kommunismus selbst, jeder Witz darüber eine Subversion, jeder Scherz ein Sakrileg.
Menschen & Mächte analysiert die zersetzenden Kräfte Witz und Humor in der Geschichte des Realsozialismus: die Anfänge in der Sowjetunion unter Lenin; die Gulag-Witze im Stalinismus; die Repressionen gegen Witz-Erzähler im Nachkriegs-Ungarn, später die "lustigste Baracke" des Ostblocks; die Schwejk-Traditionen in der CSSR 1968; den Aktionismus im Solidarność-Polen; die biedere Humorlosigkeit der Stasi-DDR - und das Ende dieser europäischen Witz-Epoche mit Perestroika und Mauerfall.

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