1938: Die Auslöschung Österreichs – ORF-Programmschwerpunkt mit Dokus, Filmen und mehr

Lisa Gadenstätter spricht für Ihre DOKEins-Reportage mit drei KZ-Überlebenden und zeigt die KZ-Gedenkstätten Mauthausen und Auschwitz

Lisa Gadenstätter spricht für Ihre DOKEins-Reportage mit drei KZ-Überlebenden und zeigt die KZ-Gedenkstätten Mauthausen und Auschwitz

1938 – das Jahr des Einmarsches von NS-Truppen in Österreich, das Jahr des „Anschlusses“ an Hitler-Deutschland: Zum 80. Jahrestag der Auslöschung Österreichs zeigt der ORF im März 2018 einen umfangreichen TV-Programmschwerpunkt mit Dokumentationen, Filmen und Diskussionen sowie zwei „Menschen & Mächte“-Live-Specials aus dem Newsroom, die die Geschehnisse vor 80 Jahren sowohl aus österreichischer als auch aus internationaler Perspektive zeitgetreu wiedergeben. Wir sprachen mit ORF1-Info-Moderatorin Lisa Gadenstätter.


Was damals passiert ist, darf nie vergessen werden. Wir dürfen nicht müde werden darüber zu sprechen, zu erzählen, zu berichten (Lisa Gadenstätter)

1938 – Der „Anschluss“: Das ORF-Programmangebot im Überblick

Auftakt des Zeitgeschichte-Schwerpunkts im ORF: Alexander Wrabetz, Kathrin Zechner, ORF1-Info-Moderatorin Lisa Gadenstätter und Zeitgeschichteredaktionsleiter Andreas Novak

8. März

„Menschen & Mächte“ präsentiert vier Neuproduktionen und startet mit „Trauma, Träume und Tragödien – Ein Friedensvertrag und seine Folgen“ (8. März) von Andreas Novak.

9. März

Menschen und Mächte: „Kurt Schuschnigg – Katholisch, diktatorisch, amerikanisch“ (9. März, Regie: Andreas Novak und Gregor Stuhlpfarrer). „Universum History“-Zweiteiler „Auf der Suche nach Hitlers Volk“ (9. und 16. März).

10. März

Am 10. März analysieren die neun Landesstudios ab 17.05 Uhr in ORF 2 die Geschichte ihres Bundeslandes zwischen 1918 und 1938, die regionalen Motive, die in diesem Zeitraum vom Neusiedler See bis zum Bodensee den Zulauf zu den Nationalsozialisten beförderten und schließlich zum „Anschluss“ führten. Plus: Franz Antels „Der Bockerer“.

Karl Merkatz in Franz Antels ‚Der Bockerer‘

Karl Merkatz in Franz Antels ‚Der Bockerer‘

11. März

In einer „ZiB History“-Spezialausgabe sendet ORF 2 am Sonntag, dem 11. März, um 19.47 Uhr – zeitgleich mit ihrem historischen Beginn – die wichtigsten Ausschnitte der berühmten Abschiedsrede von Bundeskanzler Kurt Schuschnigg, „Gott schütze Österreich“. Auch „IM ZENTRUM“ widmet sich dem 80. Jahrestag des „Anschlusses". Plus: Menschen und Mächte „Der längste Tag – 18 Stunden, die Österreichs Schicksal entscheiden“ von Gerhard Jelinek und der Dokumentarfilm „Der Mann, der zweimal starb“ des israelischen Filmemachers Yair Lev („dok.film“).

12. März

Die Ereignisse vom 11. auf den 12. März 1938 stehen im Mittelpunkt der zweiten Sondersendung, in der am 12. März um 20.15 Uhr folgenden Fragen nachgegangen wird: Wieso kam Österreich kein europäischer Staat zu Hilfe, wie reagierten Paris, London, Washington und Moskau auf den Einmarsch deutscher Truppen? Antworten und Analysen kommen u. a. von Hannelore Veit (Washington), Carola Schneider (Moskau), Eva Twaroch (Paris) und Roland Adrowitzer (London).

Neben der Live-Übertragung des Gedenkakts zum 80. Jahrestag des 12. März 1938 aus dem Zeremoniensaal der Wiener Hofburg setzt am 12. März auch der „kulturMontag“ einen Sendungsschwerpunkt zum Thema 1938 und berichtet u. a. über die künstlerische Klanginstallation am Heldenplatz, die im Rahmen der Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag des „Anschlusses“ Österreichs an Nazi-Deutschland eingeweiht wird. Weiters präsentiert die Sendung unveröffentlichte Amateurfilmaufnahmen von 1938, zu denen Zeitzeugen aus dem Kunst- und Kulturbereich zu Wort kommen. Thema im „kulturMontag“ ist auch „Die Flucht der Dichter und Denker – Wie Europas Künstler und Wissenschafter den Nazis entkamen“, ebenso der vom ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens kofinanzierte Eröffnungsfilm der diesjährigen Diagonale: „Murer – Anatomie eines Prozesses“ von Christian Frosch über einen der größten Justizskandale der Zweiten Republik: den Fall Franz Murer. Ein weiterer Bericht ist der „Neinstimme von Altaussee“ gewidmet.

13. März

„kreuz und quer‘“-Dokumentation „Grüß Gott und Heil Hitler – Kirche unter dem Hakenkreuz“ mit anschließender Diskussion über die Rolle Österreichs als Opfer und Täter. Plus: Wolfgang Glücks „38 – Auch das war Wien“.

14. März

Die ORF-Premiere des Historiendramas „Elser – Er hätte die Welt verändert“ (Regie: Oliver Hirschbiegel) mit Christian Friedel in der Titelrolle.

15. März

Am 15. März 2018 jährt sich die „Anschluss“-Rede von Adolf Hitler am Heldenplatz zum 80. Mal. Die „ZiB 2 History“ kommt um 22.30 Uhr live vom Heldenplatz. Plus: Menschen und Mächte „Heldenplatz – Heldenbilder“ (15. März) von Robert Gokl.

16. März

Die ORF-Premiere des Historiendramas „Im Labyrinth des Schweigens“ (Regie: Giulio Ricciarelli) mit Johannes Krisch und Gert Voss.

21. März

ORF eins zeigt am 21. März ab 20.15 Uhr die „DOKeins“-Produktionen „Schluss mit Schuld – Was der Holocaust mit mir zu tun hat“ mit Lisa Gadenstätter und „‚Heil Hitler, Herr Lehrer‘ – Jugend unterm Hakenkreuz“ sowie Dennis Gansels Film „Die Welle“.

Interview mit Lisa Gadenstätter zur DOKeins-Sendung ‚Schluss mit Schuld – Was der Holocaust mit mit zu tun hat‘

Vor 80 Jahren hat der 2. Weltkrieg begonnen. Und die Welt dreht sich weiter. Warum sollten wir uns an das, was damals passiert ist, erinnern? Und was hat der Holocaust mit mir, mit meinem Leben zu tun? Drei Generationen nach den Schrecken des Holocaust macht sich Lisa Gadenstätter auf die Suche nach dem Warum und dem Wie von Erinnerungskultur. Sie spricht mit Menschen, die es erlebt haben: Mit drei KZ-Überlebenden. In Wien, Hamburg und Jerusalem hört sie den Erzählungen der fast Hundertjährigen zu. Und sie sucht die Orte auf, von denen die Zeitzeugen erzählen: Die KZ-Gedenkstätten Mauthausen und Auschwitz.
"Ich möchte diese Menschen treffen. Ich möchte ihre Geschichten hören und ich möchte wissen: was haben sie uns - den nachfolgenden Generationen - zu sagen?"

Zum ersten Mal führt Lisa Gadenstätter durch eine DOKeins-Reportage – Ihr Zugang ist ein persönlicher - die inneren Fragen, der innere Zweifel ist der Motor, der uns durch die Geschichte treibt

TV-MEDIA: Liebe Frau Gadenstätter, Sie haben sich für Ihre „Dokeins-Premiere“ harte Kost ausgesucht. Wie ist es Ihnen emotional bei den Vorbereitung bzw. bei den Dreharbeiten gegangen?
Lisa Gadenstätter: Für mich war es tatsächlich eine sehr emotionale und intensive Zeit. Die Erzählungen der Zeitzeugen haben mir teilweise die Tränen in die Augen getrieben – wenn etwa der 89jährige Jehuda Bacon erzählt, wie er sich als damals 14jähriger in Auschwitz entscheiden musste, ob er mit seinem Vater in die Gaskammer geht oder doch ins Arbeitslager. Oder die 93jährige Esther Bejarano – sie hat im Mädchenchor von Auschwitz gespielt, dann, wenn Züge mit Juden ankamen, die direkt in die Gaskammer fuhren.
Aber es gab auch lustige Momente – denn alle 3 Zeitzeugen haben einen wundervollen Humor – auch das zeigen wir in der Dokumentation.
Ebenso beeindruckend ist unsere Interview-Partnerin Jennifer Teege – sie ist die Enkelin von Amon Göth – einem der grauenvollsten Kriegsverbrechers – und sie spricht beeindruckend über das Thema Schuld und Verantwortung.

Jehuda Bacon , ein israelischer Künstler und KZ-Überlebender

TV-MEDIA: Wie aufwändig bzw. schwierig waren die Recherchen?
Lisa Gadenstätter: Wir, Regisseurin Elisabeth Gollackner und ich, haben im Vorfeld sehr viel Archiv-Recherche betrieben. Für mich persönlich war der Kontakt mit den Zeitzeugen sehr spannend, sie waren zum Glück sofort bereit mit mir zu reden und haben sehr offen über ihre Erlebnisse gesprochen. Das Schwierige an den Recherchen war eher die seelische „Belastung“ – die Erzählungen der Zeitzeugen die sehr unter die Haut gehen, die Bilder des Archiv-Materials über den Anschluss und die Dreharbeiten in den Konzentrationslagern Auschwitz und Mauthausen.

Esther Bejarano (93) hat im Mädchenorchester in Auschwitz gesungen. Jetzt hat sie eine Band mit ihren Kindern und rappt gegen Rechts

TV-MEDIA: Sie stellen die Frage, was der Holocaust mit unserem alltäglichen Leben zu tun hat. Welche Antwort haben Sie gefunden?
Lisa Gadenstätter: Was damals passiert ist, darf nie vergessen werden. Wir dürfen nicht müde werden darüber zu sprechen, zu erzählen, zu berichten. Wir tragen keine Schuld, aber wir tragen Verantwortung, dass so etwas nicht mehr passiert. Was der Holocaust mit unserem Leben zu tun hat? Es geht bei der Beschäftigung mit dem Holocaust schlussendlich ums Thema Menschlichkeit und Empathie. Und darum, wie wir mit gesellschaftlichen Problemen und Herausforderungen umgehen.

Aba Lewit (94) hat 7 KZs überlebt und danach einen der größten Nazi-Kriegsverbrecher Amon Göth erkannt und ausgeliefert

Zeitgeschichteschwerpunkt in ORF III

ORF III Kultur und Information zeigt in Gedenken an die Ereignisse des Jahres 1938 vier „zeit.geschichte“-Abende – u. a. mit den Neuproduktionen „30 Tage bis zum Untergang“ und „In Linz begann’s – Der ‚Anschluss‘ 1938 in Oberösterreich“ – und eine Ausgabe des Literaturmagazins „erLesen“.

„Als Österreich aufhörte zu existieren“ – Zeitgeschichteschwerpunkt in 3sat

Am 12. März 1938 marschierten deutsche Truppen in Österreich ein – Österreich als unabhängiges Land hörte für die nächsten sieben Jahre auf zu existieren und wurde zur Ostmark. 3sat beleuchtet dieses für Österreich neben dem Untergang der Habsburgermonarchie zentrale historische Ereignis des 20. Jahrhunderts am 13. März aus den verschiedensten Blickwinkeln.

Ö1-Schwerpunkt „80 Jahre ‚Anschluss‘ März 1938“

Der „Anschluss“ des Ständestaates Österreich an das nationalsozialistische Deutschland jährt sich am 12. März zum 80. Mal. Das Programm von Ö1 wird sich in den verschiedenen Sendeformaten intensiv mit diesem Thema beschäftigen. Informationen im Detail sind unter http://oe1.ORF.at/1938 abrufbar.

Umfangreiche Specials auf ORF.at, in der ORF-TVthek und im ORF TELETEXT

Das ORF.at-Netzwerk begeht das Gedenken an den „Anschluss“ am 12. März u. a. auf news.ORF.at mit einer multimedial aufbereiteten „Vollformat“-Story, in der Historiker ebenso wie Zeitzeugen zu Wort kommen und historische Beiträge, Audio- und Videomaterial integriert werden. science.ORF.at gestaltet in Kooperation mit Ö1, dem Haus der Geschichte Österreichs, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und dem Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien einen „historischen Liveticker“, der die Ereignisse mit Texten, Fotos, Videos, Audios und Originaldokumenten nachzeichnet. Ein eigens zusammengestelltes „ORF-TVthek goes school“-Videoarchiv widmet sich unter http://TVthek.ORF.at/archive dem „Schicksalsjahr 1938“: Inhaltlich erinnern Beiträge und Sendungen in Form von Interviews mit Zeitzeugen, historischen Aufnahmen und zeithistorischen Dokumentationen an die Ereignisse des Jahres 1938 – vom 12. März bis zu den Novemberpogromen. Der ORF TELETEXT informiert u. a. ausführlich über Gedenkakte und Veranstaltungen rund um den 80. Jahrestag des „Anschlusses“.

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