"Diskurs- und Kontext-Junkie": Lisl Ponger wird 75

"Diskurs- und Kontext-Junkie": Lisl Ponger wird 75

"Diskurs- und Kontext-Junkie": Lisl Ponger wird 75

Fotografin, Experimentalfilmerin und Medienkünstlerin

Sie ist Fotografin, Experimentalfilmerin und Medienkünstlerin, Autorin, Ausstellungsgestalterin und begeisterte Reisende. Sie ist "ein Diskurs- und Kontext-Junkie" und "eine Ethnologie-Aficionada". Mit ihrem 2014 als Kunstprojekt gegründeten "Museum für fremde und vertraute Kulturen" (MuKul) ist sie Vorreiterin und kritische Kommentatorin der ethnologischen Ausstellungspraxis. Am Dienstag wird die vielseitige und streitbare Wiener Künstlerin Lisl Ponger 75.

2017 wurde sie als "eine herausragende zeitgenössische Fotokünstlerin Österreichs für ihr außergewöhnliches, interdisziplinäres Werk" in Salzburg mit dem Otto-Breicha-Preis für Fotokunst ausgezeichnet. Sie setze sich mit unterschiedlichen Vorstellungen von Heimat auseinander und hinterfrage die Darstellung von ethnologischen Zusammenhängen in Museen und Ausstellungen, hieß es: "Ihre Arbeit ist durch ihre Originalität und Bildästhetik einzigartig im Kanon österreichischer Kunst."

Im Jahr darauf war im Rupertinum ihr MuKul zu Gast, ein flexibel einsetzbares "Museum im Museum" als Plattform für Diskursives und Installatives aller Art, zu Themen wie Kolonialismus, Kapitalismus, westlichen (Kultur-)Imperialismus oder den vom Aussterben bedrohten Mittelstand. 2019 gastierte sie damit im Kunsthaus Dresden. Ihre Arbeiten fordern mit Witz und Intelligenz zum Weiterdenken auf. Ihr Credo lautet: "Es ist nicht so oder so, sondern immer so und so."

Geboren wurde Ponger am 2. August 1947 in Nürnberg. Ihre Eltern waren vor den Nazis geflüchtet, ihr Vater war als US-Offizier zurückgekehrt und wirkte an den Kriegsverbrecherprozessen mit. Die Familie übersiedelte zurück nach Wien, als die Tochter ein Jahr alt war. Ihre Ausbildung begann sie an der Fotoklasse der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. "Ich wollte aber immer Künstlerin werden", sagt Ponger. Als Fotografin dokumentierte sie etwa zahlreiche Aktionen der Wiener Aktionisten wie Otto Muehl oder Hermann Nitsch.

1974 bis 1978 ging sie in die USA und nach Mexiko, ein Land, das sie seither nicht losgelassen hat. Nach ihrer Rückkehr begann sie 1979 mit dem Filmemachen. Ponger war auch für Konzept und Organisation der Avantgardefilmschau "Die Schatten im Silber" im Jahr 1987 verantwortlich und ist Gründungsmitglied des Filmverleihs sixpackfilm. Zu ihren eigenen Arbeiten gehören Super-8-Filme wie "Space Equals Time - Far Freaking Out" (1979), "The Four Corners of the World" (1981) oder "Lichtblitze" (1988). Ponger gilt als Experimentalfilmerin. "Der Langfilm war nie mein Ziel", sagt sie.

"Imago Mundi", mit 37 Minuten ihr bisher längster Film, hat die zweimalige documenta-Teilnehmerin 2007 gedreht. "Mit ihm hab ich mich ein bisschen aus der Filmszene rausgefilmt." Der Film "re-inszeniert ein Stillleben aus dem 17. Jahrhundert und verbindet dessen Kritik an weltlichen und geistlichen Machtstrukturen mit der postkolonialen, neoliberalen und globalisierten Welt", heißt es in der Werkbeschreibung. Das Spannungsfeld zwischen Fremdem und Heimatlichem, Erinnerung und Vergessen, Kunst und Geschichte sind immer wiederkehrende Themen ihrer Arbeiten.

Heute sieht Ponger, die 1998/99 und 2001/02 Gastprofessorin an der Universität für angewandte Kunst Wien war, die inszenierte Fotografie als ideales Medium für sich. Ihre Themen verfolgt sie in Büchern wie "Fremdes Wien" (1993), "Xenographische Ansichten" (1995) oder "Phantom fremdes Wien" (2004) und in den vergangenen Jahren verstärkt in Ausstellungen. Aktuelle politische Fragen von Migration, Integration und Repräsentation haben sie immer schon beschäftigt. 2016 verwandelte sie im Rahmen der Festwochen-Ausstellung "Universal Hospitality" einen Raum der Alten Post in einen Amtsraum, in dem Flüchtlingsfotos als Puzzles zusammengesetzt werden und vergab Aufträge für die Gestaltung von Briefmarkenbögen.

Mit "The Master Narrative", einer Installation, die die Frage aufwarf, wer die Erzählung bestimmt, die vermittelt werden soll, war sie 2017 Teil der Eröffnungsschau des Weltmuseum Wien. Und überall, wo (wie im Vorjahr im Rupertinum) darauf aufmerksam gemacht wird, "This World Is White No Longer", dürfen ihre Arbeiten nicht fehlen. Ihre Unterschrift setzte sie zuletzt unter Solidaritäts-Bekundungen mit dem ukrainischen Volk. Kunst bedeutet Engagement, erfordert aber auch Freiheit im Denken und Tun. Niemand wüsste das besser als die freie Künstlerin Lisl Ponger.

(S E R V I C E - )

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