Wonder Woman

Action/Abenteuer, USA/RC/HK 2017

Wonder Woman will dem kriegerischen Treiben ein Ende setzen

Spider-Man oder Batman, Superman oder Thor, Captain America oder Iron Man: Das Kino der Comic-Verfilmungen ist dominiert von muskulösen Kerlen. Ausnahmen bestätigen die Regel: 2004 versuchte sich Halle Berry nicht sonderlich erfolgreich als ‚Catwoman‘. Nun aber verpasst ‚Wonder Woman‘ dem mit Testosteron getränkten Superheldenkino eine ordentliche Prise an weiblichem Charme.

Darum geht’s in ‚Wonder Woman‘:

BSeit Jahrtausenden, seit dem Sturz und Ende der altgriechischen Götter, lebt das Volk der Amazonen auf der durch einen Zauber getarnten Insel Themyscira. Sie brauchen keine Männer, sind trotzdem Kämpferinnen, vor denen jeder Gladiator bewundernd aufsalutieren würde und haben einen Auftrag: Als die Götter durch die Intrigen des Kriegsgottes Ares einst untergingen, blieb dieser als einziger am Leben, um dann im Orkus der Geschichte zu verschwinden.

Sollte Ares jedoch eines Tages wieder auftauchen, um den letzten, großen Krieg vom Zaun zu brechen, der alles auf der von ihm gehassten Welt auslöschen würde, dann schlüge ihre Stunde. In ihrem Heiligtum bewahren sie jenes von den Göttern geschmiedete Schwert auf, mit dem Ares allein zu töten wäre. Und nach der Hierarchie der Amazonen käme wohl nur eine in Frage, diese Klinge zu führen, sollte es dereinst so weit sein: Antiope (Robin Wright) ist die Schwester von Königin Hippolyta (Connie Nielsen) und eine so harte Kriegerin, bei der jeder Marines-Sergeant die weiße Fahne hissen würde, sobald sie grimmig schaut. Ihre größte Bewundererin ist ihre kleine Nichte Diana, um deren Abstammung es ein Geheimnis gibt - und die von Hippolyta eher von der Kampferziehung ferngehalten wird, obwohl die Kleine bei jeder Gelegenheit mit Schwertern spielt oder sich in Gefahr bringt.

Erst als sie eine junge Frau (Gal Gadot) geworden ist, stimmt Hippolyta der Ausbildung zähneknirschend zu. Unter der Bedingung, dass Antiope sie härter rannimmt, als je eine Amazone zuvor gedrillt wurde. Und es stellt sich heraus, dass in ihr offenbar ganz besondere, magische Kräfte schlummern.

Die kann sie auch gut brauchen. Denn eines Tages beobachtet Diana, wie ein brennender Flieger vom Himmel ins Meer fällt, an Bord ein Mann. Es ist der englische Spion Steve (Chris Pine), der in der nahen Türkei auf einem Stützpunkt ein deutsches Giftgaslabor, betrieben vom finsteren General Ludendorff und seiner entstellten Wissenschaftlerin Dr. Maru, entdeckt hat und mit einer Fokker geflohen ist. Diana rettet das seltsame Wesen, und die misstrauischen Amazonen kitzeln aus ihm heraus, dass draußen, in der Welt der Menschen, gerade 1918 ist und der größte Krieg aller Zeiten tobt.

Erst glauben ihm die Kriegerinnen kein Wort. Doch als die Steve verfolgenden Deutschen auf der Insel landen und die Amazonen in ein schweres Gefecht verwickeln, erkennt die verbitterte Hippolyta, dass ihre Tochter ihrer Bestimmung folgen wird: Dieser Krieg muss von Ares angezettelt worden sein, und höchstwahrscheinlich ist es General Ludendorff, hinter dessen Maske Ares steckt. Denn anders als der deutsche Generalstab, der über einen Friedensschluss nachdenkt (unbesiegt im Felde!) will Ludendorff den Krieg mit seinem neuen Supergiftgas bis zur letzten Konsequenz, bis zur letzten Vernichtung führen. Also folgt Diana, die alle Sprachen dieser Welt spricht und mit ihrem Schild und magischen Armbändern Kugeln und Granaten widerstehen kann, Steve nach London.

Hier ist sie zuerst mal angewidert, wie Frauen behandelt werden und auf welch hohem Ross die alten Männer sitzen, die diese Welt regieren. Doch sie erfahren, dass Ludendorff in einem geheimen Labor in Belgien, hinter den festgefressenen Kampflinien, am Weltuntergang werkt. Gemeinsam mit einem Scharfschützen, einem Indianer und einem Schauspieler brechen Diana und Steve auf, um die Deutschen zu infiltrieren und Ludendorff unschädlich zu machen ...

Unsere Meinung zu ‚Wonder Woman‘:

Vergesst die graugesichtigen, müden Helden aus Batman v Superman oder Suicide Squad, vergesst den zynischen Macho-Gestus des DC-Comicfilmuniversums von Zac Snyder und Spießgesellen. Ab jetzt regiert Frauenpower, und das völlig zu Recht.

Schon mit dem ersten Bild trifft Regisseurin Patty Jenkins mitten ins Herz: In der Gegenwart kommt Diana in den Louvre, angelockt von einem Brief Bruce Waynes. Im Archiv bekommt sie sein Geschenk - das Originalnegativ jenes Bildes, das sie 1918 mit ihren Kampfgefährten in Belgien zeigt, das schon in Batman v Superman: Dawn of Justice zu sehen war, mit der Nachricht: "Ich hoffe, Sie erzählen mir irgendwann Ihre Geschichte."

enkins lässt ihre Helden perfekt auf drei Zeitebenen agieren, eingebettet in teils goldene, teils zwar düstere Bilder (den 1. Weltkrieg kann man nur düster und dreckig darstellen). Aber sobald Gal Gadot mit trotzigem Winkel im Mund feststellt, dass man die Menschen nicht ihrem Schicksal und dem Krieg überlassen könne, und sich in die Schützengräben wirft, um ihre Mission zu erfüllen, ist das Kino von Größe und Erhabenheit erfüllt.

Dort, wo die DC-Comicfilme bislang schräge Bilder, kranke Charaktere und Zynismus zu bieten hatten, ist dank der weiblichen Hand von Patty Jenkins plötzlich Herz da. Und das verträgt sich großartig mit irren Schauwerten, Action und Gewalt. Denn Jenkins sorgt auch dafür, dass rechtzeitig Humor zwischen die Gewaltblöcke geschoben wird, damit es nicht knirscht.

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