Wolke 9

Drama/Romanze, D 2008
Enttabuisierte Liebe

Enttabuisierte Liebe

In "Wolke 9" erzählt Andreas Dresen in ungekünstelten, aber schönen Bildern die Geschichte von der gut 60-jährigen Inge, die sich nach rund 30 Jahren Ehe in den 76-jährigen Karl verliebt und ihren Mann Werner verlässt.

Zärtlichkeit und brodelnde Liebe sind in Filmen meist jungen Männern und Frauen vorbehalten. Auch beim Sex gelten scheinbar klare Regeln: Die Körper müssen makellos, straff und durchtrainiert sein. Die Realität sieht jedoch anders aus. Da haben Menschen jenseits der 50 durchaus noch Gefühle und erotische Abenteuer.

Genau das thematisiert nun der Berliner Regisseur Andreas Dresen ("Sommer vorm Balkon"). Bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes wurde das Drama stürmisch gefeiert und in einer Nebenreihe mit dem Jury-Prei s"Coup de Coeur" (Herzschlag) ausgezeichnet. Das Herz schlägt auch bei Inge gleich in den ersten Minuten schneller. Denn da landet sie entgegen allen gesellschaftlichen Tabus mit Karl nackt im Bett, genauer gesagt auf dem Fussboden im Wohnzimmer, während die Kamera stets nah mit dabei ist.

"Ich bin nicht der Typ, der provozieren will, ich wollte nur nicht, dass man auf die erste Sexszene warten muss", erklärt Regisseur Dresen seinen Ansatz. Denn trotz der Bettszenen gehe es in "Wolke 9" nicht vordergründig um Sex, "sondern die Urgewalt der Liebe".

Die Idee geht auf. Denn in den folgenden Szenen beweist der 45-Jährige wie schon in dem mehrfach ausgezeichneten "Halbe Treppe" einmal mehr sein Gespür für zwischenmenschliche Beziehungen und schmerzhafte Wendepunkte des Lebens.

Erneut nähert er sich seinen Figuren mit Respekt und Einfühlungsvermögen und entwickelt ein aufwühlendes Geflecht aus realitätsnahen Bildern und tiefen Gefühlen. "Es hat mich angeödet, dass die Gesellschaft immer älter wird, es aber nicht die dazugehörigen Bilder gibt - Liebe und Sex hören ab einem bestimmten Alter scheinbar auf zu existieren", sagt Dresen. Man nimmt den einzelnen Charakteren ihre Verliebtheit, ihre Zerrissenheit und auch ihre Hilflosigkeit sofort ab: Inges verschämte Blicke nach dem "ersten Ma" mit Karl, die entsetzte Reaktion der Tochter und Werners schutzloses Zusammenbrechen.

Vor allem aber beweisen Horst Rehberg (Werner), Horst Westphal (Karl) und besonders Ursula Werner als Inge viel Mut, ihre gealterten Körper in den zahlreichen Bettszenen ohne Scham zu zeigen. Auch wenn - oder gerade weil - sie nicht Brad Pitt und Angelina Jolie sind, wirkt ihr Spiel erfrischend natürlich und unprätentiös.

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