Winterreise

/ , D 2006
Winterreise: Film von Hans Steinbichler

Winterreise: Film von Hans Steinbichler

Per E-Mail erreichen einen nicht selten obskure Geschäftsvorschläge. Millionentransaktionen, die - völlig "risikofrei" - mit hoher Provision über das eigene Konto abgewickelt werden sollen. Und immer wieder finden sich Menschen, die darauf hereinfallen. In Hans Steinbichlers Film "Winterreise" wird der Besitzer einer Eisenwarenhandlung in Bayern Opfer solcher Betrüger.

Franz Brenninger (Josef Bierbichler) würde sich normalerweise mit dem seltsamen Ansinnen, das ihm eines Tages die "Arschlochpost" ins Büro bringt, nicht weiter auseinander setzen. Erstens, weil er die meist aus Rechnungen und Mahnungen bestehenden Briefe ohnedies kaum mehr liest, zweitens, weil er kein Englisch kann. Die kurdische Aushilfskraft Leyla (Sibel Kekilli) hilft ihm jedoch beim Übersetzen, und gegen alle Vernunft lässt sich der Brenninger auf den Vorschlag der Unbekannten ein. Denn das Wasser steht ihm bis zum Hals, der Betrieb ist bereits schwer verschuldet.

Als er viel zu spät Lunte riecht, hat er das Geld, das ihm sein Sohn (Burgschauspieler Philip Hochmair) für die dringend notwendige Operation an seiner Frau (Hanna Schygulla) gegeben hat, bereits als geforderte Sicherheit überwiesen. Da bekommt Brenninger eine Wut - und fliegt mit Leyla als Dolmetscherin nach Kenia, um sich sein Geld wiederzuholen.

Trotz der prominenten Besetzung der Nebenrollen ist der Film, für den Martin Rauhaus das Drehbuch in Anlehnung an die Biografie seines eigenen Vaters geschrieben hat, vor allem ein Solo für Josef Bierbichler. Bereits bei Steinbichlers erstem Kinofilm "Hierankl" (2003) hatte Bierbichler mit dem bayerischen Regisseur zusammengearbeitet. In "Winterreise" erhält er nun jeden Raum, seine Figur in aller Breite zu gestalten, als kraftvolles Urviech mit Schwächeanfällen, als Naturereignis mit verschütteter künstlerischer Ader.

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