Deutsche Star-Komödie: Willkommen bei den Hartmanns

Komödie/Drama, D 2016

Familie Hartmann begrüßt das neue Familienmitglied

Star-Ensemble und viel gute Absicht in einer D-Komödie, die mehr Tiefgang und noch mehr Schärfe gut vertragen hätte

Blättern wir im dicken Klischee-Katalog der Münchner Oberklassefamilie Hartmann: Papa (H. Lauterbach) ist ein konservativer Macho und Chirurg, will nicht alt werden, und lässt sich von seinem Freund, einem überdrehten Beauty-Doc (U. Ochsenknecht) Spritzen gegen die Falten ins Gesicht schießen. Seine Frau Angelika (S. Berger), geschüttelt vom Elend dieser Welt, ist seit ihrer Pensionierung als Schuldirektorin ständig auf der Suche nach sozialem Engagement, Sinn im Leben und dem nächsten Chardonnayglas. Die Kinder sind längst aus dem Haus; Sohn Sohn Philipp (F. D. Fitz) jettet als Business-Hotshot dauernd um die Welt und vernachlässigt seinen zwölfjährigen Sohn Basti (M. Hohmann) derart, dass die Schule neben Gangsta-Rappen und Kiffen unterzugehen droht. Und Tochter Sofie (P. Rojinski) ist über 30 und unfähig, das Studium abzuschließen oder eine richtige Beziehung zu führen. Als auf Wunsch von Mutter Angelika nach einem langen "Casting" der traumatisierte, aber herzensgute Flüchtling Diallo (E. Kabongo) in der Vororte-Villa einziehen darf, prallen Kulturen und Egos aufeinander. So macht es sich Diallo gleich einmal zur Aufgabe, Sofie mit dem jungen Assistenzarzt Berger (E. M'Barek in Kleinrolle) zu verkuppeln. Leider kann Papa Hartmann den nicht leiden...

Bewegende Momente, die ans Herz gehen

Was man aus Multikulti-Themen samt zugehörigen Minenfeldern der Political Correctness komödiantisch machen kann, zaubern regelmäßig die Franzosen vor. Regisseur Simon Verhoeven probiert es ebenfalls -und hat trotz Star-Ensemble am Ende nur Durchschnitt auf der Leinwand. Er versucht, viel zu viele Figuren und deren individuelle Geschichten zu bedienen, sodass am Ende alle flach wie Abziehbilder bleiben. Dazu kommt eine Humorfarbe von fast bestürzender Harmlosigkeit der Sorte ARD Hauptabend; mehr als einige verhaltene Schmunzler (die gehören Uwe Ochsenknecht und dem schrägen Stalker von Sofie) sind in dieser Komödie nicht drin. Man merkt auch, dass sich Verhoeven schwertat, seine Mutter Senta Berger zu fordern -gerade bei ihrer Figur wäre die eine oder andere Tonalität gut gewesen. Darüber, dass (wieder anders als in Frankreich) deutsche Filme immer mehr nach TV aussehen als nach Kino, wurde schon oft geklagt.

Willkommen bei den Hartmanns ist da trotz sichtbarem Ausstattungsaufwand keine Ausnahme. Lobend erwähnt sei, dass es Verhoeven schafft ,einige bewegende Momente zu kreieren, die ans Herz gehen. Weniger Biederkeit, weniger Figuren, mehr Schärfe im Humor und höheres Tempo -und aus Willkommen bei den Hartmanns hätte ein großer Film werden können. So ist es freundliches Mittelmaß.

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