Whitney - Can I Be Me

Dokumentation/Musikfilm, GB/USA 2017

Whitney und die Schattenseiten des Ruhms

Nick Broomfield und Austro-Musikfilmer Rudi Dolezal zeigen in ihrer von der Kritik gelobten Doku die 2012 verstorbene US-Popdiva von ihrer menschlichen Seite.

Los Angeles, 11. Februar 2012: Whitney Houston, 48, wird tot in einer Badewanne des Beverly Hilton Hotels gefunden. Jahrelanger Drogenmissbrauch soll schuld am frühen Ableben der Jahrhundertstimme gewesen sein, doch in Wahrheit sei sie an gebrochenem Herzen gestorben. So zumindest heißt es zu Beginn der Doku Whitney -Can I Be Me, in der Brit-Regisseur Nick Broomfield und Rudi Dolezal (der bislang unveröffentlichtes Bildmaterial von der Europa-Tour 1999 beisteuerte) nach Gründen für das tragische Schicksal des 80er-und 90er-Superstars suchen.

Im ersten Viertel widmet sich Whitney dem steilen Aufstieg der Tochter der wenig erfolgreichen Countrysängerin Cissy Houston und Cousine der berühmten Dionne Warwick, die mit ihrem Debütalbum 1985 einen Traumstart hinlegte. Ihre Herkunft als "Ghetto-Kid" aus Newark bei New York wollten die Plattenbosse von Arista freilich verschweigen, auch einen weiblichen James Brown hatten sie nicht im Sinn, stattdessen sollte das unverbrauchte Talent die breite (weiße) Masse ansprechen. Was die schwarze Gemeinde Houston übel nahm -das zeigen Bilder von der Verleihung der Soul Train Awards 1989, als Whitney ausgebuht wurde. Ein traumatisches Erlebnis für den Jung-Star. "Ich war ihnen zu poppig. Das weiße Publikum hatte mich ihnen entfremdet", wird sie später sagen. Aus dieser Zeit rührt auch die titelgebende Frage: "Can I be me?"- Kann ich ich sein (und nicht nur die von mir erwartete Rolle spielen)?

Der ruhige Film stellt folgerichtig auch Houstons angebliche Bisexualität in den Raum: Die zerstörerische Ehe mit Sänger Bobby Brown ist hinlänglich bekannt, die Beziehung zu ihrer Jugendfreundin und engsten Vertrauten Robyn Crawford (die Brown hasste) nicht. Whitney, das Familien-Mitglieder und Wegbegleiter wie ihren Bodyguard David Roberts ausführlich zu Wort kommen lässt, zeigt aber auch die fröhliche Seite der sechsfachen Grammy-Gewinnerin, etwa wenn sie mit Bobby Brown backstage Tina und Ike Turner parodiert. Schön, dass auch diese Facette des Stars dargestellt wird und nicht nur sein tragischer, von Drogen begleiteter Abstieg.

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