Way Of Passion

Dokumentation, A/I 2011
Eine hypnotische Prozession

Eine hypnotische Prozession

Joerg Burger stellt in der Einleitung seines Dokumentarfilms "Way Of Passion" zuerst den Ort des Geschehens vor. Burgers neues Werk verfolgt ohne jeglichen Off-Kommentar die erschöpfenden Tätigkeiten und gleichsam die Opferbereitschaft rund um die Karfreitagsprozession auf Sizilien.

"Man sagt, eine Prozession in Sizilien, das ist wie eine Beerdigung im Zirkus. Und: dass die Anwesenheit der Kirche letztlich nur billig in Kauf genommen wird, wie eine alte Tante, die man einladen muss, da sie sonst beleidigt wär", sagt der Regisseur über seinen Film im Pressetext. Es ist Trapani in Sizilien, wo er diese Prozession ins Visier nimmt. Die Bewohner bereiten sich auf die seit 400 Jahren stattfindende Karfreitagsprozession vor. Sie lassen sich rasieren, restaurieren Holzstatuen oder besticken deren kostbare Gewänder. Diese werden später die Figurengruppen der 20 Altäre bilden, die den Leidensweg Jesu darstellen. In der Kirche herrscht reges Treiben, es putzen alle, die Männer proben den Ablauf und das Tragen der immens schweren Altarbilder auf ihren Schultern. In der Pause essen und rauchen sie, der Kirchenraum ist einfach Werkstatt und Probebühne für das große Spektakel. Am Abend davor wird Wein getrunken, Billard und Karten gespielt; Geselligkeit der Männer unter sich - wie sonst auch.

Endlich ist es soweit: Den kleinen Mädchen werden noch weiße Engelskostüme angelegt, die jungen Frauen defilieren als Bräute Christi. Die erste Associazione schultert ihren Altar und kommt aus der Kirche, die Blaskapelle beginnt mit dem Trauermarsch. Es folgen andere, und jetzt erst wird die Pracht der Altäre sichtbar: die mannshohen, ausdrucksstarken Figuren mit ihren glitzernden Details und wunderschöner Blumenschmuck. Aber auch die Männergruppen sind in ihren meist schwarzen Anzügen oder Trachten eine Augenweide. Man kann sich nicht satt sehen an den eng verschlungenen Trägern, die im immer gleichen Rhythmus ihre symbolträchtige Last durch die Stadt schaukeln.

Es wird Abend und Nacht, flackernde Kerzen beleuchten das Schauspiel, die Anzüge sind mittlerweile vom Wachs verdreckt, aber die Männer gehen immer noch. Die Schaulustigen sind auch nicht müde: Suggestiv ist die Musik, fesselnd das theatralische Ereignis und das Mitgefühl mit den Trägern, der favorisierten Gruppe. Gemeinsam das Leiden in Opulenz bis zum Exzess durchzuhalten, das scheint die Magie dieses Rituals zu sein. Wenn sie nach durchwachter Nacht und abermaligen Prozessionen endlich, unendlich langsam in die Kirche einziehen, wartet das Publikum schon auf die Spieler. Jetzt dürfen die Tränen fließen, es ist vollbracht.

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