Wall Street - Geld schläft nicht

Drama, USA 2010
Michael Douglas ist wieder als 'Gecko'

Michael Douglas ist wieder als 'Gecko'

Michael Douglas wirkt müde und gezeichnet. Dass seine Darstellung in "Wall Street - Geld schläft nicht" nicht nur vom Drehbuch vorgeschrieben ist, laut dem er nach achtjähriger Haft wegen Insiderhandels wieder entlassen wird, sondern auch von einer Krebserkrankung verursacht war, die erst nach den Dreharbeiten zum Ausbruch kam, ist heute bekannt.

Die nur in manchen Szenen wirklich überzeugende Performance des einst für seine Rolle mit dem Oscar ausgezeichneten Hollywood-Stars ist aber nicht der einzige Grund, warum das Sequel von Oliver Stone hinter seinem 80er Jahre Hit "Wall Street" ziemlich zurückbleibt. In den vergangenen Jahren hat sich einiges an der Börse getan. Das muss auch Gordon Gekko feststellen, als er wieder in seiner einstigen Welt Fuß zu fassen sucht. Die Mechanismen sind zwar die gleichen geblieben, doch das Spielkapital und das Risiko sind stark gestiegen. Sein in der Haft geschriebenes Buch "Ist Gier gut?" verkauft sich bestens, seine Vorträge, in denen ausgerechnet er für eine neue Wirtschaftsethik plädiert und vor dem totalen Zusammenbruch eines Systems, in dem alle auf Kredit leben, warnt, sind gut besucht.

Doch Gekko hat wie ein Chamäleon nur seine Tarnfarbe geändert, im Inneren ist er der Gleiche geblieben: Er will an das große Geld, er will Macht ausüben, und er will Rache. Niemand weiß das besser als seine Tochter Winnie (Carey Mulligan ist diesmal nett, aber farblos), welche die Beziehungen zu ihrem Vater abgebrochen hat - der Drogentod des Bruders, über den man allerdings wenig erfährt, spielt dabei eine entscheidende Rolle - und ihren Verlobten Jacob warnt: "Er wird uns wehtun!"

Jacob ist ein junger Investment-Banker mit Biss und idealistischen Zukunftsideen. Er setzt auf Alternativ-Energien, muss miterleben, dass sein Mentor nach dem undurchsichtigen Anschuldigen geschuldeten Bankrott seiner Bank Selbstmord begeht, und beginnt sich auf die Suche nach den Schuldigen. Shia LaBeouf wirkt allerdings um einiges zu harmlos, um sich tatsächlich mit dem Teufel zu verbünden: Gordon Gekko bringt den Jungspund, in dem er dasselbe Glitzern in den Augen erkennen will, das er einst hatte, mit ein paar Tipps von einst auf die richtige Fährte, dafür versucht dieser eine Versöhnung zwischen Vater und Tochter einzufädeln. Wirklich Punch beweist nur Josh Brolin, der ein richtiges old fashioned Arschloch spielen darf. Auch Susan Sarandoin als Jacobs Mutter, eine durchgeknallte Freizeit-Immobilienmaklerin, ist gut getroffen.

Drehbuch-Autor Allan Loeb hat mühsam eine recht unglaubwürdige Liebesgeschichte (warum nimmt sich die Web-Journalistin Winnie ausgerechnet einen Banker - immerhin, hat es zwischen den beiden offenbar privat gefunkt), einige komplizierte Wendungen und nicht wirklich Neues in die Story gepackt. Sogar der beinahe große Crash, der zu hektischen Verhandlungen der Banken um einen Schutzschirm der Regierung führt, bleibt da eine Episode am Rande. Apropos am Rande: Um seinen wenig neuen Bilder vom Börsenparkett einen Echtheits-Schliff zu geben, hat Oliver Stone ein paar Börsenprofis aus dem wirklichen Leben eingebaut. So kommt Superfund Manager Christian Baha und das Logo seines Unternehmens auch zu einem kleinen Auftritt.

Um die neue Welt einzufangen, hätte es aber mehr als ein paar flotte Sprüche von damals ("Gib deinen Bonus aus, irgendwer muss ja die Wirtschaft ankurbeln" oder "Geld ist eine Hure, die niemals schläft. Und sie ist eifersüchtig") gebraucht.

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