Vier Minuten

Drama/ , D 2006
Grandiose Musik und Schauspielkunst

Grandiose Musik und Schauspielkunst

Das Ende des Films ist zugleich sein fulminanter Höhepunkt: Da sitzt, steht, tanzt eine impulsive junge Frau am Klavierflügel und hämmert ekstatisch auf die Tasten des Instruments ein. Eigentlich sollte in einer Länge von "vier Minuten", so der Titel des Dramas von Chris Kraus, ein Schumann-Stück in konventioneller Form dargeboten werden. Stattdessen spielt Jenny (Hannah Herzsprung) eine grandiose Variation aus Klassik und Moderne, Romantik und Pop.

Der Regisseur und Autor erzählt in seinem zweiten Film die Geschichte der wegen Mordes im Frauengefängnis sitzenden Jenny. Das Mädchen ist ablehnend, aggressiv, gewalttätig - und musikalisch unglaublich begabt. Als Kind gilt sie als Wunderkind am Piano. Bis sie von ihrem Vater missbraucht wird. Nach diesem Erlegnis rebbelliert sie: Zieht aus, trinkt, nimmt Drogen und landet schließlich im Knast.

Ihr Talent wird von der Klavierlehrerin Traude Krüger (Monica Bleibtreu), die seit 60 Jahren Unterricht im Gefängnis gibt, wiederentdeckt und mit Disziplin gefördert. Sie nimmt sich der verschlossenen und immer kurz vor der Explosion stehenden Jenny an und bereitet sie auf einen Klavierwettbewerb vor.

Der Film lebt von der herausragenden Kunst seiner beiden Hauptdarstellerinnen: Herzsprung, die als Nachwuchsentdeckung gefeiert wird, und Altmeisterin Monica Bleibtreu. Das Gefängnisdrama heimste bereits zahlreiche Preise ein, zuletzt vier Porzellan-Pierrots beim Bayerischen Filmpreis 2007. Bleibtreu (Jahrgang 1944) bekam den weiblichen Darstellerpreis, ihre kongeniale jüngere Partnerin Herzsprung (Jahrgang 1981) wurde als beste weibliche Nachwuchsdarstellerin gekürt. Neben den Darstellern wurde Kraus in München für sein Drehbuch sowie die Produzentinnen Alexandra und Meike Kordes mit dem mit 60.000 Euro dotierten Nachwuchsproduzentenpreis ausgezeichnet.

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