Victoria & Abdul

Drama, GB/USA 2017
Eine ungewöhnliche Freundschaft

Eine ungewöhnliche Freundschaft

Nach einer wahren Geschichte: Queen Victoria (Dench) freundet sich zum Entsetzen ihres Hofs mit einem jungen indischen Bediensteten an. Frau Dench spielt ganz hervorragend (sie war 1997 schon in ‚Mrs. Brown‘ die Victoria).

Für die Darsteller bilden die Royals-Filme auf alle Fälle eine Herausforderung, die sich lohnen kann: Helen Mirren gewann für die Rolle von Elizabeth II. in Stephen Frears' "Die Queen" (2006) einen Oscar, Colin Firth gelang das gleiche Kunststück als stotternder George VI. in "The King's Speech" (2010). Man darf also gespannt sein, ob Judi Dench (82) die nächste Oscar-Königin sein wird. Ihre Darstellung der alternden Queen Victoria in "Victoria & Abdul" ist beeindruckend. Die große britische Charakterdarstellerin zieht alle Register ihres Könnens und hat den Mut, eine betagte, verhärmte und kranke Regentin zu verkörpern, die wenige Jahre vor ihrem Tod im Jahre 1901 noch einmal neuen Lebensmut schöpft.

Zu Beginn erleben wir eine Monarchin, die man zum Regieren tragen muss. Zwei kräftige Hofdamen sind nötig, um die enorm korpulente Victoria morgens im Bett aufzurichten. Da trompetet ein Sekretär ihr schon die ewig gleichen, öden Termine des Tages ins Ohr. Die seit Jahrzehnten verwitwete Queen ist einsam, übergewichtig und gemütskrank. Der ewig graue englische Himmel lichtet sich erst, als Victoria bei einem Festbankett den jungen indischen Bediensteten Abdul Karim (Ali Fazal) kennenlernt. Die beiden freunden sich an, verbringen viel Zeit miteinander. Der Muslim Abdul weiht Victoria in die Geheimnisse des Korans an, gibt ihr Sprachunterricht und erfreut die eigensinnige Frau mit seiner sympathischen Unbekümmertheit. Der Hofstaat tobt vor Missgunst und Neid, Thronfolger Bertie (Eddie Izzard) ist entsetzt. Aber Victoria hält an Abdul fest, auch als herauskommt, dass der es mit der Wahrheit nicht immer ganz genau nimmt.

Respekt für diesen Auftritt: Judi Dench meistert die nicht ganz risikofreie Rolle der grantelnden Monarchin mit Bravour und ohne falsche Untertöne. Ihre Darstellung der verhärmten Queen ist anrührend und hat durchaus Mut zur Hässlichkeit. Wenn die Regentin mit langen grauen Haaren ungeschminkt vor dem Spiegel sitzt, sehen wir eine Frau, die sich in einer sterilen Welt der Rituale nach etwas Liebe und Zuneigung sehnt. Die meint sie beim jungen Inder Abdul zu finden. Ali Fazal verkörpert den Mann vom Subkontinent mit Charme und Augenzwinkern. Trotzdem spielt er in diesem durchaus humorvollen Film nur die zweite Geige.

Regisseur Stephen Frears und sein Drehbuchautor Lee Hall ("Billy Elliot - I Will Dance") haben sich um politische Korrektheit bemüht. Mit Abdul kommt noch ein zweiter Inder an den britischen Königshof: Mohammed (Adeel Akhtar) ist das Gegenteil des sonnigen, etwas devoten Abdul. Er prangert die Briten als Imperialisten an, hasst ihr Essen und das grauenhafte Wetter an der Themse und wird doch sein Heimatland nicht wiedersehen. Der renitente, aber loyale Inder weigert sich, bei den Intrigen gegen Abdul mitzumischen, und deshalb wird ihm die Heimreise verweigert. Geschichtsblinde Monarchenverehrung kann man Stephen Frears also nicht vorwerfen.

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