Verräter wie wir

Thriller, GB/F 2016

Perry und Gail begeben sich auf eine gefährliche Reise

Ein britischer Hochschulprofessor und seine Frau bekommen bei ihrem Marrakesch-Urlaub mehr Abenteuer geboten als erwartet: Ein reicher Russe namens Dima schenkt ihnen seine Aufmerksamkeit. Er will sein Wissen als Geldwäscher der russischen Mafia an die britische Regierung verkaufen, um das Leben seiner Familie zu retten. So beginnt "Verräter wie wir", die Verfilmung eines Romans von John le Carre.

Vor wenigen Monaten erst wurde der TV-Mehrteiler "The Night Manager" auf der Berlinale vorgestellt. Gerade dieser Vergleich macht allerdings auch deutlich, wie schwer es ist, ein Buch von le Carre mit seiner unterschwelligen Spannung und subtilen Details in knapp zwei Stunden Film zu pressen, ohne sich dabei auf einen Schnelldurchlauf der Handlung beschränken zu müssen oder Lücken in der Logik aufzureißen.

Dafür hat ein Film die Macht, Figuren ein Gesicht zu geben, von dem man sie nicht mehr trennen kann. So wird Dima vom Schweden Stellan Skarsgard mit Leben erfüllt, der den russischen Mafioso abstoßend und unwiderstehlich zugleich macht. Und Ewan McGregor ("Star Wars") scheint perfekt für die Rolle des Professors Perry Makepeace, der naiv glaubt, seine Mission könne damit enden, dass er den von Dima ausgehändigten USB-Stick einfach nur beim Flughafen-Zoll auf der Heimreise loswerden und sich aus der Affäre stehlen kann.

Denn für den britischen Geheimdienst fängt die Geschichte damit erst richtig an. Der misstrauische Geheimagent Hector Meredith (Damian Lewis aus "Homeland") will alles darüber wissen, wie der Professor zu seinem Glück kam. Ist die Geschichte wirklich so einfach, wie Perry sie erzählt? Oder will sich hier nur ein in Ungnade gefallener russischer Mafioso mit Daten-Falschgeld Sicherheit im Westen erkaufen? Außerdem scheint Perry von Dima zum einzigen Vertrauten im Westen auserkoren zu sein. Das führt ihn und seine Frau Gail (Naomie Harris) über Paris in die Schweiz zu einem dramatischen Finale. Es ist eine gefährliche Reise: Denn Dima sticht mit seinem USB-Stick mitten in ein Wespennest der Korruption in besten britischen Kreisen.

John le Carre (der mit bürgerlichem Namen David Cornwell heißt) machte sich einen Namen als Autor von Spionage-Romanen im Kalten Krieg. Er erfand das Genre in vielerlei Hinsicht neu, weil er statt geradliniger Action menschliche Geschichten um Verrat und Liebe vor der Kulisse der Spionage-Welt erzählte. Dabei kam der Westen zwar als das bessere der beiden gesellschaftlichen Modelle, aber keineswegs tadellos weg.

Das Ende des Ost-West-Konflikts brachte le Carre um das gewohnte Spielfeld, und er richtete seinen kritischen Blick konzentriert auf die Schattenseiten im Westen: Korruption, rücksichtslose Profitgier, die Ausbeutung Afrikas oder ein verlogener Krieg gegen den Terror waren fortan die Themen seiner Bücher. Es ist eine düstere Welt. Die Guten sind rar - und oft selbst voller Schwächen und zum Scheitern verurteilt.

Das ist die Stimmung, mit der Regisseurin Susanna White, die zuvor unter anderem den Klassiker "Jane Eyre" von Charlotte Bronte für das Fernsehen in Szene setzte, bei "Verräter wie wir" die Leinwandzeit füllt. Kalte Blautöne, traumwandlerische Bilder: Der Film spielt mit der visuellen Sprache typischer Spionage-Werke - und will doch mehr als das sein.

Für le Carre, der in der Vergangenheit nicht immer zufrieden war mit den Filmadaptationen, ist es diesmal auch eine Art Familienunternehmen: Seine Söhne Simon und Stephen Cornwell fungierten als Produzenten, der 84-Jährige selbst sicherte sich den Titel eines Executive Producer und taucht in einer Szene kurz mit seiner grauen Mähne im Hintergrund auf.

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