Unter Blinden

Dokumentation, A 2015
Der Profibergsteiger Andy Holzer hat sechs der Seven Summits bestiegen

Der Profibergsteiger Andy Holzer hat sechs der Seven Summits bestiegen

Andy Holzer ist daran gewöhnt, von sich zu erzählen. Von Geburt an blind, hat der Osttiroler Profibergsteiger sechs der Seven Summits bestiegen und kann heute von Buchverkäufen und Vortragsreisen leben. Mit "Unter Blinden" läuft nun die erste Kinodoku über sein Leben an - die setzt sich dank Regisseurin Eva Spreitzhofer von zur Selbstdarstellung verkommenden Sportler-Dokumentationen abhebt.

"Ich glaube, dass ich dasselbe sehe, was du siehst", sagt Andy Holzer. Sein Kopf sei voller Bilder, Farben und dreidimensionaler Eindrücke - und das, obwohl der Lienzer von Geburt an blind ist. Von seinen Eltern als "sehendes Kind" aufgezogen und wissend, dass er als Blinder von seinem Umfeld in seinen Vorhaben gebremst werden würde, hat er in der Schule lange vorgegeben, lediglich schlecht zu sehen. Über Schultaschen sei er nicht auffällig oft gestolpert, erinnert sich ein ehemaliger Mitschüler vor der Kamera; in Schulhefte habe er halt weniger genau als die anderen geschrieben, sagt ein früherer Lehrer. Erst als der Führerschein anstand, erinnert sich Holzer, war es vorbei mit dem Lügen.

Anfangs schockiert, haben die Eltern bald mit der Blindheit ihres Sohnes umgehen gelernt, wie diese emotional erzählen - und in Hans Bruckner einen Bergführer gefunden, der den jungen Andy auf die von ihm geliebten Berge mitgenommen hat. Da oben, sagt er heute, fühle er sich frei: Hände und Füße projizierten Bilder in seinen Kopf, die Felswand gibt Halt. Mittlerweile hat Holzer sechs der jeweils höchsten Gipfel der sieben Kontinente bestiegen, begleitet hat ihn gelegentlich Peter Mair, welcher nur noch einen Arm hat. "Vier Beine, drei Arme, zwei Augen" würden ja reichen, scherzen die beiden.

Nicht zuletzt weil Holzer polarisiert und Fragen aufwirft, dürfte sich "Unter Blinden" problemlos in die Serie von im Kino höchst erfolgreichen Sportdokumentarfilmen einreihen. Die Vorführungen bei der Diagonale waren ausverkauft.

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