Unser täglich Brot

Dokumentation/ , A 2005
Geyrhalter: Nicht schockieren, sondern aufklären

Geyrhalter: Nicht schockieren, sondern aufklären

"Nikolaus Geyrhalter hat uns 'Unser täglich Brot' gegeben. Er hat uns nicht gesagt, was wir denken sollen - aber er hat unseren Gedanken viel Nahrung gegeben." So begründete die Jury beim Dokumentarfilmfestival in Amsterdam den Special Jury Award für "Unser täglich Brot". Ein kühler Blick auf die industrielle Nahrungsmittelproduktion.

Der 92-minütige Dokumentarfilm von Geyrhalter feiert auf der ganzen Welt Erfolge - kein Wunder: sein Thema ist universell, und er kommt fast ohne Sprache und gänzlich ohne Kommentare aus. Die dank ausgeklügelter Einstellungen häufig streng durchkomponiert wirkenden Bilder sind beinahe selbst erklärend, und der Freiraum soll weniger mit vermittelten Fakten und Informationen, sondern mit eigenen Überlegungen gefüllt werden.

Etwa auf die nächste Zeile des Gebets: "Und vergib uns unsere Schuld". Geyrhalter habe eine "Vision der Hölle" gezeigt, meinte die Amsterdamer Jury, "nicht die Hölle unserer Theologen, sondern eine, die von unserer Politik, unseren Märkten und unseren Nahrungsmittel-Technologien konstruiert wurde."

"Unser täglich Brot" blickt dort genau hin, wo Nahrung fabriksmäßig erzeugt wird. Er zeigt maschinell unterstützte Massenproduktion, in der es keinerlei Unterschied macht, ob Tiere oder Pflanzen als Basis dienen, er zeigt Fließbänder, auf denen mit Küken ebenso verfahren wird wie mit Tomaten. Er zeigt, was wir unter Bodenhaltung zu verstehen haben, wie Rinder getötet, zerteilt und verarbeitet werden und Gemüse im Glashaus jene hypertrophe Größe erreicht, an die wir uns bereits gewöhnt haben.

"Die Bilder der Werbung, in denen Butter gerührt wird und ein kleiner Bauernhof mit verschiedenen Tieren gezeigt wird, haben nichts mehr damit zu tun, wo unser Essen tatsächlich herkommt", so Geyrhalter. Das führt der Film tatsächlich eindrucksvoll und unmissverständlich vor Augen. Und jeder Zuschauer muss alleine seine Schlüsse daraus ziehen.

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