True Grit

Abenteuer/Western, USA 2010
Auf der Suche nach Vergeltung

Auf der Suche nach Vergeltung

Die Coen-Brüder haben erneut zugeschlagen. Mit ihrem Werk "True Grit" legen Hollywoods derzeitige Lieblingsgeschwister einen Western vor, der vom US-amerikanischen Publikum wieder einmal bejubelt wird. So stieg die skurrile Jagd eines Teenagermädchens samt eines daueralkoholisierten US-Marshalls auf den Mörder ihres Vaters zu einem der kommerziell erfolgreichsten Western aller Zeiten auf.

Eine Erklärung für den Erfolg mag sein, dass die aus Minneapolis stammenden Brüder sich zwar verschiedenster Genres gleichsam als Kostüm bedienen, dabei jedoch stets nur in einem Genre arbeiten - dem Coen-Film. So weist auch "True Grit" die charakteristisch langen Dialogsequenzen auf, die stets skurrilen, jedoch selten ins Klamaukhafte abgleitenden Figuren, und den lakonischen Umgang mit Gewalt und Tod. Ebenfalls typisch für die Coens gerät dabei das im Vorfeld ausgerufene Ziel - in diesem Fall die Ergreifung des Mörders - schleichend in den Hintergrund, bleibt zwar bestehen, wird jedoch unbedeutend im Vergleich mit neuen Handlungssträngen.

Wie der 1969 erschiene "Der Marshall" mit John Wayne basiert auch "True Grit" auf dem gleichnamigen Roman von Charles Portis. Während "Der Marshall" - nomen est omen - jedoch mehr auf die Figur des bärbeißigen Gesetzeshüters fokussierte, steht bei den Coen-Brüdern die 14-jährige Mattie (Hailee Steinfeld) im Mittelpunkt. Diese will den Mörder ihres Vaters finden und heuert dazu den raubeinigen, whiskeysaufenden Marshall Rooster Cogburn (Jeff Bridges) an, der zusammen mit ihr und dem Texas Ranger LaBoeuf (Matt Damon) die Spur des flüchtigen Mörders aufnimmt.

Arkansas präsentiert sich dabei in "True Grit" als weites, eisiges Land - unberührt von der Zivilisation und den Segnungen moderner Zahnheilkunde. Nahezu alle Charaktere haben virulente Gebissprobleme - und so spielt Jeff Bridges nach "The Big Lebowski" wieder einmal eine nuschelnde Figur in einem Coen-Film. Als klares Pendant - moralisch wie in der Aussprache - zeigt sich Teenager-Mattie: Tough in Verhandlungen mit den Schuldnern ihres Vaters und schussbereit, wenn sie dessen Mörder (Josh Brolin) gegenübersteht.

Zahlreiche Absurditäten finden sich im Plot, der zuverlässig mit Coen'scher Trockenironie changiert. Zugleich zeigt sich das im Winter spielende Werk düsterer als viele seiner Vorgänger, liegt näher beim 2007 erschienen "No Country for old Men" als bei der Spionagekomödie "Burn after Reading" (2008) oder der jüdischen Mittelklassestudie "A Serious Man" (2009). "Nichts auf der Welt gibt es umsonst - außer die Gnade Gottes" - diese bittere Weisheit vom Beginn bewahrheitet sich für die gealterte, verknöcherte Mattie im Epilog.

Zehn Oscar-Nominierungen, darunter für Jeff Bridges als bester Hauptdarsteller und die erst 14-jährige Hailee Steinfeld als beste Nebendarstellerin, für die Coens als Regisseure und als Drehbuchautoren sowie das Gesamtwerk für den besten Film, hagelte es angesichts dieser Leistung.

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