Tomboy

Drama, F 2011
Laure will dazugehören - als Bub

Laure will dazugehören - als Bub

Als "Tomboy" im vergangenen Sommer als Preview der Viennale seine Österreich-Premiere im Open-Air-Kino am Wiener Augartenspitz feierte, wurde viel diskutiert - über das Verhalten von Kindern in der Gruppe, über die Verwandlung eines jungen Mädchens in einen Buben, über die Herausforderungen einer Regisseurin und ihres Teams bei der Arbeit mit Themen wie Transsexualität und Transgender.

Die junge französische Regisseurin Celine Sciamma ("Wasserlilien") nähert sich dem gesamten Komplex sensibel und mit Humor an und begleitet die kleine Laure einfühlsam und leichtfüßig durch einen Sommer, in dem sie sich in der neuen Nachbarschaft als Mikael ausgibt. Laure ist zehn Jahre alt und mit ihren Eltern und ihrer kleinen Schwester erst kürzlich ins neue Wohnviertel gezogen. Wenn die Kinder aus der Nachbarschaft draußen spielen, bleibt Laure allein, denn sie kennt hier noch keinen.

Eines Tages trifft sie Lisa, ein Mädchen ihres Alters. Diese hält Laure für einen Buben - und Laure lässt sie in dem Glauben. Laure wird zu Mikael, und plötzlich kann sie auch mit den anderen Fußball spielen und am Baggersee herumtoben. Mit der Zeit kommen sich Laure und Lisa jedoch näher, was die zu Beginn so einfache Umwandlung dann doch um einiges komplizierter gestaltet. Laure genießt ihre Freiheit als Mikael - und weiß dennoch ständig darum, dass diese nicht von langer Dauer sein wird.

Die kleine Zoe Heran spielt ihre Rolle wunderbar nüchtern und unaufgeregt, und Regisseurin Celina Ciamma merkt man ihre Vorbilder - von Desplechin bis Gus Van Sant - deutlich an, ohne dass es aufgesetzt wirken würde. Ihr ist ein kurzweiliger, hinreißender Film gelungen, der wie nebenbei Fragen aufwirft und die sozialkritischen, politischen Themen im kleinen Kreis behandelt. Das erinnert an Filme von Pialat, Truffaut oder Schlöndorff, deren Tradition der gefilmten Riten, Gesten und Spiele sich in "Tomboy" immer widerspiegelt. Bei der Berlinale 2011 eröffnete der vielfach prämierte Film die "Panorama"-Sektion, und auch für die Viennale im Herbst war der schöne Independentfilm eine absolute Bereicherung. Empfehlenswert.

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