Tibet revisited

Dokumentation/ , A 2005
Manfred Neuwirth kehrt zum Ausgangspunkt zurück

Manfred Neuwirth kehrt zum Ausgangspunkt zurück

Mit "Tibetische Erinnerungen" hat Manfred Neuwirth 1995 erstmals seine sehr persönliche Form eines filmischen Reisejournals vorgestellt: 35 gleich lange, mit statischer Kamera gefilmte Aufnahmen in Zeitlupe, die den magischen Moment im Alltäglichen suchen. Mit "Tibet revisited" kehrt er zum Ausgangspunkt seiner Reise zurück.

Seine Ästhetik entwickelte er im zweiten und dritten Teil seiner "[ma]-trilogie" weiter, die ihn 1998 nach Japan ("manga-train") und 1999 ins Niederösterreich seiner Kindheit ("magic hour") führte. Mit "Tibet revisited" führt Neuwirth den Zuschauer zurück und damit auch hin zu einer vielschichtigen Wahrnehmung und erweiterten Welt-Anschauung.

Ein leuchtendes Kaleidoskop von Alltags-Impressionen aus Lhasa und Umgebung, ein vielfältiges Spektrum optischer und akustischer Moment-Aufnahmen in Breitwand-Format und Surround Sound: Markt- und Straßenszenen, Menschenmengen und Landschaften, religiöse Rituale, Handwerk und Freizeitvergnügen.

Die 28 mehrminütigen Sequenzen fügen sich zu einem - wiewohl hier nicht mehr künstlich verlangsamten - kontemplativen Bild- und Klang-Fluss, der den Wandel Tibets unter der chinesischen Besatzung reflektiert. Die Brücke zwischen den einzelnen Einstellungen kann inhaltlich wie formal sein, ein Motiv, ein Geräusch, eine Bewegung oder auch nur eine Lichtstimmung oder ein Gefühl.

Auf spielende Kinder etwa folgt die Großaufnahme eines traditionellen Würfelspiels, ein kreisender Mühlstein nimmt die Bewegung einer davor montierten Rollschuh-Halle auf, ein rauschender Fluss jene eines Menschenstroms durch einen Basar. Und mitunter ist die Verknüpfung der Szenen so zart wie die Schnur jenes Papierdrachens, dem ein Wettkampf schattenboxender Mönche vorangeht. Neuwirth präsentiert magic moments en passant - nicht nur im fernen Tibet.

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