This Is Not a Film

Dokumentation, IR 2010
Derzeit sitzt der Regisseur im Gefängnis

Derzeit sitzt der Regisseur im Gefängnis

Was macht ein Regisseur, der keine Filme mehr drehen darf und dem eine jahrelange Haftstrafe drohte? Die Rede ist vom iranischen Regisseur Jafar Panahi, der einen "Nicht-Film" bei sich zu Hause drehte, wo er unter Arrest stand: Anfangs bei alltäglichen Tätigkeiten, nach und nach erschließt sich die Brisanz der Doku/frm "This Is Not a Film", der auf der Viennale 2011 zu sehen war.

Trotz internationaler Appelle an die iranische Justiz hatte in der ersten Oktober-Hälfte ein Berufungsgericht in Teheran ein drakonisches Urteil gegen Panahi bestätigt, der als einer der wichtigsten Regisseure im Iran gilt: Sechs Jahre Haft sowie 20 Jahre Berufs- und Ausreiseverbot. Er habe gegen die nationale Sicherheit verstoßen und Propagandafilme gegen die Islamische Republik gedreht, lautete die Begründung. Der Regisseur hatte sich in der Vergangenheit wiederholt kritisch zu politischen und sozialen Entwicklungen in seiner Heimat geäußert. 2006 hatte er für seinen Film "Offside" den Silbernen Bären bei der Berlinale gewonnen.

Im März 2011, während seiner Zeit im Hausarrest, entschließt sich Panahi seinen "Nicht-Film" zu drehen. So filmt sich etwa selbst bei einem Telefonat mit seiner Anwältin. Sie kann ihm kaum positive Neuigkeiten verkünden, was die Berufung gegen das Urteil des Revolutionsgerichts gegen ihn betrifft, da es abgelehnt wurde. Zahlreiche Proteste gegen die harsche Bestrafung im In- und Ausland, sogar seitens des iranischen Präsidialamtes, haben bis jetzt nichts genützt. Es ist unklar, wann oder ob Panahi je in seinem Metier weiterarbeiten kann.

Panahi ruft er einen Freund an, den Dokumentarfilmer Mojtaba Mirtahmasb - auch er wurde mittlerweile festgenommen. Mirtahmasb filmt Panahi, währen dieser eine Szene aus einem nicht realisierten Projekt beschreibt. Der Teppich dient zur Veranschaulichung des geplanten Drehorts. Schließlich - der "Ausbruch" aus der Wohnung. Panahi begleitet den Aushilfs-Hausmeister, einen mittellosen Kunststudenten, im Aufzug nach unten. In jedem Stockwerk wird der Müll der Hausbewohner eingesammelt, während sich ein Dialog entspinnt. Im Erdgeschoß angekommen sind es nur ein paar Schritte in die verbotene Freiheit.

Draußen, auf den nächtlichen Straßen, explodieren Knallkörper und lodern die Flammen eines von den Behörden für illegal erklärten Feuerfestes - eine Metapher für das Fortleben des Widerstands gegen das Regime. Mit tapferer Ironie, nur einmal von offensichtlicher Verzweiflung durchbrochen, zeigt Panahi, dass er nicht bereit ist, aufzugeben. Allein durch das Filmen seines Alltags im Hausarrest signalisiert der Regisseur, dass er sich einem Regime nicht beugen wird, das zahlreiche seiner Kollegen in den Kerker geworfen hat.

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