The Woodsman

Drama/ , USA 2004
Kevin Bacon mit starker schauspielerischer Leistung

Kevin Bacon mit starker schauspielerischer Leistung

Der amerikanische Film hat immer wieder angenehme Überraschungen zu bieten. Zu diesen gehört das äußerst vielversprechende Kinodebüt der jungen Regisseurin Nicole Kassell, das unter dem Titel "The Woodsman" startet.

Kassell, die auch am Drehbuch des knapp 90-minütigen Films beteiligt war, zeigt die Geschichte eines Mannes, der nach zwölf Jahren Haft wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger wieder auf freien Fuß kommt, aber seine Brandmarkung nicht los wird.

Walter, so heißt der Mann mit Vergangenheit, findet zwar einen Job im Sägewerk. Doch er steht unter ständiger Polizeibeobachtung, da er als rückfallgefährdet gilt. Walter selbst ist sich nicht sicher, ob er sein Triebleben nun wirklich im Griff hat. Das ändert sich auch nicht, nachdem der in langen Haftjahren scheu und misstrauisch gewordene Einzelgänger ein Verhältnis mit seiner patenten Arbeitskollegin Vicki eingegangen ist. Die Initiative dazu ging von der hübschen, vom Leben und den Männern jedoch einigermaßen gebeutelten Frau aus. Als Vicki erfährt, welche Vergangenheit ihr Geliebter bislang vor ihr zu verbergen suchte, löst sie die Beziehung.

Nun gerät Walter in große Gefahr, denn er macht die Bekanntschaft eines kleinen Mädchens namens Robin. Diese Robin, von Hannah Pilkes anrührend als einsames, traumatisiertes Kind gespielt, beobachtet Vögel im Park und freundet sich mit Walter an. Dieser wird erneut von einer Versuchung bedrängt. Die Frage ist: Wird er ihr abermals erliegen? Es ist das kleine Wunder dieses Films, wie gut es ihm gelingt, den Zuschauer um einen Mann bangen zu lassen, der schwere Schuld auf sich geladen hat. Die Basis dieses Gelingen ist vor allem die Darstellung Walters durch Kevin Bacon.

Dieser herausragende, stets etwas gefährlich kaltäugig wirkende amerikanische Schauspieler war schon oft in Hollywood-Produktionen der Bösewicht vom Dienst, nicht selten einer mit sadistischer Ader. In solchen Rollen war Bacon meist unterfordert. Nun kann er als "Woodsman" endlich einen sehr komplexen, komplizierten Charakter darstellen, und er tut das bravourös. Es war für ihn sicher ein Glücksfall, zusammen mit seiner aparten Ehefrau Kyra Sedgwick, die als Vicki agiert, spielen zu können. Das gibt auch den für US-Verhältnisse recht freizügigen erotischen Szenen besonderen Reiz.

Der Titel des Films ist eine Anspielung auf das "Rotkäppchen"-Märchen, in dem der Förster, englisch 'Woodsman', bekanntlich das kleine Mädchen aus dem Bauch des bösen Wolfs befreit. Auch die Hauptfigur Walter ist ein 'Woodsman', allerdings von ganz besonderer Art. Es sei nicht zu viel verraten, doch das schon: Die Szene zwischen Walter und Robin auf der Parkbank wird mit Sicherheit zu den eindrücklichsten des Filmjahres 2005 gehören. Nicole Kassells Kinodebüt hat viele Zuschauer verdient.

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