The Witch

Horror, USA/GB/CDN 2015

Die Familie von Thomasin wird von einer Hexe terrorisiert

Es ist ein raues Stück Kino aus einer rauen Welt: "The Witch". Das Regiedebüt von Robert Eggers ist waschechter Genrehorror, jedoch mit Ecken und Kanten. Für diese Leistung wurde der Nachwuchsfilmer, der bei seinem Erstling auch das Drehbuch verantwortete, beim Sundance Festival 2015 mit dem Regiepreis geehrt.

Angesiedelt ist "The Witch" im Neuengland des 17. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht das tiefgläubige Ehepaar William (Ralph Ineson) und Katherine (Kate Dickie), das mit seinen fünf Kindern seine Siedlergemeinschaft verlässt, um weit entfernt vom vermeintlich gottvergessenen Dorf am Rande eines Waldes ihre Farm zu errichten. Doch schon bald häufen sich in dem vermeintlichen Refugium die Vorkommnisse: Die Ernte geht ein, die Tiere verhalten sich merkwürdig. Schließlich verschwindet in einer der beeindruckendsten Szenen des Films auch noch das Baby vor den Augen der pubertierenden Schwester Thomasin (Anya Taylor-Joy), die gerade mit dem Kind Verstecken spielt.

Der Verlust des Kindes trifft die Hinterbliebenen. Sowohl der christliche Glaube als auch der Familienzusammenhalt drohen zu zerbrechen, spätestens als die Zwillinge Jonas (Lucas Dawson) und Mercy (Ellie Grainger) Thomasin der Hexerei bezichtigen und auch Sohn Samuel im Wald verschwindet.

Mit der Grundfrage, ob es sich beim Geschehen um den religiösen Wahn von Puritanern handelt oder im Wald tatsächlich eine Hexe ihr Unwesen treibt, hält sich Jungregisseur Eggers nicht lange auf. Letztlich steht diese bei aller Spannung aber auch nicht im Mittelpunkt seines Interesses. Erinnert "The Witch" vom Setting her an Night M. Shyamalans Dorfhorror "The Village", fokussiert das Werk in seinem Kern doch mehr auf die psychologische Komponente denn auf explizite Schockmomente.

Optisch hält Eggers den Film im Bilderkosmos der Zeit, verwendet primär Grautöne und Erdfarben und inszeniert seine Kader wie flämische Barockinterieurszenen. Zusätzlich unterbricht er den Erzählfluss immer wieder mit langen Dunkelschnitten zwischen den Szenen. Die Interaktion der Figuren bleibt in diesem Kammerspiel über weite Strecken nüchtern, in Andeutungen und mit der besonderen Färbung des altenglischen Sprachduktus. Im Kern kleidet "The Witch" dergestalt die Geschichte des Erwachsenwerdens eines Mädchens in eine von Sexualitätsmetaphern aufgeladene Parabel. Gruseln kann man sich dabei dennoch - oder vielleicht gerade deswegen.

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