The Walk

Abenteuer/Drama, USA 2015

Joseph Gordon-Levitt spielt Hochseilartist Philippe Petit

45 Minuten verbrachte Hochseilartist Philippe Petit am frühen Morgen des 7. August 1974 auf einem zwischen den New Yorker Twin Towers gespannten Drahtseil. Der Oscar-prämierten Doku "Man on Wire" (2008) über das gefährliche Unterfangen fehlte nur eines: Videoaufnahmen von Petits großem Coup. Mit seinem 3D-Spektakel "The Walk" füllt US-Regisseur Robert Zemeckis nun diese Lücke.

Im Paris der frühen 70er-Jahre will der 20-jährige Philippe (Joseph Gordon-Levitt) nur eines: Sein Drahtseil aufspannen, wo immer es sich anbietet. Zwischen Bäumen, Masten und sogar den Türmen der Notre-Dame balanciert der passionierte Hochseilartist - und das stets ohne Sicherheitsnetz oder -gurt, ist er doch "Künstler, und kein Zirkusclown".

Seine wahre Herausforderung aber soll noch folgen: Aus der Zeitung lacht ihm eine Zeichnung des World Trade Centers in New York entgegen, dessen Türme bei Fertigstellung die höchsten der Welt werden sollen. Bald ist klar: Philippe will - und muss - sein Seil zwischen diese Türme spannen, 110 Stockwerke und damit 400 Meter über dem Boden. Also stellt er ein Team an Komplizen zusammen, darunter seine Freundin Annie (Charlotte Le Bon) und Mentor Rudy (Ben Kingsley), und macht sich auf, das Unmögliche zu wagen.

Was folgt, ist bekannt, wenn auch nicht in Bewegtbildern dokumentiert: Einzig körnige, schwarz-weiße Fotos existieren von Petits gefährlichem und nicht zuletzt illegalem Spaziergang in atemberaubender Höhe, bei dem er acht Mal hin- und zurückging, sich auf das Seil legte, tänzelte und schließlich vor seinem immer größer werdenden Publikum niederkniete. Es sind ebendiese außergewöhnlichen 45 Minuten, die US-Regisseur Robert Zemeckis ("Forrest Gump", "Zurück in die Zukunft") "in all ihrer Pracht" zeigen wollte und dies in "The Walk" auch beinahe in voller Länge tut: Dank 3D-Technik und schwindelerregender Kameraführung wähnt man sich als Zuschauer neben Petit direkt unter den Wolken, blickt mit ihm in den tiefen Abgrund und über die unvergleichliche US-Metropole in der Morgensonne.

Bei der Premiere des Films beim New York Film Festival hat das laut US-Medien so gut funktioniert, dass sich manch Zuseher mit Höhenangst übergeben hat. Tatsächlich kommt "The Walk" vor allem auf IMAX-Leinwänden in 3D hervorragend zum Tragen, und bleibt einem schon beim ersten und einzigen Unfall Petits (ein Sturz aus 15 Metern Höhe) in einem Pariser Zirkuszelt das Herz stehen. Joseph Gordon-Levitt hat sich für den Film neben einem starken französischen Akzent auch die Kunst des Drahtseilakts angeeignet und dafür acht Tage lang mit Petit höchstpersönlich trainiert. Die verschmitzte, gegenüber der Polizei fast provokante Leichtfüßigkeit auf dem Drahtseil vermittelt er ebenso glaubwürdig wie die geradezu manische Besessenheit Petits.

Eine besondere Einstellung ist Zemeckis mit dem letzten Bild von "The Walk" gelungen: Dann steht Petit, wie auch schon zu Beginn, auf der Freiheitsstatue, verbeugt sich vor der Stadt der Träume, New York - und lässt den Blick auf die mittlerweile zerstörten, schmerzliche Erinnerungen an 9/11 weckenden Twin Towers schweifen. Ganz ohne Musik und ohne Worte - die Bilder sprechen für sich.

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