The Tree Of Life

Drama, USA 2011
Brad Pitt als strenger Vater

Brad Pitt als strenger Vater

Für Terrence Malicks "The Tree of Life" gab es den Filmfestspielen in Cannes die Goldene Palme, Beifall und Buhrufe. Der Regieexzentriker lädt zu einem faszinierenden Trip ins Universum, nach Texas und in den Himmel ein.

"The Tree of Life" hätte die Zutaten für einen Sommer-Blockbuster-Hit: Brad Pitt und Sean Penn garantieren Hollywoods-Starbesetzung. Digitale Dinosaurier, kosmische Explosionen und Lavaströme liefern eine bildgewaltige Sprache. Doch das philosophische Drama von Terrence Malick ist das Gegenteil von Popcorn-Unterhaltung. Eingeschworene Fans des US-Regieexzentrikers haben nichts Geringeres erwartet als einzigartige, schwer verdauliche cineastische Kost, ohne geradliniges Rezept.

Mit seinem fünften Spielfilm in 38 Jahren liefert Malick sein bisher eigenwilligstes und persönlichstes Werk ab. Knapp zweieinhalb Stunden lang springt er zwischen vielen Welten hin und her. Von Kindheitserlebnissen in einer texanischen Kleinstadt der 1950er Jahre zum Urknall und kosmischen Explosionen, von einem verglasten Büro-Wolkenkratzer in eine Salzwüste, vom Alten Testament ins Zeitalter der Dinosaurier.

Ein psychedelisch-faszinierender Trip, für alle, die sich in Malicks malerischen Liebesbekenntnissen an die Natur verlieren können, die Fragen nach dem Sinn des Lebens schätzen und sich an abgehackten Dialogen und symbolischer Sprache nicht stören. Wer sonst in Hollywood könnte Sean Penn mit gequältem Gesicht im Designeranzug durch eine Wüste stolpern lassen, ohne sich lächerlich zu machen.

Malick selbst erklärt seinen "Baum des Lebens" nicht. Der publicityscheue Regisseur, der Interviews meidet, tauchte nicht einmal zur Preisverleihung in Cannes auf. Sein Hauptdarsteller Brad Pitt war beim Kinostart in den USA umso redseliger. "Er wirft große Fragen auf", beschrieb Pitt den Film im "San Francisco Chronicle". "Er folgt keinem gewöhnlichen Erzählstil. Das ist ein großer Sprung", fand der Star.

Für den 67-jährigen Malick ist es ein Sprung zurück in die eigene Kindheit. Er wuchs in Texas auf, ein strenger Vater, der frühe Tod eines Bruders. Das sind einige der wenigen bekannten Bruchstücke aus dem Leben des Regisseurs. Brad Pitt ist Mr. O'Brien, ein unnachgiebiger Vater. Die wenig bekannte Kalifornierin Jessica Chastain spielt die sanfte Ehefrau und Mutter von drei Söhnen. Jack, der Älteste, wird von dem Neuling Hunter McCracken als Kind hervorragend dargestellt, Sean Penn mimt den erwachsenen Jack.

Mit poetischen Bildern fängt Malick die Kleinstadt-Idylle ein. Kinder, die auf ruhigen Straßen, am Flussufer und unter Bäumen spielen. Die liebevolle Mutter mit Schürze in der Küche, Familiendinner am runden Tisch. Doch der Frieden täuscht. Der beruflich gefrustete Vater, der lieber Musiker geworden wäre, erzieht die Söhne mit harter Hand. "Liebst du mich", raunzt er den jungen Jack an. "Yes, Sir", die verschüchterte Antwort. Mit kurz rasiertem Crew-Cut und breitem Brillenrand wurde der hübsche Pitt zum strengen Vater zurechtgestutzt. Die Nachricht vom Tod des jüngeren Sohnes mit 19 Jahren ist der Startschuss für die Sinnsuche, über Glauben, die Entstehung von Leben und den Tod.

"The Tree of Life" ist ein bahnbrechendes Werk über die menschliche Existenz. Wem Malicks radikale Visionen nicht gefallen, der kann sich zumindest in der überwältigenden Schönheit seiner Bilder verlieren.

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