The Place Beyond the Pines

Krimi/Drama, USA 2012
Ein Film über Liebe, Ehre, Verrat und Rache

Ein Film über Liebe, Ehre, Verrat und Rache

Manche Schauspieler sind am besten, wenn sie den Mund halten. Ryan Gosling erhebt dieses Prinzip in "The Place Beyond the Pines" einmal mehr zur hohen Kunst - und macht das Epos so zu einem der intensivsten Kinoerlebnisse des Jahres.

Schon in seinem von Kritikern gefeierten Thriller "Drive" (2011) vergehen immer wieder quälend lange Sequenzen bis sich der Schauspieler auf der Leinwand zu Sätzen wie "Willst du einen Zahnstocher?" oder "Ich habe keine Räder an meinem Wagen" durchringt. Auch Derek Cianfrance, der Regisseur und Drehbuchautor von Goslings neuem Film "The Place Beyond the Pines" weiß nach seiner Zusammenarbeit mit Gosling in "Blue Valentine", dass sein Hauptdarsteller die Kunst des Schweigens beherrscht wie kaum ein Zweiter.

Und so eröffnet auch kein Dialog dieses mitunter rauschhafte Filmerlebnis, sondern das rhythmische Auf- und Zuschnappen eines Messers. Der Stuntfahrer Luke Glanton (Ryan Gosling) lässt es in seinem Schausteller-Wohnwagen immer wieder klicken: auf und zu, auf und zu. Sein Körper ist drahtig, mit Muskeln bepackt und von schlecht gestochenen Tattoos übersät. Eine Wackelkamera folgt ihm, wenn er sich seinen Weg durch die bunten Lichter eines Jahrmarktes bahnt. Unter dem Johlen der Zuschauer steigt er, ohne ein Wort zu sagen, auf sein Motorrad - die Show beginnt.

Cianfrance hat sein Epos "The Place Beyond the Pines" in drei Teile gegliedert. Der erste handelt vom Stuntfahrer Luke, der anfängt Banken auszurauben. Mit dem Geld will er die Mutter seines Sohnes (Eva Mendes) überreden, zu ihm zurückzukommen. Lukes schicksalhafte Begegnung mit einem jungen Polizisten (Bradley Cooper) leitet die zweite Episode ein. Die Geschichte schwenkt dann recht konventionell auf die Widersprüche des Polizeiberufs: Karriere, Aufrichtigkeit und Korruption. Beide Teile münden in die dritte Episode, die fragwürdige Freundschaft zwischen zwei ungleichen Teenagern - mit Drogenexzessen, Enttäuschung und Tränen.

Die Episode mit dem fulminanten Ryan Gosling ist unter den dreien mit Abstand die stärkste, nicht nur wegen ihrer wunderschön inszenierten 80er-Jahre-White-Trash-Ästhetik.Als der wasserstoffblonde Luke und sein Komplize Robin (Ben Mendelsohn) zu Bruce Springsteens "Dancing in the Dark" lachend die Beute aus ihrem Überfall zählen, sind die Zuschauer gerade Zeugen einer der grandiosesten Szenen des Films geworden, eines der wohl intensivsten, authentischsten Banküberfälle der Filmgeschichte.

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