The Neon Demon

Horror/Thriller, F/USA/DK 2016

So manche Konkurrentin würde Model Jesse am liebsten tot sehen

Nicolas Winding Refn ist einer der großen Ästheten des Kinos, der mit Werken wie "Drive" einen Look der übersteigerten Coolness als Markenzeichen etabliert hat. Sein neues Werk "The Neon Demon" steht dem in nichts nach und widmet sich nach testosterongeschwängerten Streifen der Modelszene.

Die Geschichte ist im Kern eine denkbar klassische. Der 16-jährige Teenager Jesse (Elle Fanning) kommt aus dem ländlichen Georgia nach Los Angeles und versetzt die dortige Modelszene mit ihrer Mischung aus Naivität und authentischer, unerklärlicher Schönheit in Erregung. Zugleich ruft die mysteriöse Ausstrahlung, die durch keine Schönheits-OP herstellbar ist, Neiderinnen auf den Plan. Stylistin Ruby (Jena Malone) fühlt sich zwar von Jesse angezogen, die Models Sarah (Abbey Lee) und Gigi (Bella Heathcote) würden hingegen töten für die Aura der unbedarften Konkurrentin. Aber was heißt hier würden?

Die Aschenputtel-Geschichte im Thriller-Gewand stilisiert Winding Refn bis an die Grenzen der Abstraktion, wenn die Protagonistinnen nur als farbige Impressionen auf tiefschwarzem Grund im Stroboskoplicht aufblitzen, eine Ästhetik, die durch ein extremes Spiel mit Tiefenschärfe noch unterstützt wird. Dass Winding Refn das Bild dabei primär mittels Linsen bereits beim Dreh verfremdet und nicht im Nachhinein bearbeitet hat, verleiht "The Neon Demon" einen Look, der an 80er-Jahre-Rauschwerke wie Tony Scotts "Begierde" erinnert. Wenn die Hälfte eines Films in Zeitlupe abläuft, sieht man normalerweise eine Tierdoku mit Löwen bei der Jagd oder eben "The Neon Demon". Diese jeglichem Naturalismus gänzlich enthobene Gestaltung unterstützt der 45-jährige Däne noch durch die Tonmischung, die zwischen wummernden Beats von Stammkomponist Cliff Martinez und Szenen changiert, die in einem schalldichten Raum zu spielen scheinen.

Letztlich wird aber eben dieser Fokus auf die Erscheinung zum Problem des Films. Durch die penetrante Äußerlichkeit wird der Aufmerksamkeitsfokus des Zuschauers von den gehaltvollen Elementen wie dem zynischen Humor oder dem beeindruckenden Charakterspiel von Elle Fanning ("Trumbo") abgelenkt, die den Übergang vom schüchternen Landmädchen zur kalten Modelqueen fließend gestaltet.

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