The Lobster

Komödie/Romanze, IRL/GB/GR/F/NL 2015

Der Film wurde in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnet

Das Leben als Single ist unter allen Umständen zu vermeiden. Und wenn es dem Betroffenen nicht selbst gelingt, hilft die Gesellschaft eben nach - mit allen Mitteln. Diese dystopische Zukunftsvision entwirft "The Lobster", der Film des Jahres mit dem vermutlich trockensten Humor. Nun kommt das starbesetzte Werk des Griechen Yorgos Lanthimos exklusiv ins Wiener Filmcasino.

Lanthimos, mit "Dogtooth" 2011 immerhin schon für den Auslandsoscar nominiert, entwirft bei seinem englischsprachigen Debüt als Regisseur und Drehbuchautor eine kleine Welt, in der Alleinstehende eingefangen und in ein Hotel am Meer gesperrt werden. Dort müssen sie binnen 45 Tagen einen Partner unter den Mitgefangenen finden. Wer dies nicht schafft, wird am Ende der Frist in ein Tier seiner Wahl verwandelt und in die Natur gejagt.

David (Colin Farrell) sucht sich zu Beginn seines erzwungenen Aufenthalts den titelgebenden Hummer aus und freundet sich mit dem Humpelnden (Ben Whishaw) und dem Lispelnden (John C. Reilly) an. Während der Humpelnde bereit ist, wiederholt heimlich seinen Kopf an die Wand zu schlagen, um im Hotel eine an Nasenbluten leidende Kollegin mit scheinbar gleichem Problem zu beeindrucken, bemüht sich David um die Hartherzige (Angeliki Papoulia), indem er tollpatschig den Herzlosen mimt, dies allerdings nicht lange durchhält.

Nach der Enttarnung ist David gezwungen, in die umliegenden Wälder zu flüchten, wo sich die "Loner" verstecken, die sich als Guerilla der durchgestylten Welt des Hotels und der ebenso repressiven City entziehen. Sie werden von den Hotelbewohnern mit Betäubungsgewehren gejagt, die sich damit zusätzliche Tage vor der Verwandlung in ein Tier erkaufen können. Dort verliebt sich David in die Kurzsichtige (Rachel Weisz), was unter den Lonern aber gar nicht gern gesehen und mit drakonischsten Strafen belegt wird. Da versteht die strenge Anführerin (Lea Seydoux) keinen Spaß.

Großen Humor beweist hingegen Lanthimos, der die verzweifelte Grundtönung von "The Lobster" stets beibehält und diese doch mit trockenem Witz zuspitzt, der dank des ebenso uneitel wie herausragend spielenden Ensembles bis zum Exzess und zur Schmerzgrenze durchgehalten wird. Gedreht in langen Einstellungen und in der regnerisch-trüben Landschaft Irlands, setzt "The Lobster" auch stilistisch auf harte Kontraste, wenn die fahlfarbigen, dürren Bilder mit Musik wie Fado konterkariert werden.

Vor dem Hintergrund dieses vor Ideen sprudelnden Kosmos erschafft der 42-jährige Lanthimos einen sich den Genreeinordnungen entziehenden Film, der ebenso romantische Komödie wie spannender Psychothriller ist, gleichermaßen skurrile Dystopie wie philosophisches Essay, das die Fragen von gesellschaftlicher Normierung und aufgezwungenen Lebensmodellen abhandelt. Für dieses Kunststück wurde "The Lobster" in Cannes zu Recht mit dem Preis der Jury ausgezeichnet, denn dieser Hummer ist ein Hammer.

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