The Lady in The Van

Komödie/Drama, GB 2015

Miss Shepherd bringt Leben ins Viertel

Eine obdachlose alte Dame parkt ihren Lieferwagen in der Ausfahrt eines Fremden und bleibt dort für 15 Jahre wohnen. "Basierend auf einer größtenteils wahren Geschichte", heißt es im Vorspann von "The Lady in the Van". Alan Bennett hat aus dieser skurrilen Episode seines Lebens ein erfolgreiches Stück gemacht, das nun verfilmt wurde. Auf der Bühne wie auf der Leinwand im Zentrum: Maggie Smith.

Camden Town, London: Eine Straße, überwiegend bewohnt von Künstlern und Theaterleuten wie Alan Bennett (verkörpert von Alex Jenning). Hier taucht eines Tages eine eigentümliche Dame mit strengem Geruch in einem klapprigen Lieferwagen auf, den sie regelmäßig vor verschiedenen Häusern platziert, was einige Bewohner der Straße sehr kritisch beobachten. Weil sie vor unerträglicher Flötenmusik flieht, landet Miss Shepherd "vorübergehend" vor Bennetts Haus. Der Besuch der alten Dame wird ein Dauer-Provisorium, in dem sie dem Schriftsteller zwar das Leben schwer macht, in dem die beiden einsamen Menschen einander aber auch eine gewisse Stütze sind.

Überraschenderweise findet die erwartete Annäherung aber kaum statt. Auch nach Jahren scheinen einander die beiden Protagonisten kaum zu kennen. Mehrere Konstellationen des Films sind zwar reizvoll, aber auch allzu verwirrend. Als Zuschauer ist man sich nie sicher, ob die skurrile Dame die Wahrheit spricht oder sie verdreht, denn sie redet sich aus unangenehmen Situationen stets geschickt heraus. Außerdem hat Bennett ein Alter Ego erhalten, eine Doppelrolle als nach Schreibstoff Ausschau haltender Autor und sein scheues, privates Ich, das schlussendlich sein Coming-out hat. Die beiden Figuren liefern sich ständig Selbstgespräche und stehen kontinuierlich miteinander im Konflikt.

Einsamkeit, Ausgrenzung aus der Gesellschaft und Altersschwäche malen einem sonst kein Lächeln ins Gesicht. Doch "The Lady in the Van" schafft genau das: Inhaltlich ist der Film eigentlich ein Drama, verpackt ist er jedoch als Komödie. Absurde Situationen und unerwartete Sprüche sorgen für Unterhaltung. Dass die beiden Hauptfiguren einander nicht wirklich näher kommen, enttäuscht, vermeidet jedoch jeglichen Anflug von Rührseligkeit und Sentimentalität. Anstatt sich um Miss Shepherd zu kümmern, benützt Bennett sie: Am Ende des Films werden die Skripten seines Theaterstücks angeliefert, in dem er ihre Geschichte erzählt. Der Kreis schließt sich.

Die von der Queen in den Ritterstand erhobene zweifache Oscar-Gewinnerin Maggie Smith spielte bereits im Queen's Theatre vor 17 Jahren zum ersten Mal die obdachlose Lady, die sich Miss Shepherd nennt. Ihre Paraderolle verkörpert sie nun auch in der Verfilmung von Nicholas Hytner. Witziges Detail am Rande: Ihre Rolle der Professorin Minerva McGonagall in den Verfilmungen der Harry-Potter-Romane machte sie noch populärer als zuvor - und mit Frances de la Tour und Jim Broadbent bekommt sie es nun mit zwei weiteren ehemaligen Mitgliedern des Hogwarts-Kollegiums zu tun. Magische Ausstrahlung zeichnet auch Miss Shepherd aus: Trotz Müllansammlungen, Inkontinenz und Erniedrigungen aller Art verströmt sie Selbstbewusstsein und Stärke.

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