The Hateful Eight

Krimi/Drama, USA 2015

Samuel L. Jackson spielt den Kopfgeldjäger Major Marquis Warren

Quentin Tarantino hat es wieder getan: Nach "Django Unchained", der dem Kultregisseur einen Oscar für das Beste Originaldrehbuch und Christoph Waltz seinen zweiten Nebendarsteller-Oscar einbrachte, ist auch der achte Film des US-Amerikaners im Western-Genre angesiedelt. In "The Hateful Eight" geht es aber klaustrophobischer zu als es das Breitwandformat vermuten lässt.

Denn der Filmliebhaber Tarantino hat für sein neuestes Kinoabenteuer wieder in der cineastischen Historie gewühlt und wurde beim fast vergessenen Format Ultra Panavision 70 fündig. Ausgestattet mit alten Linsen, die für moderne Gerätschaften adaptiert wurden, hat er mit seinem Kameramann Robert Richardson ein Erlebnis geschaffen, das neben der für ihn typischen Dialoglastigkeit aus "The Hateful Eight" ein optisch mehr als beeindruckendes Eintauchen in scheinbar vergangene Tage macht.

Angesiedelt ist die Geschichte wenige Jahre nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkriegs, der sich in verschiedenster Weise in die Zwischenräume der weiteren Handlung schiebt. Norden gegen Süden ist noch längst nicht überwunden, wie Tarantino, erneut auch für das Drehbuch verantwortlich, nur zu deutlich macht. Im Fokus stehen zunächst die Kopfgeldjäger Major Marquis Warren (Samuel L. Jackson) und John "Der Henker" Ruth (Kurt Russell), die sich im verschneiten Wyoming über den Weg laufen. Ruth hat zudem eine Gefangene mit im Gepäck, die er nach Red Rock bringen will, um 10.000 Dollar Kaution zu kassieren. Wäre da nicht ein bedrohlicher Wintersturm, der ihnen auf den Fersen ist.

Im weiteren Verlauf kommt das ungleiche Gespann zu Minnies Kleinwarenladen, sucht dort Unterschlupf und trifft auf recht zwielichtige Gesellen. So liegt es schlussendlich nicht nur an den rapide fallenden Temperaturen und dem konstant in den Ohren dröhnenden Sturm, um beim Betrachten der unterkühlten Situation das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. Die Gesellschaft ist immerhin enorm illustrer: Bruce Dern gibt einen ehemaligen Konföderierten-General, Tim Roth den wandernden Henker vom Dienst mit leichtfüßigem Augenzwinkern, Walton Goggins den Sheriff in spe, Michael Madsen einen undurchsichtigen Cowboy und Demian Bichir einen verschlossenen Mexikaner, der den Laden in Minnies Abwesenheit schmeißt. Ganz zu schweigen von der großartigen Jennifer Jason Leigh als Daisy Domergue, mit blauem Auge und in Handschellen unfreiwilligerweise stets an der Seite von Ruth.

Wird zum imposanten Score von Ennio Morricone zunächst winterliche Weite eindrucksvoll eingefangen, verlagert sich das Geschehen im fast dreistündigen Epos schnell in das Innere der Holzhütte, die den Sturm abhalten soll. Aber eigentlich braut sich in diesen vier Wänden etwas noch Bedrohlicheres zusammen, wie schnell deutlich wird.

Es ist gerade das Breitwandformat, das die kammerspielartige Situation in Minnies Kleinwarenladen besonders zur Geltung bringt. Während immer mehr Unruhe in die bunt zusammengewürfelte Truppe kommt, ein mäßig schmeckender Kaffee sowie ein angeblicher Brief von Abraham Lincoln eine Rolle spielen und man mehr über den Verbleib der restlichen Charaktere erfährt - die titelgebenden Acht sind kaum mehr als eine grobe Richtschnur -, verleihen die Bilder von Richardson dem engen Raum in langen, ruhigen Einstellungen zusätzliche Atmosphäre.

Tarantino ist mit "The Hateful Eight" ein Western gelungen, der mit detektivischer Lust zum Aufspüren der versteckten Hinweise lockt, einmal mehr die vom Regisseur bevorzugte Kapiteleinteilung aufleben lässt und trotz einzelner, unausgegorener Ideen zu unterhalten weiß. Man begibt sich hier in ein Labyrinth aus Loyalität und Verrat, falschen Wahrnehmungen und nur scheinbaren Gegensätzen. Dass der titelgebende Hass sich nicht wie vielleicht zunächst vermutet auf die Hautfarbe beschränkt, ist dabei nur ein weiterer Aspekt im dicht gesponnenen Netz des Filmemachers. Neues entdeckt man kaum, dafür bekommt man, was zu erwarten ist: einen Tarantino-Film.

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