The Girl King

Drama, FIN/D/CDN/S/F 2015

Die burschikose Königin Kristina verliebt sich in eine Frau

Ob Angela Merkel oder Hillary Clinton die Monarchin Kristina kennen? Mika Kaurismäki weiß es nicht, aber er ist sich sicher: Beeinflusst hat die Herrscherin aus dem 17. Jahrhundert die Politikerinnen von heute auf jeden Fall. Das Mädchen, das wie ein Bub aufwächst und als König von Schweden dazu beiträgt, den Dreißigjährigen Krieg zu beenden, ist eine der schillerndsten Figuren der Weltgeschichte.

In "The Girl King" (ab Freitag im Kino) zeigt der finnische Regisseur Kristina von ihrer starken, unbeirrbaren Seite - aber auch als verletzliche Seele, deren Liebe zu ihrer Kammerzofe ein unglückliches Ende nimmt. "Dass junge Mädchen miteinander eine Liebesbeziehung hatten, war damals nicht ungewöhnlich", sagt Kaurismäki im Interview der Deutschen Presse-Agentur. "Wahrscheinlich auch, weil die Männer im Krieg waren und die Frauen zurückblieben. Aber Kristina ist zu weit gegangen." Sie weigert sich, ihrem Volk einen Thronfolger zu schenken, und bringt damit den Hof gegen sich auf. Doch wenn es nur das wäre.

Während das protestantische Schweden in Europa einen erbitterten Krieg führt, in dem auch ihr Vater fiel, holt sich Kristina (Malin Buska) Katholiken als Berater an den Hof. Statt zu heiraten, schickt sie ihre männlichen Verehrer an die Front und zu Friedensgesprächen nach Deutschland. Kristina selbst korrespondiert erst heimlich, dann offen mit dem Philosophen Rene Descartes (Patrick Bauchau). Sie liebt Bücher, träumt von Bildung für ihr Volk - und von Frieden. "Warum kann sie nicht so reden wie wir anderen auch?" fragt einer ihrer Berater.

"Sie war mit ihren Ideen weit vor ihrer Zeit", findet Kaurismäki. Viele ihrer Kämpfe sind vielleicht deshalb noch aktuell. "Es hat sich nicht so viel geändert", meint der Regisseur. "Wir haben die religiösen Kriege in Europa und der Welt. Die jungen Leute sind unsicher, welche Entscheidungen sie treffen sollen, damit sie glücklich sind." Und Frauen kämpften immer noch für Gleichberechtigung.

Der Filmemacher wollte das Mädchen, das König wurde, weil es das Wort Königin schlicht und einfach noch nicht gab, "nicht als jemanden aus dem Museum" zeigen. Seine Kristina - grandios störrisch, wild und sensibel gespielt von der Schwedin Buska - "könnte auch heute leben". Unter den barocken Kostümen verbirgt sich tatsächlich eine moderne Powerfrau, die den Konventionen trotzt und für ihre Träume kämpft.

Gleichzeitig hält sich Kaurismäki stark an das, was geschichtlich überliefert ist. "Wir haben die Fakten eigentlich nicht geändert", sagt er. "Natürlich haben wir ein bisschen künstlerische Freiheit genommen, aber im Prinzip ist alles, was drin ist, wahr." Doch selbst wer sonst nicht auf historische Filme steht, kann an diesem Gefallen finden. Denn letztendlich erzählt "The Girl King" auf fesselnde Weise einfach nur die Geschichte einer erstaunlichen Frau.

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