The Flying Scotsman

Drama/ , D/GB 2006
Graeme ist der einzige, der an Graeme glaubt

Graeme ist der einzige, der an Graeme glaubt

Lässt sich in Zeiten der Doping-Skandale noch über Ideale und Träume im Radsport sprechen? Der britische Regisseur Douglas Mackinnon jedenfalls legt mit seinem Radsport-Drama "The Flying Scotsman" ein romantisches Stück vor, das das Thema völlig ausspart und sich stattdessen nur auf das Sportive konzentriert. Erzählt wird die wahre Geschichte des Radsportlers Graeme Obree (Johnny Lee Miller).

Der Schotte Graeme Obree, in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, ist ein ambitionierter und hochtalentierter Bahnradfahrer und träumt davon, den Stundenrekord auf der Bahn zu brechen. Wie viele Radprofis in den 90er Jahren, probiert auch Obree eine ungewöhnliche Sitzposition aus, um seine Geschwindigkeit zu erhöhen: Den Oberkörper weit nach vorne gebeugt, die Ellbogen eng herangezogen, die Hände auf einen lächerlich kleinen Lenker gestützt. Doch es funktioniert, die Haltung kommt der Aerodynamik entgegen.

Aber als wäre diese Position nicht schon unkonventionell genug, baut Obree mangels Geld und Sponsoring aus Alteisen und den Lagerschalen einer Waschmaschine ein wettbewerbsfähiges Rad. Die Unterstützung seiner Frau Anne (Laura Fraser) und seiner Freunde Malky (Billy Boyd) und Baxter (Brian Cox) helfen ihm dabei, dieses verrückte Unternehmen durchzuziehen. Acht Wochen bleiben Obree noch bis zum Wettkampf, er trainiert wie ein Besessener und holt den Rekord, den zuvor neun Jahre lang der Italiener Francesco Moser innehatte.

Weitere Trophäen folgen. So schlägt er zum Beispiel seinen britischen Kontrahenten Chris Boardman in der Einer-Verfolgung. Doch der Erfolg ist Obree, der als Kind von Mitschülern gehänselt wurde, nicht beschieden. Der internationale Radsportverband entscheidet, die ungewöhnliche Haltung und das Rad Obrees nicht zu akzeptieren und seine Rekorde nachträglich abzuerkennen. Obree, der ohnehin zu Depressionen neigt, gibt fast auf. Doch 1995 gelingt ihm in Frankreich noch einmal ein Comeback, er wird Weltmeister in der Einer-Verfolgung. Seine Haltung geht schließlich als die "Superman-Position" in die Radsportgeschichte ein.

Das auf der Autobiografie Obrees beruhende Drehbuch (John Brown, Declan Hughes, Simon Rose) ist insgesamt sehr konventionell, simpel und dadurch wenig überraschend. Doch Hauptdarsteller Jonny Lee Miller ("Trainspotting", "Aeon Flux") und seinem kongenialen Mitspieler Billy Boyd ("Herr der Ringe") gelingt es, durch ihr Spiel eine ganz eigene Spannung herzustellen.

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