The Doors - When You're Strange

Dokumentation/Musikfilm, USA 2009
Auf den Spuren von The Doors

Auf den Spuren von The Doors

Fast 20 Jahre nach Oliver Stones Film "The Doors" mit Val Kilmer in der Rolle Morrisons legt Regisseur Tom DiCillo seine nicht minder beeindruckende Dokumentation "The Doors: When You're Strange" vor.

The Doors hatten gerade einmal sechs Jahre Zeit, um Musik-Geschichte zu schreiben. Doch die nutzten sie - und wie. Sie waren die Band der ausgehenden 60er-Jahre, lieferten den Soundtrack zu drogenvernebelten Partys von Hippies, Vietnam-Kriegsgegnern und revoltierenden Studenten. Der frühe Tod von Frontmann Jim Morrison ließ ihn und die Band zur Legende werden.

DiCillo ("Echt blond", "Living in Oblivion") montiert ausschließlich Originalmaterial aus den 60ern und 70ern, darunter Konzertausschnitte, Band-Proben, szenische Aufnahmen Morrisons sowie Politisch-Historisches. Die mittlerweile zum Doku-Standard gehörenden Interviews prominenter Zeitgenossen vor dunklem Hintergrund sucht man vergebens, vermisst man aber auch nie. Stattdessen lässt DiCillo die Bilder sprechen und Hollywoodstar Johnny Depp, der Informationen und Interpretationen liefert.

Die 86-minütige Doku, konventionell chronologisch erzählt, zeigt eindringlich, wie die Band als Kollektiv funktionierte und durch die Präsenz Morrisons zu ungeahnten Höhen geführt wurde, wie sie sich zunehmend gesellschaftspolitisch artikulierte und zum Feindbild des konservativen Amerika wurde. Der Film zeigt aber auch, wie die Band unter Morrisons Exzessen und Egotrips litt und daran auch so gut wie zerbrach. Sein früher Tod 1971 im Alter von nur 27 Jahren - in diesem Alter starben auch Jimi Hendrix und Janis Joplin kurz zuvor - erscheint beinahe zwangsläufig.

DiCillo zeichnet den Werdegang der Band vor dem Hintergrund des amerikanischen Trauma-Jahrzehnts: Die Morde an John F. Kennedy und Martin Luther King, der Rassenkonflikt, der Vietnam-Krieg, die Proteste der Jugend, die sich von der Väter-Generation abwendet - all das bildete ideale Voraussetzungen für den Aufstieg der Doors.

Die Doors setzten zunächst vor allem stilistisch neue Maßstäbe: Der leidenschaftliche, übers Stöhnen bis zum Kreischen reichende Gesang des unausgebildeten Sängers Morrison, der psychedelische Sound von Keyboarder Ray Manzarek, das Flamenco-inspirierte Bottleneck-Gitarrenspiel Robby Kriegers und das treibende Schlagzeug von John Densmore - all das war neu, aufregend und unerhört.

Und dann James Douglas Morrison, eine absolute Ausnahmeerscheinung: Dieser introvertierte Gedichteschreiber, mehr Rock-Poet denn Rocker, der bereits als Teenager Rimbaud und Nietzsche las, bewegte sich zunächst schüchtern auf der Bühne, wirkte gehemmt, unsicher, drehte dem Publikum minutenlang den Rücken zu. Doch Erfolg, Drogen und Alkohol veränderten ihn: Morrison wurde zur Stilikone, verausgabte sich auf der Bühne, provozierte Fans und Ordnungshüter, gab Leidenschaft, Enthusiasmus, pure Energie - und verbrannte dabei innerlich.

Die Legende Doors und die Legende Morrison leben weiter. Und die Musik sowieso, wie der Soundtrack zum Film mit Klassikern wie "Light My Fire", "Riders On The Stor", "L.A. Woman" und "Break On Through" eindrücklich beweist.

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