The Dinner

Drama/Thriller, USA 2017

Zum Essen werden finstere Familiengeheimnisse enthüllt

Zwei Brüder und ihre Frauen erörtern in einem Lokal ein heikles Thema: Die Söhne der Familien verantworten ein Verbrechen Ein spannender Mix aus Kammerspiel, Familiendrama und Thriller, der ein überspitztes Sittenbild der modernen Gesellschaft zeichnet.

Darum geht’s in ‚The Dinner‘:

Basierend auf dem Bestsellerroman "Angerichtet" des niederländischen Autors Herman Koch werden in "The Dinner" zwei Paare - verkörpert von Gere und Rebecca Hall respektive Coogan und Laura Linney - mit der Tatsache konfrontiert, dass ihre Teenagersöhne ein Gewaltverbrechen begangen haben, jedoch nicht als Täter identifiziert wurden. Im kammerspielartigen Ringen um das moralisch richtige Vorgehen will der von Gere verkörperte Kongressabgeordnete Stan Lohman die anderen mit einer folgenschweren Entscheidung überstimmen.

"Stan ist der einzige im Raum, dessen Vision groß genug ist, um zu wissen, was richtig für die Kinder ist", meinte Gere vor Medienvertretern am Rande der Berlinale im Februar, wo "The Dinner" Weltpremiere hatte. "Er versteht es, was es heißt, Verantwortung zu tragen. Wenn sie das durchziehen, ohne den Preis zu zahlen, wird es sie zerstören - davon ist er überzeugt." Die moralische Integrität der Figur kommt für die Zuseher überraschend. "Ich wollte das Publikum anfangs glauben lassen, Stan sei eine Karikatur, das Klischee eines abgebrühten Politikers, vielleicht eines Frauenhelden", so der 67-Jährige. "Seine Ehefrau weint, sein Bruder hasst ihn - man glaubt gleich, er sei ein Narzisst, ein Idiot. Das soll erst einmal sickern, und wir brechen das im Laufe des Films auf und geben ihm mehr Tiefe."

Gere hat intensiv an Movermans Drehbuch mitgewirkt, neben seiner eigenen Figur und dessen Kampf für eine lückenlose Gesundheitsversorgung in den USA auch die Dynamik des Bruderpaars herausgearbeitet. Für die beiden ist es die dritte Zusammenarbeit nach dem Drama "Time Out Of Mind" (2014), in dem Geres Figur in die Obdachlosigkeit abgleitet, und "Norman", den Moverman produzierte. "Oren und ich hängen aneinander, wir mögen uns, und wir wollen weiter miteinander arbeiten", so der Schauspieler und Menschenrechtsaktivist, der sein kreatives Schaffen als politisch begreift. "Wir alle tun das doch nicht, weil wir Narzissten sind, sondern weil wir glauben, dass es auf die eine oder andere Weise nützlich für andere Menschen, für den Planeten sein kann."

"The Dinner" sieht er als Plädoyer für soziale Verantwortung - und dementsprechend wichtig in Zeiten, in denen viele Politiker Ängste schüren. "Einer der dunkelsten Momente für mich als US-Amerikaner war die Vereidigung von Donald Trump zum Präsidenten. Es ist mir noch immer unbegreiflich", sagte Gere. "Aber gleich am nächsten Tag zu sehen, wie Millionen Frauen Arm in Arm auf die Straßen gehen, mit Freude, Solidarität und positiven Visionen, war außergewöhnlich. Das Gute, was ein so inkompetenter Mensch wie er hervorruft, ist, dass Menschen aufwachen." Nun gehe es darum, den Protest zu bündeln und zu organisieren, "damit er sich positiv auf die Zukunft auswirkt".

Der Weg, den Stans jüngerer Bruder Paul (Coogan) im Leben einschlägt, stellt gewissermaßen das Gegenteil dar - lässt sich der Geschichtslehrer doch von seiner Verbitterung überrollen. "Ich kann Pauls Ärger nachempfinden", meinte Coogan. "Ich kann mich über Ungerechtigkeiten, Menschenrechtsverletzungen, Fanatismus und Machtmissbrauch maßlos aufregen. Was ich aber nicht tue, ist, es mich beherrschen zu lassen." Paul nehme Dinge, die global passieren, "sehr persönlich". "Er fühlt eine Ohnmacht, weil er nichts an der Lage ändern kann. Also ist es einfacher, ignorant und zynisch zu sein und gar nicht erst zu versuchen, etwas zu verändern. Er ist wütend auf die Welt, und das lässt er an den Menschen um ihn herum aus."

Dass Paul im moralischen Konflikt den Schutz des eigenen Sohnes über alles stellt, sei "nur menschlich". "Der Film handelt von Loyalitäten innerhalb einer Familie, eines Stammes. Seine Nächsten zu beschützen kann aber mit sich bringen, dass jemand anderes zu Schaden kommt", so Coogan. Pauls Zwiespalt stehe auch für das "ewige Ringen unserer Gesellschaft, das zu tun, was richtig ist, was auch immer das heißt". "Die Amerikaner haben früher gesagt, sie müssten Menschen foltern, um sich vor Menschen zu schützen, die andere Menschen foltern. Sie sehen darin eine Logik."

Für die Darstellung des psychisch labilen Paul wagte sich Coogan außerhalb seiner Komfortzone, wie er sagte. "Ich war das größte Risiko im Casting. Die anderen Drei wissen, was sie tun." Vorrangig in seiner Heimat Großbritannien als Komiker erfolgreich, wurde der 51-Jährige mit dem Oscar-nominierten Drama "Philomena" (2013) einem breiteren Publikum bekannt. Die Rolle als Paul jedoch bekam er, weil Moverman jemanden suchte, der glaubhaft Geres Bruder spielen kann - und Coogan den Hollywoodstar in seiner Comedy-Serie "The Trip" 2010 legendär imitierte. "Man glaubt ja, man verarscht Menschen, denen man ohnehin nie begegnen wird", sagte Coogan. "Doch dann nimmt man interessantere Dinge an und trifft sie plötzlich."

Die Rache kam - wenn auch nicht absichtlich -, als Gere und Coogan eine Szene drehten, in der Stan seinem jüngeren Bruder ins Gesicht schlägt - und Coogan ein echtes blaues Auge davontrug. "Wir haben die Szene fünf oder sechs Mal gedreht. Jedes Mal habe ich mich geduckt und er hat den Schlag vorgetäuscht." Bei der letzten Aufnahme, erzählte Coogan, "war ich zu langsam und er hat mich knallhart auf der Wange erwischt. So hart, dass ich kurzzeitig Sterne gesehen habe und wir eine halbe Stunde pausieren mussten." Gere sei danach zu ihm gekommen und habe ihm ins Ohr geflüstert: "Das war für deine Parodie über mich."

Unsere Meinung zu ‚The Dinner‘:

Toll gespieltes Psychodrama!

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