The Cut

Drama, D/F/PL/TR/CDN/RUS/I 2014
Nazaret sucht nach seinen Zwillingstöchtern

Nazaret sucht nach seinen Zwillingstöchtern

Es ist ein heikles Thema, das Fatih Akin in seinem neuen Film angeht: Das Schicksal Hunderttausender Armenier ist in der Türkei weiterhin ein Tabu. Nun verschafft der in Hamburg lebende Regisseur mit seinem neuen Film "The Cut" den vielen Opfern eine große Öffentlichkeit. Türkische Ultranationalisten bedrohten Akin schon vor dem Kinostart.

In den Mittelpunkt seiner fiktiven Geschichte stellt Akin den Schmied und Familienvater Nazaret. 1915 wird er mit anderen Männern des Ortes verschleppt und muss Zwangsarbeit an einer Straße leisten. Dann kommt es zu einem Massaker an den Armeniern, das Nazaret jedoch knapp und wie durch ein Wunder mit nur einem Messerstich am Hals überlebt. Seine Stimme verliert er zwar - ein einprägsames Symbol für die Sprachlosigkeit von Opfern von Gräueltaten. Doch als er Jahre später erfährt, dass seine Zwillingstöchter die Vertreibungen überlebt haben sollen, gewinnt er neuen Lebensmut.

Hungersnöte, Vergewaltigungen, Flüchtlingslager und Massensterben: Während der 41-jährige Akin in "The Cut" viele Facetten des Grauens streift, ist seinem Film anzumerken, wie wichtig dem Regisseur das Thema ist, wie viel Recherche er in die historischen Hintergründe gesteckt hat. Optisch hat "The Cut", mit dem Akin seine Trilogie um Liebe, Tod und Teufel beendet, auch viel zu bieten: Der Filmemacher nutzt die Leinwand für große Totalen, erfasst so die Ödnis der Wüste und das Ausmaß des Elends in Flüchtlingscamps. Dabei erinnert vieles an klassische Hollywood-Epen in Sepia-Bildern.

In seinen früheren Werken wie dem preisgekrönten "Gegen die Wand" oder "Soul Kitchen" konnte Akin immer wieder mit einer brodelnden Energie und einem Gespür für Tempo und Humor überzeugen. Mit dieser eigenen Handschrift gewann der Filmemacher weltweit Fans und Ansehen.

Das half ihm sicher, jetzt internationale Stars zur Zusammenarbeit zu bewegen: Er wurde von Oscar-Preisträger Martin Scorsese beraten. Mardik Martin, der für Hollywood-Klassiker wie "Wie ein wilder Stier" die Drehbücher schrieb, feilte als Co-Autor an Akins Skript. Der Franzose Tahar Rahim ("Der Prophet") übernahm die Hauptrolle des fast stummen Helden.

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