The Conjuring 2

Horror, USA 2016

Janet und ihre Geschwister werden von einem Poltergeist heimgesucht

Horrorfilme sind an der Kinokasse immer wieder für Überraschungen gut. Das legendäre "Blair Witch Project" etwa von 1999, das weltweit ein Vielfaches seiner Kosten einspielte. Auch "Conjuring - Die Heimsuchung" verblüffte bei seinem Start im Juli vor drei Jahren in den USA. Nun kommt mit "Conjuring 2" die Fortsetzung in die Kinos.

Im ersten Teil mussten sich die Dämonologen Ed und Lorraine Warren um ein verfluchtes Farmhaus in Rhode Island kümmern. In "Conjuring 2" werden die beiden Experten für paranormale Phänomene nach London gerufen. James Wan, der als Regisseur oder Produzent schon Gruselstreifen wie "Saw", "Insidious" und "Annabelle" ins Leben gerufen hat, zeichnet nun nach "Conjuring - Die Heimsuchung" auch für das Sequel verantwortlich. Ed und Lorraine werden erneut verkörpert von Vera Farmiga und Patrick Wilson; in einer kleineren Rolle ist auch Franka Potente ("Lola rennt") mit dabei.

Zu Beginn des Films sind The Clash zu hören, "London Calling", da haben Ed und Lorraine Warren gerade ihre Heimat verlassen, sind aus den USA gen England gejettet, um sich einen besonders rätselhaften Fall anzuschauen: Im Londoner Enfield des Jahres 1977 werden eine alleinerziehende Mutter und deren vier Kinder von einem Dämonen heimgesucht.

Peggy Hodgson hat es ohnehin nicht leicht, der Mann ist weg, eines der Kinder stottert, und von den Wänden des ärmlichen Hauses bröckelt der Putz - und nun macht der Dämon auch noch allnächtlich den Hodgsons das Leben zur Hölle. Besonders auf Janet hat es dieser abgesehen, schließlich spricht der Dämon gar durch das kleine Mädchen, bemächtigt sich ihrer Zunge: "Das ist mein Haus!". Die Warrens wollen den Fall zunächst eigentlich nur für die Kirche dokumentieren, Ed und Lorraine aber werden immer tiefer hinein gezogen ins düstere und unerklärliche Geschehen.

Auch dieser Film greift auf ein paar bekannte, im Horror-Genre längst etablierte Bilder, Klänge und Stil-Elemente zurück. Da ist die Schaukel im Garten der Familie, die sich ganz plötzlich von allein in Bewegung setzt. Da ist das Spielzeugauto, das genauso ein Eigenleben entwickelt wie die Fernbedienung des TV-Geräts. Da sind die quietschenden Dielen und Streicher-Crescendi, die auch im Bereich der musikalischen Flankierung für Gänsehautstimmung sorgen.

Die Inszenierung aber verzichtet über fast die komplette Länge des Films genauso auf billige Schockeffekte wie auch auf unnötige digitale Spielereien. Stattdessen führt uns James Wan, den man trotz seiner jungen Jahre (geboren 1977) schon fast als Alt-Meister des Horrors titulieren muss, ein ums andere Mal vor Augen, mit was für einfachen Mitteln man auch im 21. Jahrhundert noch für Gruseln sorgen kann: mit einem zitternd unter einer Decke verharrenden Kindergesicht etwa, mit einem über eine weiße Wand huschenden, dunklen Schatten.

Mit 133 Minuten an Spiellänge ist "Conjuring 2" für einen Gruselstreifen recht lang geraten. Zum Ende hin gibt es den ein oder anderen entbehrlichen oder effekthascherischen Moment. Insgesamt aber profitiert der Film von seiner Länge, ermöglicht diese doch dem Regisseur ein im Vergleich zu anderen Filmen des Genres erstaunlich vielschichtiges Werk.

"Conjuring 2", der sehr unheimlich ist, zugleich aber auch lustige Szenen parat hält, erzählt auf einfühlsame Weise von den Leiden der Hodgsons. Die Armut der Familie ist dabei genauso Thema wie die Abwesenheit des Vaters; gleich zu Beginn fragt eines der Kinder, ob Dad jemals wiederkomme. Auch lässt der Film lange offen, ob die kleine Janet (stark gespielt von der Amerikanerin Madison Wolfe) den Horror vielleicht nur simuliert und all ihre durch Entbehrungen und das Fehlen des Vaters hervorgerufenen Ängste mit somnambulen Fantasien zu kompensieren sucht.

Schließlich geht es in "Conjuring 2" auch um die Liebe zwischen Ed und Lorraine Warren: In der so kitschigen wie rührenden, mit Elvis' Stimme unterlegten Schlussszene findet James Wan für diese Liebe wunderbare Bilder.

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