The Boss - Dick im Geschäft

Komödie, USA 2016

Unternehmerin Darnell kämpft um ihr Vermögen mit allen Mitteln

Melissa McCarthy ist in der US-Komödie "The Boss - Dick im Geschäft" Michelle Darnell, eine widerliche, hartherzige Unternehmerin, die ihr Bling-Bling liebt und ihre Hubschrauberpiloten ohne Hemd bevorzugt. Ihre Seminare gestalten sich wie Beyoncé-Konzerte mit Menschen, die gekommen sind, um zu hören, wie sie von Reichtum und Autarkie predigt.

Michelle ist eine geldgeile Egomanin, weshalb ihr niemand eine Träne hinterher weint, als ihr Erzrivale und Ex-Liebhaber (Peter Dinklage) sie für Insiderhandel denunziert. Nach einem kurzen Gefängnisaufenthalt ist sie obdachlos, mittellos und ohne Freund in der Welt. Da sucht sie Zuflucht bei ihrer ehemaligen Assistentin Claire (Kristen Bell) und deren Tochter (Ella Anderson). Der Weg zurück zum Erfolg ist natürlich mit Gemeinheiten gepflastert, aber zusammen gründen sie ein Brownie-Imperium für junge Pfadfinderinnen und weil das alles eine ziemlich generische Geschichte ist - das ist wirklich kein Spoiler - wird Michelle am Ende eine rührselige Lektion über die Bedeutung der Familie lernen.

Melissa McCarthy, die das Drehbuch gemeinsam mit ihrem Ehemann und Regisseur Ben Falcone und Steve Mallory schrieb, ist eine mühelos lustige Darstellerin (große Untertreibung) mit einer unbändigen Leinwandpräsenz und liefert als solche fast Grund genug, jeden Film zu sehen. Ähnlich wie Michelle ist sie bekannt für ihre urkomische, oft vulgäre, manchmal sensible Persona. Um es mit den Worten der US-Historikerin Laurel Thatcher Ulrich zu sagen: "Manierliche Frauen schreiben selten Geschichte".

Aber "The Boss - Dick im Geschäft" hat null Finesse als Komödie. Es gibt eine Menge großartiger Slapstick-Stücke einschließlich einer Zahnaufhellungsszene und einem "Boob Fight" zwischen McCarthy und ihrer Schauspielkollegin Kristen Bell. Das Problem ist, dass das Drehbuch bedauernswert faul ist mit einer "Werfen wir Melissa McCarthy gegen eine Wand und es wird schon lustig sein"-Mentalität. Es gibt eine Szene, in der Michelle mit potenziellen Investoren spricht. Sie redet sich um Kopf und Kragen. Nichts davon ist wirklich lustig, aber das Gespräch geht weiter und weiter bis Michelle sich entschuldigt und dann unabsichtlich eine Treppe hinunterfällt. Ende der Szene.

Zugute gehalten werden kann dem Film vielleicht noch, dass McCarthy zwar erneut das Abziehbild der lauten Dicken gibt, aber ihre massive Statur nicht für laue Gags eingesetzt wird. Aus anderen Filmen sind Zuschauer da durchaus Schlimmeres gewohnt. Gut getroffen ist auch der viele Unternehmenssprech: Mit Worthülsen über "das große Geld" und den Weg an die Spitze durch harte Arbeit werden die stets vom Reichtum faszinierten Show-Großkapitalisten à la Donald Trump gut aufs Korn genommen.

Beides geht ebenfalls auf das Konto McCarthys, die hier auch als Produzentin und Drehbuchautorin gearbeitet hat. Ihr Mann Ben Falcone führte wie schon beim Erfolg "Tammy - Voll abgefahren" auch hier Regie. Doch das war es dann auch schon. 

Dennoch: Unterm Strich schadet die von der Kritik zerrissene Brachialkomödie nicht dem Image ihrer Hauptdarstellerin. Die Einspielergebnisse in den USA stimmen und sie hat bereits die nächste aufsehenerregende Rolle im Kasten. Im Juli läuft eine in den Hauptrollen vollständig weiblich besetzte Fortsetzung der "Ghostbusters" an.

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