Tetro

Drama, USA/I/E/RA 2009
Beeinflusst von 'Hoffmanns Erzählungen'

Beeinflusst von 'Hoffmanns Erzählungen'

Regie-Legende Francis Ford Coppola hat in seinem Spätwerk "Tetro" Südamerika als Schauplatz gewählt und sich stark von den dortigen Fernseh-Familien-Sagas, den Telenovelas, beeinflussen lassen. Beeinflusst von "Hoffmanns Erzählungen" und mit Klaus Maria Brandauer in der Hauptrolle, erzählt er die Geschichte einer verkorksten Künstlerfamilie.

Der junge Amerikaner Bennie Tetrocino trifft in Buenos Aires seinen vor zehn Jahren untergetauchten Bruder Angelo (Vincent Gallo) wieder. Angelo ist ein verbitterter Schriftsteller, der sich Tetro nennt und seine Werke nie veröffentlicht hat. Denn er konnte nie aus dem Schatten seines übermächtigen Vaters, des weltberühmten New Yorker Dirigenten treten (Doppelrolle für Klaus Maria Brandauer, der sowohl den Vater wie dessen Bruder verkörpert). Schrittweise offenbart sich ein abgründiges Familiendrama.

Mit seinem Spätwerk "Tetro", das heuer die Schiene "Festival Quinzaine des Realisateurs" in Cannes eröffnete, hat der große Coppola dezidiertes Independent-Feeling gesucht: schwarz-weiß gedreht, mit ruhigen Bildern, einer bizarren Personage. Und einer Handlung, die genau jene Mischung an voyeuristischer Faszination am Familienzwist und antiker Tragödie hat, die in den Telenovelas das Publikum vor den Fernsehern bannt. Ödipus lässt ebenso grüßen wie Dallas. Und ein Ende ist nicht in Sicht - Telenovelas laufen jahrelang, und Coppola hat in "Tetro" gezeigt, dass sich familiäre Gewaltmuster von Generation zu Generation fortpflanzen.

Doch die Egomanie im Künstlerischen ist längst nicht alles: Coppola verhandelt Urängste in der Vater-Sohn-Beziehung, Konkurrenzkampf zwischen Geschwistern, familiäre Verlogenheit. Zwar geht Gallo in der Rolle des mental und emotional fast tödlich verwundeten Tetro völlig auf, auch Brandauer herrscht auf der Leinwand wie im Film. Letztlich ist es aber eben diese Eindimensionalität des Tragischen, die dem Film vieles an Kraft nimmt. Aus den Ecken und Kanten des Streifens sickert eine Ahnung davon, dass Regisseur und Drehbuchautor Coppola sich vom Persönlichen an der Geschichte übermannen ließ. Und am Schluss geht es dem Zuseher durchaus ähnlich wie Tetro: Von dieser Familie will man wahrlich nichts mehr wissen.

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