Täxi Töheran

Drama, IR 2015
Regisseur Panahi sitzt selbst am Steuer des Taxis

Regisseur Panahi sitzt selbst am Steuer des Taxis

Mit einem 20-jährigen Berufsverbot wurde der iranische Regisseur Jafar Panahi vor fünf Jahren belegt, weil dem Regime seine kritischen Produktionen nicht passten. Drei Filme drehte er seitdem heimlich und schaffte es, diese außer Landes zu schmuggeln. "Taxi Teheran", der im Februar bei der Berlinale den Goldenen Bären gewann, ist das kluge Highlight dieser versteckten Arbeit.

Panahi setzt sich dafür selbst ans Steuer eines Taxis und montiert die Kamera am Armaturenbrett. Während sich das Auto durch die lauten und bunten Straßen Teherans bewegt, steigen die unterschiedlichsten Menschen ein: ein Raubkopierer, der den Menschen gewisse Filme überhaupt erst zugänglich macht, zwei Damen mit einem Goldfischglas, die sich nach ewiger Jugend sehnen, ein Unfallopfer auf dem Weg ins Krankenhaus, dann auch seine kleine Nichte, die ihm altklug und mit Esprit lästige Fragen stellt.

Manche Fahrten wirken heiter und die Gespräche scheinbar beiläufig, manche werden explizit politisch - etwa, wenn eine Frau mit Rosen eine politische Gefangene besucht, oder eine andere Frau mit einem Mitfahrenden - gleich zu Beginn des Films - eine Diskussion beginnt, wie das Land mit Dieben verfahren sollte. Stets ist Panahi dabei auch präsent, er hört zu, reflektiert, kommentiert, fragt nach, ohne Bitterkeit, manchmal melancholisch, aber stets hellwach, und er gibt einen subversiven Einblick in die iranische Gesellschaft, ohne dafür alles aussprechen zu müssen.

Tatsächlich sprechen die einzelnen Episoden, die zwar in dokumentarischem Umfeld gedreht, aber zur Gänze inszeniert sind, für sich. Sie erzählen von Armut, von Repression, von Kriminalität, Folter und Zensur, aber auch von Lebenslust, von Aberglaube, von der Stellung der Frau und dem Verhältnis von Lüge und Wahrheit in jenem Land, das sich zuletzt mit dem Atom-Deal wieder ein Stück weit dem Westen angenähert hat. Die Kritik am Regime ist auch diesmal unverhohlen - und dennoch merkt man dem Film an, dass die Reaktion der Zensoren schon mitgedacht wurde.

"Ein Film stiller, aber tiefer Empörung, lachend an der Oberfläche, aber direkt darunter heulend vor Wut", schrieb das Filmmagazin "Variety" unmittelbar nach der Weltpremiere im Wettbewerb der Berlinale passend. Die lachende Oberfläche und die heulende Wut zeugen gleichsam von der Courage und der Menschlichkeit, von der dieser Film erfüllt ist - und vom Humor, den sich Panahi auch als Gefangener außerhalb des Gefängnisses bewahrt hat. "Ich muss unter allen Umständen weiter Filme machen", sagte er kürzlich, "um mich lebendig zu fühlen."

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